Als Vormittagsprofi auf Erfolgskurs

Patty Schnyder, bald 40, hat sich erstmals als Mutter für ein Grand-Slam-Turnier qualifiziert. Ihre erste Gegnerin am US Open: Maria Scharapowa.

Lang ists her: Patty Schnyder vor dem Comeback an einem Grand-Slam-Turnier. Foto: Lev Radin (Freshfocus)

Lang ists her: Patty Schnyder vor dem Comeback an einem Grand-Slam-Turnier. Foto: Lev Radin (Freshfocus)

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Patty Schnyder geht es gut, das ist ihr anzusehen. Interviews hatten auch wegen ihrer bewegten Geschichte und den zuweilen entsprechend unbequemen Fragen nie zu ihren Lieblingsbeschäftigungen gehört. Doch nun, da sie im Mediengarten des nationalen US-Tenniscenters sitzt, erzählt sie gern, ihre Augen strahlen Fröhlichkeit aus, immer wieder lächelt sie. Und das, obwohl sie schon einem Reporter der «New York Times» ausgiebig Auskunft erteilt und noch Fernsehinterviews vor sich hat. Am Ende wird sie bereitwillig für ein Bild posieren.

Das Interesse an Schnyder kommt nicht von ungefähr. Die Baselbieterin, die am 14. Dezember ihren 40. Geburtstag feiern wird, qualifizierte sich letzte Woche für das Haupttableau des US Open – nie hat sich eine ältere Spielern an einem Grand-Slam-Turnier durch die Qualifikation gespielt.

«Statistiken und Rekorde sind nicht so meine Sache», sagt sie, «aber für mich persönlich ist es schon etwas Spezielles. Denn ich weiss, wie schwierig es ist, fit zu sein und alles unter einen Hut zu bringen. Daher bin ich schon sehr stolz.»

Die Nachmittage mit Kim

Seit drei Jahren tingelt die einstige Nummer 7 der Welt wieder um den Globus, bestreitet vorwiegend Turniere unterer Stufe. Sie sei nach wie vor ein Wettkampftyp, berichtet sie. «Wenn ich im Training bin, achte ich auf Details, versuche, noch ein paar Prozente zuzulegen.» Salopp formuliert ist Schnyder ein Vormittagsprofi.

Am Morgen widmet sie sich dem Tennis, danach ihrer Familie, die aus Gatte Jan und Töchterchen Kim besteht. «Ich will das so haben, die Nachmittage mit Kim sind so schön. Zudem: Wenn ich am Morgen zwischen anderthalb und dreieinhalb Stunden trainiert habe, reicht es dann auch, dann bin ich kaputt.»

Auch in New York verbringt die 39-Jährige viel Zeit mit ihren Liebsten. Sie hat sich eine Unterkunft unweit des Central Park gesucht: «So können wir immer ins Grüne gehen.» Mittlerweile habe auch die im November 4-jährig werdende Kim das Tennis entdeckt: «Seit einem Monat fragt sie mich öfter, ob sie spielen dürfe. Die Backhand schlägt sie total gern», sagt die stolze Mutter.

Der Sieg gegen Steffi Graf

Schnyder hat sich am US Open immer schon wohlgefühlt; in der ersten Runde hat sie in New York noch nie verloren. Könnte sie die Serie fortsetzen, wäre dies eine Sensation, denn am Dienstagabend wird ihr im umgebauten Louis Armstrong Stadium Maria Scharapowa gegenüberstehen. Die gross gewachsene Russin, Gewinnerin von fünf Grand-Slam-Titeln, war für die technisch versierte Linkshänderin schon während ihrer ersten Karriere ein fast unüberwindbares Hindernis gewesen, wie die 1:7-Bilanz beweist.

«Das ist schon happig», gibt Schnyder zu und fügt an, von allen Qualifikantinnen habe nur die Gegnerin von Julia Görges eine ähnlich schwierige Auslosung erwischt. «Dafür spielt man auf einem coolen Court und hat ein schönes Erlebnis. Die Stimmung an den Night Sessions von Grand-Slam-Turnieren ist schon sehr speziell.»

Vor 20 Jahren war die Ausgangslage für die Schweizerin schon einmal ähnlich gewesen. Und tatsächlich schaffte sie es damals, die Deutsche Steffi Graf in zwei Sätzen zu besiegen. «Ich weiss noch, dass der Match auch im Rahmen einer Night Session stattfand, dass ich krasser Underdog war. Aber an einzelne Ballwechsel mag ich mich nicht mehr erinnern. Dazwischen sind einfach zu viele Sachen geschehen.» Schnyder zählt zwar zwei, drei ihrer besten Leistungen am US Open auf, hält sich aber nicht lange mit der Vergangenheit auf. Die Gegenwart ist viel zu schön.

Erstellt: 27.08.2018, 07:27 Uhr

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