Williams’ Geschmacksverirrung

Simon Graf, Journalist des «Tages-Anzeigers», bloggt für Sie vom Australian Open. Heute über modische Eigenheiten.

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Mode ist ein ideales Blogthema, weil es gut zu bebildern ist und die Fantasie der Leser anregt. Hunderttausende zeigen inzwischen der Welt im digitalen Universum, was sie tragen und schick finden. Keine Angst, der Autor sieht davon ab, dies nun an seinem Beispiel den treuen Lesern des Tennisblogs anzutun. (Seit Mittwoch sind in Melbourne wieder Shorts in, es ist wärmer geworden.) Vielmehr soll hier sanfte Kritik am neuen Outfit von Venus Williams geübt werden.

Die Amerikanerin kündigte bereits vor dem Open an, man werde bei ihr «viel Haut» sehen. Vor ihrem ersten Auftritt verliess sie dann aber der Mut, und sie entschied sich, wie sie enthüllte, für ein konservatives Outfit mit schwarzen Tights. In Runde 2 bekamen wir nun zu sehen, was sie gemeint hatte. Und weil der Match gegen die unbekannte Tschechin Sandra Zahlalova zu einem fast dreistündigen Thriller wurde, gab es ausreichend Gelegenheit, ihre Garderobe zu bestaunen: Ihr Kleid bestand aus einem gelben Oberteil mit Löchern (die deutsche Kollegin sprach von einem «Jägerzaun-Muster») und einem angehängten, äusserst kurzen Röckchen, das bei jedem schwungvollen Schlag ihr Hinterteil freilegte. Und als wäre dem nicht genug, trug sie darunter hautfarbene Tights.

Sie wolle eine Illusion kreieren, erklärte Williams. Die Illusion offenbar, dass sie keine Unterwäsche trägt. Das Gesamtbild wurde allerdings zerstört, als sie nach dem (verlorenen) Startsatz ihren rechten Oberschenkel einbandagieren liess. Denn hautfarbene Bandage hatte der Physio leider nicht zur Hand. Williams’ Auftritt hinterliess zahlreiche Fragen: Gefällt ihr das wirklich? Welches Zielpublikum will sie damit ansprechen? Wieso produziert sie sich auf eine solche Weise? Lässt sich ein solches Kleid verkaufen? Zu ihrer Verteidigung muss ins Feld geführt werden, dass sie für ihre Tenniskollektion genannt «eleVen» auch schon wirklich schöne Dresses entworfen hat. Solche, mit denen man sich als Frau durchaus in den lokalen Tennisklub getrauen darf.

Serena Williams vertraut übrigens nicht auf die Designs ihrer älteren Schwester – nicht, weil sie ihr nicht gefallen, sondern weil ihr Nike mehr bezahlen kann. Und der US-Gigant, der auch Roger Federer, Rafael Nadal und Maria Scharapowa unter Vertrag hat, versteht es auch immer wieder, gelungene Outfits zu produzieren. Wie jenes von Serena Williams in Wimbledon, das eine Hommage an Erdbeeren mit Rahm darstellte. Und natürlich zahlreiche, die schon Federer auf dem Laufsteg der Grand-Slam-Turniere vorführte.

Abonniert auf den Titel für die am ungewöhnlichsten gekleidete Spielerin ist die Amerikanerin Bethanie Mattek-Sands, die auch schon im Tigerkostüm auftrat und gerne in Kniesocken spielt. Für Aufsehen sorgte zudem unlängst Wimbledon-Marathonmann Nicolas Mahut am Hopman Cup in Perth, wo er im gemischten Doppel in Frauenkleidern auftrat – als Dragqueen gewissermassen. Was die Tennismode betrifft, scheinen der Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt zu sein.

Erstellt: 19.01.2011, 14:29 Uhr

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