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Der hitzeresistente Tennisarbeiter

John Millman hat Roger Federer am US Open besiegt. Heute duellieren sich die beiden in Halle.

Fordert Federer erneut: Der Australier John Millman.
Fordert Federer erneut: Der Australier John Millman.
Caroline Blumberg, Keystone

John Millman ist ein Tennisarbeiter im besten Sinn. Als Jungprofi diente sich der Australier quasi als Taglöhner hoch. «Weil ich kein Geld hatte, musste ich meine Karriere lancieren, indem ich Teamtennis spielte.» Er schlug vorwiegend in Deutschland auf, nahm aber auch mit dem TC Zug am Interclub teil. Seinen Weg in die erweiterte Weltspitze würde er gegen nichts tauschen, betont der 30-Jährige in Halle, nachdem er im Rahmen einer Autogrammstunde mit Geduld, Herzlichkeit und einigen Brocken Hochdeutsch zahlreiche Fans glücklich gemacht hat. «Man lernt auf der ganzen Welt Menschen kennen, das ist das Schönste am Leben als Tennisprofi.»

Es war bisher in der Tat eine abwechslungsreiche Reise - mit dem Triumph gegen Roger Federer am US Open 2018 als Höhepunkt. Es war auch für die fast 24 000 Zuschauer ein denkwürdiger Abend, ging doch dem hohen Favoriten aufgrund der Hitze und extrem hoher Luftfeuchtigkeit buchstäblich die Luft aus.

Noch heute sagt der Baselbieter: «Ich war froh, als es vorbei war.» Sein Bezwinger blickt hingegen mit hüpfendem Herzen auf seinen 3:6, 7:5, 7:6, 7:6-Coup zurück. «Es herrschten schwierige Bedingungen in New York, durch die starke Feuchtigkeit waren sie jenen nicht unähnlich, die oft daheim in Brisbane herrschen und die mich aufblühen lassen», erzählt er. Er müsse jeden Vorteil nutzen, den er kriege, sagt er schon fast entschuldigend.

Nervenstärke und Adrenalin

Dem Australier ist klar, dass Federer damals nicht auf Topniveau agierte, doch das ändert nichts an seiner Genugtuung. «Es ist eine Sache, sich gegen einen derartigen Topspieler eine Siegchance zu erarbeiten, aber es ist noch einmal etwas ganz anderes, diese auch zu nutzen. Dass mir dies gelang, macht mich am meisten stolz.»

Während der Begegnung fühlte sich Millman im Gegensatz zum Gegner hervorragend; er merkte nicht einmal, dass er sich eine Zerrung im Hüftbereich zuzog. «Ich spürte wohl wegen des Adrenalins überhaupt nichts.» Gegen Novak Djokovic konnte er dann aber nicht mehr ganz an die Leistung aus dem Achtelfinal anknüpfen.

An seiner Bewunderung für Federer hat sein Sieg indes nichts geändert. «Ich empfinde riesigen Respekt für ihn und für alles, was er für unseren Sport geleistet hat.» Federer behandle ihn seit der Niederlage nicht anders. «Roger ist ein netter Kerl, sein ganzes Team hat viel Klasse. Trotz seiner unglaublichen Popularität auf der ganzen Welt ist er bescheiden und zugänglich geblieben.»

Heute duellieren sich die beiden in Halle ab 17.30 Uhr erneut. Der Tenniskünstler spricht von einer «tollen Erstrunden-Herausforderung». Obwohl es in Halle ziemlich heiss sein wird, glaubt der Aussenseiter, seine Aufgabe sei deutlich schwieriger als in New York. Der Rasen komme Federer entgegen, ihm hingegen nicht. Dennoch freut er sich auf die Gelegenheit, mit der Weltnummer 3 die Arena zu teilen. «Ich werde tun, was ich immer mache: vom ersten bis zum letzten Punkt kämpfen.» Er ist eben ein Tennisarbeiter.

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