Plädoyer

Wawrinka und der unnütze Vergleich mit Federer

Warum es Unsinn ist, Stanislas Wawrinka stets an Roger Federer zu messen. Ein Plädoyer für mehr Achtung vor einem ganz grossen Sportler.

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Ob Stanislas Wawrinka seinen Olympiadoppelpartner Roger Federer fünf Jahre nach dem gemeinsamen Gewinn der Goldmedaille allmählich überflügelt, ist eine Frage, die man in diesen Tagen des Öfteren zu hören bekommt. Die Antwort ist unerheblich, weil die Frage die falsche ist. Sie müsste lauten: Schafft es Wawrinka endlich, sein immenses Potenzial voll abzurufen und erstmals in seiner Karriere an einem Grand-Slam-Turnier unter die letzten vier vorzustossen?

Der US-Open-Viertelfinal zwischen Wawrinka und dem britischen Titelverteidiger Andy Murray in der Nacht auf Freitag ist nun die Chance, Wawrinka als eigenständigen Tennisspieler wahrzunehmen, als Weltklasseathleten, auf den die Schweiz ebenso stolz sein kann wie auf ihre Eishockeyaner oder den Fussballstar Xherdan Shaqiri.

Der ständige Vergleich mit Federer wird einem Athleten, der in einer grossen Sportart wie dem Tennis zu den Top 10 gehört, nicht gerecht. Oder würde jemand Shaqiri nach einem Hattrick für die Bayern fragen, ob er glücklich darüber sei, dass er soeben einen Treffer mehr erzielt habe als einer seiner Nationalmannschaftskollegen in irgendeinem anderen Bundesligaspiel?

Von Wawrinka wollten die Reporter nach seinem bemerkenswerten Viersatzsieg über den tschechischen Weltranglistenfünften Tomas Berdych vor allem eines wissen: Wie es sich denn anfühle, zum ersten Mal an einem Majorturnier weiter vorgestossen zu sein als der Über-Schweizer Federer. «Das ist auf jeden Fall eine ungewöhnliche Situation», antwortete er brav. «Ich bin sehr glücklich über meine Leistungen in diesem Jahr, aber ich würde es bevorzugen, wenn Roger noch im Turnier wäre. Ich habe seinen Match gesehen, und er war nicht so gut. Ich war traurig für ihn, denn er ist ein guter Freund.»

Er hoffe, dass Federer nach den jüngsten Enttäuschungen stärker zurückkomme, so Wawrinka, zu dem das Attribut Weltnummer 10 weit besser passt als die Bezeichnung Schweizer Nummer 2. Der Romand betonte auch, dass es ihm Freude bereite, wenn Federer Grand-Slam-Turniere gewinne. Das zeigt, dass er seine eigenen Leistungen nicht in Zusammenhang mit jenen des berühmten Landsmanns stellt. Die Tennisfans, egal ob in der Schweiz oder sonst wo auf der Welt, sollten das auch nicht tun. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.09.2013, 13:59 Uhr

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