#ComeBackKid – wer erklärt Timea Bacsinszky?

Hochs und Tiefs voll ausgelotet: Die Lausanner Tennisspielerin erfreut und gibt Rätsel auf.

Sprung in die Top 10: Timea Bacsinsky schlägt einen Return. Bild: Keystone

Sprung in die Top 10: Timea Bacsinsky schlägt einen Return. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Timea Bacsinszky liebt diese Rolle. So versah sie ihre Tweets letzte Woche in Peking mehrmals mit dem Hashtag «ComeBackKid». Ihre Rückkehr auf die Tour, nachdem sie im Frühling 2013 ihr Racket schon zur Seite gelegt hatte, ist wohldokumentiert. In Peking durfte sie nun wieder in ihre Lieblingsrolle schlüpfen, nachdem sie seit Wimbledon drei Monate keinen Match mehr gewonnen hatte. Die Lausannerin kehrte zurück zur Form ihres erfolgreichen Grand-Slam-Sommers, präsentierte sich wieder als leidenschaftliche Kämpferin und bog drei Spiele nach ­verlorenem Startsatz um.

Dank ihrer fünf Siege durfte sie bereits vor dem Final feiern, machte sie doch einen Sprung im Ranking von Platz 17 auf 10. Erstmals in ihrer Karriere in den Top 10 – das ist ein weiteres ­schönes Kapitel in dieser kitschig anmutenden Comebackstory. Als letzte Schweizerin vor ihr hatte es 2006 Martina Hingis in ihrer zweiten Karriere nochmals in die Top 10 geschafft. Die Ostschweizerin qualifizierte sich damals sogar fürs Masters.

Im Final fehlte die Frische

Dies dürfte Bacsinszky nun nicht vergönnt sein. Mit einem Finalsieg gegen Garbiñe Muguruza hätte sie ein Ticket für Singapur gebucht, doch sie verlor gegen die wuchtig schlagende Spanierin 5:7, 4:6. Bacsinszky führte zwar im ersten Satz 5:2 und im zweiten 2:0, gab ihre Vorsprünge aber aus der Hand. Ihr schien nach einer intensiven Turnierwoche die nötige Frische zu fehlen. Es war für sie gegen die Wimbledon-Finalistin bereits die dritte Niederlage in diesem Jahr, nachdem sie ihr bereits in Melbourne (3. Runde) und im All England Club (im Viertel­final) unter­legen gewesen war.

Weil Bacsinszky fürs Turnier in Linz keine Wildcard bekam und nächste ­Woche in Luxemburg eingeschrieben ist, dessen Punkte aber nicht mehr für die Masters-Qualifikation zählen, dürfte sie Singapur verpassen. So war sie nach dem Final von Peking denn auch hin und her gerissen zwischen positiven und nega­tiven Emotionen. Sie strahlte mit nassen Augen, dankte in einer rührenden Rede ihrem Coach Dimitri Zavialoff, der nach Stan Wawrinka auch sie in die Top 10 gebracht hat. Sie versuche jeden Tag, ihn stolz zu machen.

Der zurückhaltende, fast scheu wirkende Elsässer ist die ideale Ergänzung zu Bacsinszky mit ihrem überschäumenden Temperament. Er half ihr, die schwierige Geschichte mit ihrem Vater, der sie in ihrer Kindheit zum Champion hatte drillen wollen, zu verarbeiten und diesen Sport, den sie nicht für sich ausgewählt hatte, sich zu eigen zu machen. Dieser Prozess war nötig, damit aus dem «Wunderkind» eine erfolgreiche Profispielerin werden konnte. Wenn sie sich vergegenwärtige, was sie erreicht habe, bekomme sie Hühnerhaut, sagt sie in Peking. «Denn es war ein langer Weg.»

Emotionalität als Schlüssel

So offen Bacsinszky über ihre Familiengeschichte spricht oder darüber, dass sie die Hilfe einer Psychologin beanspruchte, so schwierig ist es, während Niederlagenserien wie auf der Hartplatztournee in Nordamerika in ihre Seele zu blicken. Selbst in der Romandie konnte sich ihre Baisse niemand so recht erklären. Sie hängt wohl damit zusammen, dass Bacsinszky ein äusserst emotionaler Mensch ist, sie Hochs und Tiefs intensiver lebt als andere. Wenn es ihr gelingt, ihre Emotionen in eine positive Richtung zu lenken, müssen für sie die Top 10 noch längst nicht das höchste aller Gefühle sein.

Erstellt: 12.10.2015, 13:38 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

History Reloaded Braucht Brasilien wieder einen Kaiser?

Mamablog Schulzuteilung per Algorithmus?

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...