Zum Hauptinhalt springen

Auf viele Vorhandfehler folgen viele Autogramme

Roger Federer eröffnet die Rasensaison mit einem 7:6, 6:3-Sieg über den Australier John Millman.

Wer über Roger Federer redet, benutzt gerne Superlative. Das ist im deutschen Halle, wo der Schweizer schon neunmal den Titel geholt hat, nicht anders. Nachdem sich die Weltnummer 3 und John Millman (ATP 57) eingespielt haben, verspricht der Speaker dem Publikum: «Sie haben jetzt die Gelegenheit, das weltbeste Tennis zu erleben.»

Federer ist hier, wie fast überall, die Galionsfigur, trotz fünf deutschen Spielern im Tableau. Die Tribünen im 11000 Personen fassenden Gerry-Weber-Stadion sind zwar nicht ganz voll, aber deutlich besser besetzt als am Vorabend beim Auftritt des Hamburgers Alexander Zverev. Die Verbundenheit zum Dauergast aus der Schweiz verdeutlicht eine Szene vom Montag. Ein älteres Paar stellte sich in die Warteschlange, weil ein sympathischer Kerl an einem Sponsorenstand Unterschriften verteilte und sich mit Fans fotografieren liess. Doch als die Frau auf dem Schild den Namen Millman gelesen hatte, sagte sie zu ihrem Gatten: «Das ist der, der morgen gegen Federer spielt – komm, wir gehen!» Die Botschaft ist klar: Ein Autogramm vom möglichen Spielverderber? Nein danke!

Brillant im Tiebreak

Millman verkörpert seine Rolle als Herausforderer gut, doch «weltbestes Tennis» kriegen die Besucher nicht zu sehen. Denn auch der erfolgreichste Rasenspieler in der Geschichte muss auf dieser heiklen Unterlage zuerst den Rhythmus finden. Als im elften Game der Ball verspringt und Federer deshalb mit der Rückhand ein Luftloch schlägt, geht ein kollektives «Oh» durch die Arena. Das Hauptproblem des Superstars ist, dass ihm auf der Vorhand ungewohnt viele Fehler unterlaufen. «Viel zu viele; es kann nicht schlechter werden», wird er später einräumen. Der 37-Jährige vermag den Australier daher bei dessen Aufschlag nur selten unter Druck zu setzen. Letztlich wird der erste Satz im Tiebreak entschieden. Da zeigt Federer mit sieben Punkten in Serie, wer Herr im Haus ist. Seit 2014 hat er in Halle 18 von 21 Kurzentscheidungen gewonnen – eine Traumquote.

Nun bekommen die Zuschauer ausgiebig Gelegenheit, ihrem Liebling zu applaudieren. Im zweiten Durchgang gelingt ihm dann das Break zum 4:2, am Ende reüssiert er mit 7:6 (7:1), 6:3. Im Platzinterview verleiht er seiner Zufriedenheit Ausdruck und sagt: «Es ist wichtig, den ersten Match auf Rasen zu gewinnen, sonst kann die Rasensaison sehr kurz sein.» Für ihn soll sie lange dauern, nämlich bis am 14. Juli, dem Tag des Wimbledon-Finals.

Nun gegen Tsonga

Am Donnerstag trifft Federer auf Jo-Wilfried Tsonga (ATP 77). Gegen den aufschlagstarken Franzosen weist er eine 11:6-Bilanz auf, hat aber die letzten beiden Direktbegegnungen sowie das einzige Duell auf Rasen (2011 in Wimbledon) verloren.

An der Pressekonferenz äussert er sich auch zur Idee, am US Open das Coaching von der Tribüne aus zu erlauben. Der Hintergrund ist klar: Die Verantwortlichen wollen, dass sich ein Eklat nicht wiederholt, wie ihn 2018 Serena Williams im Frauenfinal verursachte, nachdem sie wegen ihres Coachs verwarnt worden war. Federer hält nichts von der angedachten Neuerung. «Da bin ich gegen diese Entwicklung.» Er finde, er habe das beste Team der Welt. Da sei es unfair, wenn er von diesem Tipps bekomme, während andere keinen richtigen oder gar keinen Coach hätten.

Der Rückweg vom Pressecenter zum Hotel ist für den Baselbieter zwar nur kurz, aber er wird von Hunderten von Menschen gesäumt. Ein Autogramm von Federer? Ja, gern!

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch