Anklage wegen Vergewaltigung erschüttert Swiss Tennis

Ein Trainer des Verbands kommt im Dezember vor Gericht. Die Walliser Staatsanwaltschaft hat ihn wegen Vergewaltigung angeklagt. Er bestreitet die Vorwürfe.

Wegen Vergewaltigung angeklagt: Ein Trainer des Schweizer Tennisverbands steht im Dezember vor Gericht. Bild: Getty

Wegen Vergewaltigung angeklagt: Ein Trainer des Schweizer Tennisverbands steht im Dezember vor Gericht. Bild: Getty

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Am 9. Dezember muss sich Stefan Schmid* vor dem Gericht in Sierre VS verantworten. Im Raum stehen Vorwürfe wegen Vergewaltigung, eventuell sexueller Nötigung oder Schändung. Dies geht aus der Anklageschrift der Walliser Staatsanwaltschaft hervor. Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Laut Anklageschrift ereignete sich der mutmassliche Übergriff im Oktober 2014, am Rande einer Tennis-Konferenz. Schmid und die Klägerin, wir nennen sie Sandra Müller, kannten sich bereits. Nach dem Anlass gingen die beiden mit anderen Teilnehmern gemeinsam Essen, dann weiter in eine Bar. Beide konsumierten Alkohol: Wein, Bier, Shots. Sie waren am Schluss betrunken. In der Anklageschrift ist beschrieben, wie Stefan Schmid von einem Hocker fiel. Sandra Müller habe ihn auffangen wollen, beide seien auf den Boden gestürzt.

«Das war nicht gentleman like»

Der Beschuldigte konnte sich gemäss Anklage ab einem gewissen Zeitpunkt in der Bar an nichts mehr erinnern. So ging es anfangs auch dem mutmasslichen Opfer. Am frühen Morgen war sie gemäss ihrer Schilderung in einem Raum zu sich gekommen, den sie nicht kannte. Es war ein Hotelzimmer. Schmid habe auch dort geschlafen, aber in einem anderen Bett.

Später tauschten sich die beiden per SMS aus. Schmid schrieb laut Anklage unter anderem: «Sorry für heute Nacht!!!» Und dann: «Das war nicht gut und nicht gentleman like!» Antwort Sandra Müller: «Dont worry».

Am Mittag folgten weitere Nachrichten. Sandra Müller: «Schon strange der gestrige Abend. Habe am ganzen Körper blaue Flecken. Schlafst du?» Stefan Schmid: «Sorry...Ich weiss nicht mehr viel. Sehr strange. Schlafen wäre jetzt aber schoen!!! Aber wie gesagt das war nicht gentleman like at all. Sorry.»

Sandra Müller fotografierte im Hotelzimmer blaue Flecken und Spuren an Knien, Schultern und im Brustbereich. Später übergab sie die Aufnahmen der Polizei.

Erst zwei Tage nach jener Nacht seien ihr allmählich wieder Bilder hochgekommen. Sie habe sich erinnert, wie er sich an ihr vergangen habe. Ihre Schilderungen sind sehr plastisch und werden an dieser Stelle nicht ausgeführt. Sie führten schliesslich zum Vorwurf der Vergewaltigung, den das Gericht jetzt beurteilen muss.

Beschuldigter hofft auf Abschluss

Pierre-Damien Eggly, Anwalt von Stefan Schmid, widerspricht der Darstellung der Walliser Staatsanwaltschaft vehement: «Wir bestreiten die Vorwürfe integral. Mein Klient ist froh, dass es zur Verhandlung kommt. Weil damit ein Ende des Verfahrens in Sicht ist.»

Die Strafbehörden stützen sich unter anderem auf einen Arztbericht. Er listet verschiedene Verletzungen am Körper von Sandra Müller auf: Schwellungen, Hämatome an etlichen Körperstellen und oberflächliche Kratzer. Ein Pathologe hat laut Anklage ausgeschlossen, dass diese durch den Sturz vom Hocker entstanden sind. Es sei auch unwahrscheinlich, dass sie sich selber verletzt habe.

Spezialisten fanden keine DNA von Stefan Schmid im Intimbereich der Klägerin. Sie stellten aber laut Anklageschrift Samenflüssigkeit an ihrer Unterhose fest. Diese stimmte zu einem grossen Teil mit dem DNA-Profil von Stefan Schmid überein.

Die Staatsanwaltschaft hat nun Anklage erhoben wegen Vergewaltigung, hält sich aber je nach Prozessverlauf auch den Tatvorwurf der sexuellen Nötigung oder Schändung offen.

Der nun angeklagte Trainer habe Swiss Tennis über die Vorwürfe informiert, heisst es bei Swiss Tennis auf Anfrage. «Wir haben alles mit den Anwälten durchgespielt», sagt Präsident René Stammbach. «Aus unserer Sicht gilt die Unschuldsvermutung. Weiter will ich mich nicht zu einem laufenden Verfahren äussern.»

Der Verband betont aber, der Beschuldigte kooperiere vollumfänglich mit den Behörden, um die Situation zu klären. «Swiss Tennis befolgt und unterstützt vollumfänglich die Ethik-Charta von Swiss Olympic. Wie zu anderen Themen sensibilisieren wir auch dazu unsere Mitarbeitenden genauso wie unsere JuniorInnen.»

*Name geändert

Mitarbeit: Adrian Ruch, Thomas Knellwolf

Erstellt: 21.11.2019, 20:02 Uhr

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