«Am liebsten würde ich Wimbledon gewinnen»

Stan Wawrinka blickt in Kalifornien voraus auf den reich befrachteten Sommer mit der Titelverteidigung in Paris und Olympia in Rio.

Stan Wawrinka posiert in der kalifornischen Wüstenoase Indian Wells. Er sagt: «Es ist klar, dass sich mein Status dank dem Sieg in Paris geändert hat.» Foto: Keystone

Stan Wawrinka posiert in der kalifornischen Wüstenoase Indian Wells. Er sagt: «Es ist klar, dass sich mein Status dank dem Sieg in Paris geändert hat.» Foto: Keystone

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Vor einem Jahr bedauerten Sie es im Rückblick, die 1. Davis-Cup-Runde in Belgien ausgelassen zu haben. Wie war das nun mit dem Italien-Spiel?
Es geht mir schon ans Herz, wenn ich beim Davis-Cup nicht dabei bin. Natürlich lebte ich auch jetzt mit und verfolgte die Matchs. Marco (Chiudinelli) zeigte einen grossen Kampf, hatte Matchbälle, aber leider verlor er. Wir wussten, dass das geschehen kann. Ob ich es bedaure, gefehlt zu haben? Nein. Die Jahre gehen vorbei, der Kalender ist überfrachtet, man kann nicht alles machen.

Werden Sie beim Playoff gegen den Abstieg im Herbst dabei sein?
Ich warte vorerst in Ruhe ab, wie letztes Jahr. Lust habe ich, und ich beabsichtige auch zu spielen. Aber das ist noch weit weg, bis dann kann vieles passieren.

Der Sommer 2016 ist mit den Olympischen Spielen reich befrachtet. Änderte sich dadurch Ihre Planung?
Nicht gross. Der Unterschied ist, dass uns nach Wimbledon weniger Zeit bleibt als üblich und ich dort keinen langen Trainingsblock einlegen kann. Meine Planung steht, doch ich kann sie noch anpassen. Nach Miami ziehe ich Zwischenbilanz und schaue, wie ich gespielt habe, wie ich mich bewege und wie ich mich fühle. Dann entscheiden wir, ob ich meinen Turnierplan anpassen muss.

Welche Sandturniere sind geplant?
Monte Carlo, Madrid, Rom, Genf und ­Paris. Genau wie 2015.

Gibt es für Sie 2016 einen Höhepunkt, der alles überstrahlt und an dem Sie in Topform sein wollen?
Nein. Darin unterscheide ich mich von anderen. Und das ist auch meine Stärke: Natürlich möchte ich vor allem an den Grand Slams und den Olympischen Spielen gut spielen. Aber so einfach ist das nicht. Mein Ziel ist es, mich bestmöglich auf jedes Turnier vorzubereiten. Das sah man letztes Jahr: Ich spielte nicht gut in Monaco, nicht gut in Madrid, etwas besser in Rom, wieder nicht gut in Genf. Aber ich kämpfte, versuchte, gab alles. Und in Paris ging es plötzlich los . . . Wenn ich einmal ein Turnier beginne, dann gebe ich alles.

Wo würden Sie am liebsten gewinnen: in Paris, Wimbledon oder Rio?
(zögert nicht) Das ist klar: Wimbledon.

Wie inspirierend wird es für Sie sein, als Titelverteidiger nach ­Roland Garros zu kommen?
Es wird unglaublich. Weil es mich daran erinnern wird, dass ich es letztes Jahr gewonnen habe, und weil ich mich wieder an alle Emotionen erinnern werde.

Steht schon fest, in welchem Outfit Sie in Paris antreten werden?
Ich weiss, was ich bekommen werde.

Wird es wieder eine Überraschung sein wie die karierten Hosen 2015?
Nein, dieses Jahr nehmen wir es ruhiger. Es wird weniger verrückt ausfallen.

Wie wichtig wird für Sie Rio?
Enorm wichtig. Mit allem, was dazu­gehört. Es war ein Kindheitstraum von mir, an Olympia sein zu können, mein Land zu repräsentieren, im Dorf zu sein.

Ist schon klar, ob Sie auch Doppel und Mixed spielen werden?
Ich sprach erst kürzlich mit Magnus (Norman, dem Coach) darüber. Ich weiss nicht, ob ich alle drei Wettbewerbe bestreiten werde oder ob ich mit ­Roger im Doppel antrete. Ich wüsste das zwar gerne, damit alle Klarheit haben. Aber es kann noch so viel passieren.

Akzeptieren Sie, dass Martina Hingis mit Roger Federer Mixed spielt?
Das ist so, ja. Hingis fragte zuerst Roger, der sich nicht sofort entschied. Dann fragte sie mich, und ich wollte Roger nicht ausbremsen und sagte ihm: Sie hat mich angefragt. Aber wenn du spielen willst, tu es. Sonst schauen wir weiter.

Hat es böses Blut gegeben?
Nein. Sonst hätte ich ihr ja gleich zu­sagen und sehen können, was passiert.

Ist für Sie klar, dass Sie in Rio im Olympischen Dorf wohnen werden?
Die Wahrscheinlichkeit ist gross.

Immerhin haben Sie nun einen anderen Status erreicht als 2012, sind ein Tennisstar geworden . . .
Schon, aber ich mag solche Erfahrungen. Auch deshalb sind für mich Olympische Spiele top – weil man Momente mit anderen Sportlern teilen kann.

