Wie viel Geld die Exhibition der Federer-Stiftung bringt

Heute in Zürich (gegen Murray), Ende Monat in Seattle: Zwei «Matches for Africa» spülen dem Tennisstar Millionen in sein Hilfswerk.

Roger Federer 2015 beim Besuch eines Projekts in Malawi.

Roger Federer 2015 beim Besuch eines Projekts in Malawi. Bild: Jens Honoré, RF Foundation

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Roger Federer kann es einfach nicht lassen. Obwohl sich der erfolgreichste Spieler der Saison von der Tennistour bis zum French Open (ab 28. Mai) verabschiedet hat, jettet er Ende April noch einmal in den Nordwesten der USA, ins acht Zeitzonen entfernte Seattle. Dort findet, auch auf Initiative von Software-Milliardär Bill Gates, der Match for Africa 4 statt, in dem er gegen den Amerikaner John Isner antritt. Und das nur 19 Tage nach dem längst ausverkauften Match for Africa 3 von morgen im Zürcher Hallenstadion gegen Andy Murray (live TV 24).

Der kurzfristig in Indian Wells vereinbarte Auftritt in Seattle illustriert: Dem Sieger von Melbourne, Indian Wells und Miami ist kein Weg zu weit und kein Aufwand zu gross, wenn es um seine Stiftung geht. Denn er weiss: So einfach wie jetzt wird es ihm nie mehr fallen, dafür viel Geld zu generieren. Die beiden Schaukämpfe im April werden allein über 3 Millionen Franken in die Roger Federer Foundation spülen.

Tiger Woods betreibt die grösste Stiftung

Diese ist gemäss Janine Händel, seit 2010 CEO der RF-Foundation, mit einem jährlichen Investitionsvolumen von inzwischen 6 bis 7 Millionen Franken zu den weltweit führenden Stiftungen von Athleten aufgerückt. Dem gelegentlich gehörten Einwand, Federer könnte als einer der seit Jahren bestverdienenden Sportler locker mehr Geld hineinfliessen lassen, tritt Janine Händel mit Quervergleichen entgegen. «Praktisch alle Sportlerstiftungen in Europa bewegen sich unter einer Million jährlich.» Die weltweit grösste gehört Tiger Woods, der jährlich etwa 10 Millionen ausgibt.

«Letztlich kommt es aber nicht darauf an, wie viel Geld eine Stiftung ausgibt, sondern was sie damit bewirkt», sagt Händel, welche die vornehmlich im südlichen Afrika aktive Federer-Stiftung momentan von Zimbabwe aus leitet. Diese ist darum auch bemüht, dass so viele Mittel wie möglich direkt in die Programme fliessen. «Das ist mit ein Grund, weshalb wir ausschliesslich mit lokalen Organisationen in den Ländern unserer Programme arbeiten.»

Als sie kürzlich ausrechnete, wie viel Geld durch Federer selber schon in die Stiftung geflossen ist, sei sie selber überrascht gewesen, sagt die zweifache Mutter. Von den 28,5 Millionen Franken, die seit der Gründung Ende 2003 inzwischen ausgegeben wurden, stammen nach ihrer Rechnung 22,8 Millionen vom Chef selber. «Natürlich kommt das nicht direkt von seinem Konto», sagt sie. «Aber es sind indirekte Spenden, die hundertprozentig von ihm abhängig sind. Ohne ihn gäbe es zum Beispiel auch keinen Match for Africa, oder er könnte den Gewinn solcher Schaukämpfe für sich beanspruchen.»

Von der Spenden- zur Förderorganisation

In dieser Summe enthalten sind Gewinne aus gewissen RF-Artikeln, teilweise auch Antrittsgelder von ATP-Turnieren sowie jene Beträge, die durch die meisten seiner Sponsoren – allen voran Credit Suisse und Rolex – in die Stiftung fliessen. «Auch diese Beträge sind für ihn ja entgangener Gewinn», so Händel.

