Das Duell wird zum Mehrkampf

Rafael Nadal und Roger Federer haben die Major-Titel 2017 brüderlich aufgeteilt. Warum es 2018 spannend wird.

Die Dominatoren und ihre Trophäen: Rafael Nadal beim French- und US-Open-Sieg (links) sowie Roger Federer in Wimbledon und Melbourne. Fotos: Getty (3), Keystone

Die Dominatoren und ihre Trophäen: Rafael Nadal beim French- und US-Open-Sieg (links) sowie Roger Federer in Wimbledon und Melbourne. Fotos: Getty (3), Keystone

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«Ich nehme Australien und London», sagt der eine. «Ich Paris und New York», der andere. Das fiktive Gespräch zwischen Roger Federer und Rafael Nadal verbreitete das US Open auf Twitter, nachdem der Spanier am Sonntag das Turnier mit einem souveränen Finalsieg über die Weltnummer 32, Kevin Anderson, 6:3, 6:3, 6:4 gewonnen hatte. Somit hatten die ­beiden ewigen Rivalen die Grand-Slam-­Titel 2017 brüderlich untereinander aufgeteilt. Dazu das Kurzvideo, in dem sie beide nicht mehr können vor Lachen. Es stammt von ihrer Promotion zum Match for Africa 2010 in Zürich und kam in den letzten Monaten ­immer mal wieder hoch auf den ­sozialen Medien.

Die beiden Champions, von vielen schon abgeschrieben, haben sich in diesem Jahr eindrücklich zurück­gemeldet. 2015 und 2016 ohne Major-Sieg holten sie nun zum vierten Mal gleich alle vier – wie 2006, 2007 und 2010. Wer hätte das vor einem Jahr gedacht, als Federer eine Auszeit nahm und von seinen Wanderungen im Appenzellerland Fotos schickte, derweil Nadal in New York im Achtelfinal am Franzosen Lucas Pouille scheiterte? In einem Match, in dem der Spanier mehr als genug Möglichkeiten gehabt hatte, ihn zu gewinnen.

In diesem Jahr entdeckte Nadal seine Siegermentalität wieder. Sein Steigerungslauf am US Open erinnerte an seine besten Zeiten: Zuerst stotterte der Motor, doch einmal in Fahrt gekommen, war der 31-Jährige nicht mehr zu stoppen. Kam dazu, dass er von günstigen Umständen profitierte. Als Erster überhaupt gewann er ein Grand-Slam-Turnier, ohne einen Spieler der Top 25 zu schlagen. Die «einfachste» Route zu einem Major-­Titel hatte zuvor Pete Sampras in Wimbledon 2000 gehabt, als sein bestklassierter Gegner im Final Patrick Rafter gewesen war, die Weltnummer 21.

Doch diese statistische Anmerkung soll Nadals Triumph nicht abwerten. Er hätte in seiner Form der zweiten Woche natürlich auch Top-10-Spieler geschlagen. Unter Carlos Moya, der nun die Hauptverantwortung im ­Coaching übernimmt, hat er sein Spiel nochmals weiterentwickelt, tritt er angriffiger auf. Was ihn auf schnellen Belägen noch gefährlicher macht, wenn er sich wohlfühlt.

Auch Nadal erfand sich neu

In New York schlug er im Halbfinal und Final 75 Winner – mehr als 10 pro Satz. Wie Federer sucht er sein Heil vermehrt in der Offensive, was der Attraktivität des Tennis förderlich ist. Den Final gegen Kevin Anderson schloss er sogar mit Aufschlag-Volley ab. Auch in vergleichsweise hohem Alter haben es Federer und Nadal geschafft, sich nochmals neu zu erfinden.

Man tendiert im Tennis dazu, stets das jüngste Grand-Slam-Turnier als die absolute Wahrheit zu nehmen. Nach Paris dachten viele, Nadal würde jetzt auch in Wimbledon angreifen. Nach Wimbledon galt Federer als Favorit fürs US Open. Nach New York wird nun wieder der Spanier als erster Titel­anwärter ins Australian Open steigen, sofern er sich bis da nicht verletzt.

Doch die Karten werden im Januar in Melbourne wieder neu gemischt – es könnte das unberechenbarste Major-Turnier seit langem werden. Stan Wawrinka, Novak Djokovic und Andy Murray werden bis da aus den Top 8 gefallen sein und könnten damit schon im Achtelfinal auf Federer oder Nadal treffen. Sofern das Knie Wawrinkas, der Ellbogen von Djokovic und die Hüfte von Murray eine Teilnahme in Australien zulassen.

Es verspricht, ein spannendes Jahr zu werden mit den prominenten Rückkehrern und der jüngeren Generation, die nach oben drängt. Alexander Zverev und Dominic Thiem ist zuzutrauen, dass sie um Major-Titel mitspielen. Teenager wie Denis Shapovalov und Andrei Rublew deuteten in New York ihr Potenzial an. Und nachdem Federer und Nadal gezeigt haben, wie man gestärkt aus Verletzungspausen hervorgeht, muss man sich davor hüten, Djokovic und Murray abzuschreiben.

Die Schweizer Erfolgsstory

Aus Schweizer Sicht darf man hoffen, dass Wawrinka nach zwei Eingriffen am Knie zu seiner früheren Spielstärke zurückfindet. Und dass Federer seine Rückenprobleme in den Griff bekommt und sich im gedrängten Herbst nicht zu viel zumutet. Die beiden haben die hiesigen Tennisfans jüngst verwöhnt – drei der letzten fünf Major-­Titel gingen in die Schweiz.

So unberechenbar 2018 zu werden verspricht, die folgenden Prognosen seien gewagt: Es wird wieder einen Schweizer Major-Sieger geben, Nadal gewinnt zum elften Mal Paris und Zverev schafft endlich den Durchbruch auf grösster Bühne.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.09.2017, 23:33 Uhr

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