Triste Momentaufnahme für das Schweizer Tennis

Von Stan Wawrinka bis Belinda Bencic: Viele Schweizer Tennisasse sind rekonvaleszent oder stagnieren.

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Eigentlich wollte Belinda Bencic in Florida auch an ihrer ­Fitness arbeiten, nun musste sie sogar das Miami Open wegen einer Fussverletzung auslassen. «Ihr Fuss war ­geschwollen, aber momentan ist unklar, was genau das Problem ist», sagt Fed-Cup-Captain Heinz Günthardt.

Die Meldung ist nur eine von vielen negativen, für die die besten Schweizer Tennisprofis dieses Jahr bisher gesorgt haben, abgesehen von der Lichtgestalt ­Roger Federer. Das Davis-Cup-Team spielt nach dem 1:4 in Kasachstan im Herbst gegen den Abstieg. Genau wie das Fed-Cup-Team, das nach der Niederlage in Prag in einem Monat in Cluj auf Sandplätzen auf das von Simona Halep angeführte Rumänien trifft. «Nicht gerade ein Traumlos», sagt Günthardt.

Wawrinkas Comeback verzögert sich

Stan Wawrinka ist nach seiner Knie­operation rekonvaleszent, seine Zukunft unklar, sein Name aus den Top-20 ­gefallen. Er ist momentan in Monte Carlo am Trainieren, hat aber entgegen der ursprünglichen Absicht nicht vor, im Country Club das erste Masters-Turnier auf Sand zu bestreiten – obwohl dieses erst in drei Wochen beginnt.

Henri Laaksonen hat sogar auf Challenger-Stufe erst zwei Partien gewonnen und sich von den Top 100 entfernt. Als Nummer 132 muss er an den Grand Slams in die Qualifikation.

«Kein unendlich grosser Pool von Topspielern»

Von den fünf Schweizerinnen, die unter den Top 150 klassiert sind, überstand an den drei grossen Turnieren in Melbourne, Indian Wells und Miami einzig Belinda Bencic zweimal eine Runde. Timea Bacsinszkys Comeback nach ihrer Handoperation ist bei drei Niederlagen angelangt, zuletzt ein 2:6, 6:2, 4:6 gegen Jekaterina Makarowa (WTA 36) in Miami. Doch die als Nummer 48 bestklassierte Schweizerin bleibt zuversichtlich. «Entscheidend wird für sie die Sandsaison, denn dort ist sie am stärksten», sagt Günthardt. «Sie ist talentiert und hat enormen Biss. Wenn sie es will, wird sie es auch nochmals packen.» Schon in der zweiten Aprilwoche starten die Schweizerinnen am neuen WTA-Turnier in Lugano, das nach einem finanziell miserablen ­Debüt bereits notfallmässig aus Biel abgezogen wurde.

Die triste Momentaufnahme der Schweizer Tennisprofis hinter Federer sei auch eine Folge davon, dass das Land «keinen unendlich grossen Pool von Spitzenspielern» habe, sagt Günthardt. Dazu komme, dass Spieler wie Laaksonen, Bencic oder Viktorija Golubic (107) aufgrund vieler Niederlagen nicht zu ihrem Rhythmus gefunden und ihr Selbstvertrauen etwas verloren hätten. Bencic habe sich beim Fed-Cup in Prag auch zu sehr unter Druck gesetzt.

So düster wie die Situation auf den ersten Blick aussieht, ist sie nicht

So düster, wie die Situation auf den ersten Blick aussieht, sei sie aber nicht, sagt der Zürcher. Bencic hat nach ihrer Verletzungspause von 2017 den Anschluss geschafft, die 20-jährige Jil Teichmann ist als Nummer 136 fast 80 Ränge besser klassiert als vor einem Jahr, Stefanie Vögele (126) stand in Acapulco erstmals im Final eines WTA-Turniers. Ob sie in Cluj dabei ist, ist unklar. «Ich werde mit ihr Kontakt aufnehmen», sagt Günthardt. «Sie hat sehr gut gespielt, allerdings nur auf Hartplatz. Sand war noch nie ihr Lieblingsbelag.»

Die grossen Hoffnungsträgerinnen von Swiss Tennis bleiben aber Bencic und Bacsinszky, die beide schon in den Top 10 standen. Günthardt plädiert für Geduld. «Nachdem beide länger verletzt ausgefallen sind, kann man nicht erwarten, dass sie nun auf Knopfdruck wieder Leistung bringen. Zumal die Unterschiede unter den Spielerinnen sehr klein sind.»

Erstellt: 25.03.2018, 15:02 Uhr

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