Belinda Bencic wird vom Platz gepowert

Gegen die Estin Kontaveit erleidet die St. Gallerin am Australian Open ihre höchste Niederlage seit fast sechs Jahren. Nach dem 0:6, 1:6 ist sie ratlos.

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Manch ein Zuschauer rieb sich an diesem sommerlich schönen Samstag auf der Tribüne die Augen: War das wirklich die Weltranglistensiebte Belinda Bencic, die unten in der Margaret-Court-Arena Punkt um Punkt, Game um Game verlor? Und das gegen eine vergleichsweise unbekannte Spielerin, die Estin Anett Kontaveit, die Weltnummer 31. Schon nach 49 Minuten war der Spuk vorbei, und auf dem Skoreboard stand ein für die Favoritin ernüchterndes 0:6, 1:6.

Bencic erlitt damit die höchste Niederlage seit Juli 2014. Damals hatte sie in Istanbul gar kein Game gewonnen gegen die Dänin Caroline Wozniacki, deren Karriere eben zu Ende gegangen ist. Gegen Kontaveit hätte sie 2019 eigentlich auch am US Open in der 3. Runde antreten müssen, die Estin musste jedoch Forfait geben, worauf Bencic in die Halbfinals vorstiess.

Bisher ohne Satzverlust

Während Kontaveit in Melbourne nach eigenen Worten alles bestens gelang, was sie sich vorgenommen hatte, traf für die 22-jährige Oberuzwilerin das Gegenteil zu. Dies kam umso überraschender, als sie in den ersten zwei Runden ohne Satzverlust geblieben war. Nach 20 Minuten war der erste Satz beendet, doch auch im zweiten fand sie keine Lösung, um den beeindruckenden Lauf der Baltin zu stoppen. Sie buchte nur 27 der 82 Punkte für sich und kam zu keiner einzigen Breakchance.

Exakt 23 Jahre zuvor hatte Martina Hingis am Australian Open ihren ersten Titel gewonnen, mit 16 Jahren und 105 Tagen ist sie immer noch die jüngste Grand-Slam-Siegerin der Geschichte. Ob Bencic den Weg zur Majorsiegerin noch findet, weiss keiner. Die Momentaufnahme des Australian Open täuscht, im Frauentennis ergeben sich rasch brutale Ergebnisse, wenn die Tagesformen derart auseinanderklaffen wie in dieser Partie.

«Ich versuchte zu kämpfen»

«Das war nicht mein Tag, ich kam überhaupt nicht ins Spiel», sagte Bencic nach der kurzen und schmerzvollen Niederlage. «Sie spielte aber auch grossartig und sehr solid. Und weil ich schlecht startete, wurde sie immer noch sicherer. Als ich in die Garderobe kam, hatte ich das Gefühl, dass sie mich völlig überrumpelt hatte.» Sie fand auch dem Platz auch nicht einmal Zeit, ihre Frustration über das Geschehen loszuwerden. Ihre Körpersprache drückte ihre Verzweiflung und Machtlosigkeit aber deutlich genug aus. «Ich versuchte zu kämpfen, aber verkrampfte mich dabei auch etwas.»

Brisant ist, dass sie trotz dieser Abfuhr in der Weltrangliste möglicherweise nach dem Turnier erstmals auf Rang 5 vorstösst, auf Kosten von Bianca Andreescu und Vorjahressiegerin Naomi Osaka, die gegen die 15-jährige Amerikanerin Coco Gauff am Freitag ausgeschieden ist. Nur Kiki Bertens oder Petra Kvitova können dies noch verhindern, Rang 6 und damit eine neue Bestmarke ist Bencic, die noch nie über Rang 7 hinausgekommen ist, praktisch sicher.

Doch schon im Februar muss sie in Dubai einen grossen Titel und damit 900 WTA-Punkte verteidigen. Ihre nächste Wettkampfstation ist Anfang Februar die Fed-Cup-Partie gegen Kanada in Biel, wo es für die Schweiz um die Qualifikation für das neue Finalturnier geht, das im April in Ungarn stattfindet.

Erstellt: 25.01.2020, 04:50 Uhr

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