Wawrinkas grosse Chance

Die Tennissaison geht mit dem Turnier in Montreal in ihre zweite Hälfte – ohne Federer, mit Wawrinka. Eine Auslegeordnung.

Drei Favoriten in Montreal: Wawrinka, Nadal und Djokovic.

Drei Favoriten in Montreal: Wawrinka, Nadal und Djokovic. Bild: Keystone

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Die Tennisspieler haben nach Wochen Tennisspielen am Strand (Bastad) und in den Alpen (Gstaad, Kitzbühel) den Kontinent gewechselt. Heute beginnt die zweite Saisonhälfte des Männertennis mit dem ATP-1000-Turnier in Montreal.


Die Schweizer

In Gstaad setzte Stan Wawrinka wegen Schulterproblemen aus, heute ist er wieder fit. Er ist als Nummer drei gesetzt, obschon er seit heute in der Weltrangliste um einen Rang auf Platz 5 zurückgefallen ist – Kei Nishikori hat ihn überholt. Spielt der French-Open-Sieger seinen Möglichkeiten entsprechend, wird er in Kanada ATP-Punkte sammeln – er schied im letzten Jahr in der dritten Runde aus (Niederlage gegen den Südafrikaner Kevin Anderson). Eine Klassierung unter den Top 4 wäre gerade im Hinblick auf die US Open wichtig.

Wawrinka befindet sich in der Tableauhälfte von Djokovic, im Viertelfinal könnte er auf den Kanadier Milos Raonic treffen. In seinem ersten Spiel spielt Wawrinka entweder gegen Fernando Verdasco oder den australischen Nachwuchsmann Nick Kyrgios.

Roger Federer verzichtet auf das Turnier in Montreal. Sein Fitnesstrainer Pierre Paganini erzählte dem amerikanischen Sportsender ESPN, dass Federer stark zwischen der kurzfristigen und der langfristigen Planung unterscheidet: «Ich kenne keinen anderen Spieler, der so präzise sagen kann, wie es ihm geht, wie er sich fühlt. Das hilft mir als Betreuer, um allfällige Verletzungen zu antizipieren.»

Es sei daher wichtig, dass Federer neben dem harten Arbeiten auch genügend pausiere und sich erhole. Paganini nützt die Zeiten zwischen den Turnieren, um an den Schwachpunkten an Federers Körper zu arbeiten.


Die Favoriten

Titelverteidiger ist zwar Jo-Wilfried Tsonga, ganz klarer Favorit ist aber Novak Djokovic. Drei Niederlagen hat er bisher in dieser Saison erlitten (48:3-Bilanz) und die Hartplatzturniere in Melbourne, Indian Wells und Miami gewonnen; trotzdem versucht der Serbe den Druck von sich zu nehmen: «Ich bin in der gleichen Position wie jeder andere Spieler, der versucht, den Titel zu gewinnen.»

Gut in Form ist Kei Nishikori, der in Washington gewann und John Isner in zwei Sätzen bezwang. Ebenso der Österreicher Dominic Thiem: Seit Wimbledon gewann er zwei Turniere und kam einmal ins Halbfinal. Auch Andy Murray, Milos Raonic, Rafael Nadal und Stan Wawrinka zählen zum Favoritenkreis.


Rafael Nadal

Nach einem schlechten ersten Halbjahr will der Spanier in Montreal seine Saison neu lancieren, er kommt mit einem Turniersieg aus Hamburg nach Kanada. Trotzdem muss er in Nordamerika unliebsame Fragen beantworten – Federer kennt das –, es geht um sein mögliches Karriereende. Nadal gibt sich dazu pragmatisch: «Ich habe noch genügend Motivation, deshalb stellt sich die Frage nicht», sagt die ehemalige Nummer 1. «Wenn der Moment kommt, werde ich es wissen – bis dann werde ich es geniessen.»

Weil er im Vorjahr alle Nordamerika-Turniere verletzungsbedingt verpasste, kann er in Montreal, Cincinnati und New York bis zu 4000 Rankingpunkte gewinnen. Es ist daher absehbar, dass sich der Spanier von der neunten Weltranglistenposition nach vorne bewegen wird. Kanada sollte ihm zudem liegen, dreimal hat er triumphiert, zudem hat er 2005 in Montreal sein erstes Hartplatzturnier gewonnen.


Die Nordamerikaner

Sie leiden, die ehemals erfolgsverwöhnten Männertennisfans aus Amerika. Seit dem Rücktritt von Andy Roddick ist keiner zugegen, der sich an grossen Turnieren regelmässig in den letzten acht klassiert. John Isner ist zurzeit der Mann mit den meisten Möglichkeiten, er ist in Form, kam in Washington in den Final und kann mit seinem Aufschlag jedem wehtun – ein Vorstoss unter die letzten vier wäre aber eine Überraschung. Genau so, wie wenn Jack Sock, die zweite Kraft, drei Runden überstehen und ins Viertelfinale einziehen würde.

Bei den Kanadiern liegen die Hoffnungen auf Milos Raonic, der erstmals seit Wimbledon wieder spielt. Er plagte sich mit einem Nervproblem im rechten Fuss.


Prognose

Halbfinal: Djokovic - Wawrinka, Nadal - Murray
Final: Djokovic - Nadal
Sieger: Djokovic (czu)

Erstellt: 10.08.2015, 15:19 Uhr

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