Die Federer-Foundation beschäftigt neben ihr inzwischen drei weitere Angestellte, davon zwei lokale Mitarbeitende im Regionalbüro in Südafrika. Sie ist über die Jahre stark gewachsen – insbesondere 2010, als sie professionalisiert wurde – und hat sich von einer reinen Spendenorganisation zu einer Förderorganisation gewandelt. Das bedeutet: Es wird nicht einfach Geld überwiesen, sondern die begünstigten Projekte werden strategisch begleitet, regelmässig vor Ort kontrolliert, dazu wird nach Optimierungsmöglichkeiten gesucht.

Eine Konsequenz daraus ist die Entwicklung eines Selbstlernkurses für Lehrer, ein Projekt namens IACT. «Es entstand aus der Erkenntnis heraus, dass es den Lehrern in allen Schulen, in denen wir aktiv sind, an didaktischem und pädagogischem Wissen fehlt», erklärt Janine Händel. «Sie wissen zwar, was sie unterrichten müssen – aber es fehlt am Wie.»

Lernvideos mit lokalen Lehrern

Das Projekt startet in Sambia, wo es etwa 3500 Dorfschulen mit Laienlehrern gibt, die teilweise 200 bis 500 Schüler unterrichten müssen. IACT ist ein auf Videos basierender, englischsprachiger Weiterbildungskurs, der 24 einstündige Lektionen umfasst und auf Tablets in die Schulen gebracht wird. Ein wichtiges Detail ist, dass die Videos mit Lehrern und Schülern aus Sambia aufgenommen wurden.

Die international bereits verfügbaren didaktischen Videos seien alle im Norden mit weissen Lehrern gefilmt worden, so Händel – und im südlichen Afrika sei die Identifikation mit den Inhalten klein, wenn diese zum Beispiel aus Oxford stammten. IACT wurde in einem dreitägigen Workshop mit Experten entwickelt, in Südafrika designt und steht nun vor der Bewährungsprobe. «Wir warten gespannt darauf, wie der Kurs bei den Lehrern ankommt und wie viele ihn erfolgreich absolvieren.»

Die Federer-Foundation arbeitet mit relativ wenigen Partnern, von denen viele mit ihr über die Jahre gewachsen sind. Zwölf sind es zurzeit in Afrika, vier in der Schweiz (Winterhilfe, A:Primo, Primokiz und Sporthilfe). Das erklärte Ziel ist es, bis Ende 2018 total eine Million Kinder im Bereich der Frühförderung erreicht zu haben, vor allem in den ärmsten Gebieten des südlichen Afrika. Ende 2016 stand diese Zahl bei 650’000.

«Einfach wunderbar»

Die Strahlkraft und Bekanntheit ihres Namensgebers bringt der Stiftung den Vorteil, auf aktive Werbung und Spendengenerierung verzichten zu können, wodurch auch die Verwaltungskosten tief gehalten werden. Seit Beginn liegen diese unter acht Prozent. «Wir haben das Privileg, eine Veranstaltung zu organisieren, die kommerziell erfolgreich ist. Dadurch müssen wir auch nicht den Spendenmarkt konkurrenzieren», betont Händel einen speziellen Aspekt der Matches for Africa, von denen es weitere geben wird.

Der Name Roger Federer ist ein Türöffner, steht für Glaubwürdigkeit und Qualität. Beim Besuch in Malawi 2015 etwa traf er auch den Vizepräsidenten und den Minister für Bildung. Händel: «Und was geschah? Einen Monat später hatte das Parlament erstmals ein Budget für Frühbildung gesprochen.»

Für Federer ist klar, dass seine Stiftung zu einem Lebenswerk werden soll, um das er sich nach der Karriere noch intensiver kümmern wird und das vielleicht seine Kinder einmal weiterführen. «Ich hätte nie erwartet, dass ich einst eine solche Aufgabe haben könnte», sagte er kürzlich gegenüber Tele Züri und betonte, wie wertvoll und inspirierend die Arbeit und die Reisen für die Stiftung seien. «Tennis, Familie, Charity – das ist einfach wunderbar.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.04.2017, 09:36 Uhr

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