Das Gerangel um ein WTA-Turnier

Die Erfolge von Bencic, Bacsinszky und Hingis haben die Schweizer Tennisszene in Bewegung versetzt.

Jubelbilder, die die Tennis-Schweiz bewegen: Martina Hingis (links) und Belinda Bencic beim Fed-Cup-Match gegen Deutschland. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Jubelbilder, die die Tennis-Schweiz bewegen: Martina Hingis (links) und Belinda Bencic beim Fed-Cup-Match gegen Deutschland. Foto: Walter Bieri (Keystone)

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Von 1984 bis 2008 verfügte die Schweiz mit dem hochkarätigen Zurich Open, das zuletzt im Hallenstadion stieg, über eine der ersten Adressen auf der WTA-Tour. Seither ist das Land im obersten Circuit der Frauen nicht vertreten. Im Zuge der Erfolge von Belinda Bencic, ­Timea Bacsinszky und Martina Hingis bemühen sich nun aber mehrere Parteien darum, dieses Manko zu beheben.

Ambitionen auf ein WTA-Turnier ­haben auch die Organisatoren des ITF-Anlasses in Kreuzlingen, der kommende Woche zum vierten Mal stattfindet. Er ist mit 50'000 Dollar Preisgeld momentan das bedeutendste Frauenturnier der Schweiz, lokal gut verankert und verfügt mit der Bodensee-Arena, Hauptsponsor UBS und der Nationalen Elitesportschule Thurgau über starke Partner.

Doch im Moment herrscht in dieser Sache Unklarheit, Spannungen sind aufgekommen. Kreuzlingen stand zwar von Beginn an als einer der möglichen Austragungsorte zur Diskussion, als Swiss Tennis letztes Jahr seine Bemühungen aufnahm, eine WTA-Turnierlizenz zu ­erstehen. Inzwischen setzt der Verband aber auf den Standort Biel, wo er unweit des Nationalen Leistungszentrums eine eigene, 8,5 Millionen teure Trainings- und Eventhalle baut.

Kreuzlingen will kämpfen

Im Optimalfall soll dort bereits im ­Februar 2017 ein WTA-Turnier entstehen. Doch das Projekt kommt nicht richtig aus den Startlöchern. Nachdem die WTA-Tour den von Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach ausgehandelten Kauf der Lizenz des Turniers vom brasilianischen Florianopolis im Dezember verhindert hatte (und diese selbst erstanden hatte), hat der Verband noch immer keine WTA-Sanktion. Auch die Baubewilligung wurde in Biel noch nicht erteilt. Gute Turnierlizenzen zu finden, sei schwierig, gibt Stammbach zu. Was die Halle ­betrifft, gibt er sich optimistisch: «Sie wird bis Ende Jahr fertig.»

Treibende Kraft des Kreuzlinger ­Anlasses ist Bernhard Hochstrasser, der schon länger von einem WTA-Turnier träumt. Weil der Verband nun einen ­Sololauf plant, gerieten die Thurgauer ins Abseits, ist für sie ein Plan B gefragt. Sie wollen weiterkämpfen. «Wir geben nicht auf. Es gibt andere Wege, an eine Lizenz zu kommen», sagte Hochstrasser an einer Medienkonferenz mit Verweis auf Vermarkter wie Octagon oder Rainer Schüttler, der hinter dem Geneva Open steht. Stammbach weiss auch um weitere, ausländische ­Interessenten, die in der Schweiz ein WTA-Turnier etablieren wollen. Er gibt sich neutral: «Wer ein Turnier macht, ist egal. Wir stehen niemandem im Weg und müssen auch nicht zwingend Besitzer sein.» Aber als Austragungsort habe Biel nun erste Priorität.

Im Thurgau wird zudem die verzerrte geografische Verteilung der Schweizer Profiturniere bemäkelt, mit den ATP-Stationen Genf, Gstaad und ­Basel, der inoffiziellen Davis-Cup-Hauptstadt Genf sowie nun Biel. Die neue Halle dort soll etwa 3000 Zuschauer fassen und neben ­einem WTA-Turnier auch kleinere Fed- und Davis-Cup-Partien beheimaten. Die Zentral- und Ostschweiz, die mit Bencic und Hingis zwei Spitzenspielerinnen stellt, bleibt so von der Profiturnierszene tatsächlich weitgehend abgeschnitten. Momentan hofft St. Gallen, den Fed-Cup-Halbfinal Schweiz - Tschechien (16./17. April) veranstalten zu können, doch die Konkurrenz ist mit Luzern und Genf gross. Diese Vergabe erweist sich für Swiss Tennis als schwierig und wurde auf nächste Woche verschoben.

Der weite Weg zu Bencic

Geht es nach den Kreuzlingern, wären auch zwei Schweizer WTA-Turniere denkbar. Eine solche Konstellation gab es schon (mit Zürich/Genf sowie Zürich/Luzern), sie ist momentan aber schlecht vorstellbar. Zumal es sich um Turniere der untersten Kategorie handeln dürfte, und die brauchen neben dem entsprechenden Budget auch eine Spezialbewilligung der WTA, um eine Topspielerin wie Bencic zu verpflichten.

Erstellt: 16.02.2016, 22:41 Uhr

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