«Wurde nicht geholt, um ihm zu zeigen, wie man Brot schneidet»

Seit er mit Paul Annacone zusammenarbeitet, ist Roger Federer wieder auf die Erfolgsstrasse zurückgekehrt. Der Coach erklärte vor dem Australian Open seinen Einfluss.

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«Jedes Mal, wenn ich aufwache, muss ich mich ein wenig kneifen», erklärte Paul Annacone vor dem Australian Open. Der Kalifornier betreut seit dem letzten September Roger Federer und erklärt, «den Ritt zu geniessen». Er sei in seiner Karriere auch vom Glück begünstigt gewesen. «Ich hatte die Jobs, die man als Coach auf dem höchsten Niveau haben kann», so Annacone. «Ich war acht Jahre um Pete (Sampras) und vier Jahre um Tim (Henman) herum, und nun habe ich das Glück, mit Roger zu arbeiten.»

Federer habe ihn vor allem beigezogen, um zusätzliche strategische Inputs zu erhalten. «Ich wurde ja nicht geholt, um ihm zu zeigen, wie man Brot schneidet», meinte Annacone mit einem Schmunzeln. «Er wird nicht plötzlich eine zweihändige Rückhand spielen», so der 47-Jährige etwas ernster. «Es geht um die Zusammenarbeit von Kopf, Herz und Talent, um das Verständnis, wie diese Faktoren interagieren und um die Wahl der besten Taktik», erklärt Annacone. «Und vor allem geht es darum, Spass dabei zu haben. Und sie müssen versuchen, besser zu werden. Will man nicht mehr besser werden, dann wird man automatisch schlechter, weil alle anderen besser werden», sagte er weiter.

«Er kann 20 Grand-Slam-Titel gewinnen»

Annacone lobt in diesem Zusammenhang die Einstellung Federers. «Roger ist sehr begierig, sich immer weiter zu verbessern. Wenn man jemanden sieht, der so viel gewonnen hat, dann ist es beinahe unglaublich», lobt der Coach seinen Schützling. Er habe Federer vor allem ermuntert, sein breites Repertoire einzusetzen. Dies hätte zu einer offensiveren Spielweise geführt. «Er versucht, aggressiver zu sein und er sucht Wege, um seine offensiven Fähigkeiten prominenter einzusetzen. Heute sind viele der Spieler so gut auf der Grundlinie, dass das Spiel etwas eindimensional werden kann», findet Annacone.

Es sei Federers grösste Stärke, dass er «so viele Dinge auf einem so hohen Level, nicht nur technisch, sondern auch strategisch machen kann». An Annacone sei es, «dieses komplexe Puzzle» in Ordnung zu bringen. Federer könne noch immer jeden Match und jedes Turnier gewinnen, was nicht jeder Spieler von sich behaupten könne. «Wenn er gesund und fleissig bleibt, dann weiss ich nicht, wo es endet. Bei 20 Grand-Slam-Titeln. Warum nicht?», schaut Annacone in die Zukunft.

Erstellt: 12.01.2011, 15:27 Uhr

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