Das taten Sie vergangene Woche auch in New York, wo Sie zusammen mit Gaël Monfils und Serena Williams einen Schaukampf bestritten.
Das war eine unglaubliche Erfahrung, super. Solche Erinnerungen bleiben dir das ganze Leben. Gaël und ich sind ­Kumpel und waren beide noch nie im Madison Square Garden. Wir kosteten die zwei Tage voll aus. Ich war aus ­Kalifornien angereist, wo ich zuvor schon drei Tage trainiert hatte.

Wie ist es für Sie, wenn wie in ­Indian Wells plötzlich VIPs wie Bill Gates auf der Tribüne sitzen? Bemerken Sie das überhaupt?
Ich sehe alles, was im Stadion passiert. Ich sah schon, dass Bill da war.

Merken Sie selber, dass Sie einen neuen Status erreicht haben?
Ja, bestimmt. Vor allem nach dem, was letztes Jahr in Paris passiert ist, mit ­meinem zweiten Grand-Slam-Titel. Es ist klar, dass sich mein Status dadurch stark verändert hat, im Sport allgemein und insbesondere im Tennis.

Am Australian Open verloren Sie im Achtelfinal. Wie krank waren Sie in Melbourne wirklich?
Ich war krank, wirklich krank. Aber ich tat, was zu tun war, um die ersten ­Runden zu überstehen. Leider verlor ich gegen Raonic, der sehr gut spielte – und trotzdem drängte ich ihn über fünf Sätze. Deshalb kann ich auch nicht ­enttäuscht sein. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Saisonauftakt, vor allem mit den Siegen in Chennai und Dubai.

Sie sagten, dass Sie in Dubai gewannen, obwohl Sie nicht sehr gut spielten. Was zeigt Ihnen das?
Es beweist, dass ich weitere Fortschritte gemacht habe. Es war das erste Mal, dass ich ein Turnier gewann, ohne mein bestes Tennis zu zeigen. Im Halbfinal und Final war ich gut, vorher nicht. Aber ich kämpfte, kam durch. Das zeigt, dass das Vertrauen in mein Spiel da ist und die Sicherheit, dass ich immer mehr auch meiner Kampfkraft vertrauen kann, wenn es nicht speziell gut läuft. Das ist wertvoll für das Selbstvertrauen.

Sie werden immer noch stärker?
Ja – tennismässig und körperlich. Aber das garantiert mir nichts. Denn auch die anderen verbessern sich.

Sie sind sehr anspruchsvoll gegenüber sich selber. Können Sie diese Ansprüche nun besser kontrollieren?
Viel besser. Genau deshalb gewann ich Dubai: Weil ich es akzeptierte, schwierige Bedingungen vorzufinden und kein Supertennis zu spielen. Trotzdem fand ich Lösungen, um zu gewinnen.

An der Spitze der Hierarchie gab es Verschiebungen. Roger Federer ist verletzt, Rafael Nadal nicht mehr so stark. Viele betrachten deshalb Sie als stärksten Herausforderer von Novak Djokovic. Wie sehen Sie das?
Sagen wir es so: Ich war in den vergangenen Jahren an den Grand Slams sein gefährlichster Herausforderer. Das ist die Realität. Aber Roger und Andy (Murray) sind ihm viel näher in der Rangliste als ich, und Roger stand 2015 immerhin in zwei Grand-Slam-Finals. Voilà. Das sind Diskussionen, die man zwar führen kann, die aber letztlich nichts bringen. Man muss die Matchs spielen, gewinnen und hoffen, Halbfinals oder ­Finals zu erreichen. Schon das ist super.

Denken Sie, dass Djokovic seine Dominanz fortsetzen wird?
Das kann er. Ob er es tun wird, ist eine andere Frage. Was ihm zurzeit gelingt, ist überwältigend.

Was macht Sie für ihn so gefährlich?
Dass ich von beiden Seiten so hart schlagen kann, mit der Rückhand und der Vorhand. Und dass ich weiss, dass ich körperlich mit ihm mithalte.

Die ATP hat in Indian Wells die Kampagne «New Generation» ­anlaufen lassen. Schafft die neue Generation bald den Durchbruch?
Sie kommt – und ist teilweise schon da. Einige Junge liegen auf den Rängen 30, 40, 50 und schlagen auch schon die ­Besten, auch mich – etwa Kyrgios. Aber um sich ganz vorne festsetzen zu ­können, brauchen sie noch etwas Zeit.

Sie selber werden in zwei Wochen 31 Jahre alt. Wie viel Zeit geben Sie sich noch an der Spitze?
Ich hoffe, dass ich noch 5, 6 Jahre spielen kann. Aber wie lange ich noch an der Spitze mithalten werde, weiss ich nicht. Ich hatte gedacht, dass ich mit 29, 30 nachlassen würde. Dann tat ich dies ... (macht mit seiner Hand eine steile Aufwärtsbewegung). Und mit 31 habe ich das Gefühl, noch besser zu spielen. Andererseits könnte es auch sein, dass ich Ende Jahr das Gefühl habe, super zu spielen, aber dennoch schlechter klassiert bin. Das sind schwierige Fragen.

Erstellt: 15.03.2016, 00:02 Uhr

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