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Der Patient ist noch nicht geheilt

Roger Federers heutige Niederlage gegen Gaël Monfils in Shanghai lässt für die kommenden Wochen wenig Gutes erwarten.

Nachdenklicher Roger Federer: Der Schweizer verlor zum sechsten Mal in dieser Saison gegen einen Spieler ausserhalb der Top 20.
Nachdenklicher Roger Federer: Der Schweizer verlor zum sechsten Mal in dieser Saison gegen einen Spieler ausserhalb der Top 20.
Reuters

Nachdem er sich im zweiten Satz heroisch zurückgekämpft und ihn im Tiebreak gewonnen hatte, atmete Roger Federer durch – und mit ihm auch seine vielen Fans in Shanghais Qi-Zhong-Stadion. Der Widerstand von Gaël Monfils schien nun gebrochen, der Weg zum Sieg frei, umso mehr, als der Franzose körperlich angeschlagen schien. Doch wieder einmal kam es anders, als man es sich vom Rekord-Grand-Slam-Sieger von früher gewohnt ist. Mit einer erneuten Serie von Fehlern baute der Weltranglistensiebte den Franzosen neu auf und scheiterte nach über zwei Stunden 4:6, 7:6 (7:5), 3:6.

Wer das Positive aus Federers Sicht sucht, wird zwar auch in China fündig. Dank den gewonnenen 90 Punkten und dem Forfait von Andy Murray sind seine Chancen gestiegen, auch in diesem November am ATP-Final in London antreten zu können. Wie er sich gegen Monfils vorübergehend zu steigern vermochte, war frappant, wie er den zweiten Satz trotz Breakrückstand noch an sich riss, erinnerte an viel bessere Zeiten. Kein Zweifel, Federer hat das Tennisspielen nicht verlernt.

Umso enttäuschender war die Art, wie er in seiner 49. Partie der Saison doch noch die 13. Niederlage hinnehmen musste, bereits die sechste gegen einen Spieler, der nicht zu den Top 20 zählt. Vor Monfils (ATP 42) waren es der Reihe nach: Julien Benneteau (ATP 39) in Rotterdam, Sergei Stachowski (116) in Wimbledon, Federico Delbonis (114) in Hamburg, Daniel Brands (55) in Gstaad und Tommy Robredo (22) in New York.

Gegen den kompromisslosen Angreifer Monfils konnte Federer nicht verbergen, dass eine fünfwöchige Wettkampfpause hinter ihm liegt, andererseits waren auch die schon früher aufgetauchten Krisensymptome wieder sichtbar. Er hat die Selbstverständlichkeit des Siegens verloren, spielt oft etwas zu ungenau, ist oft etwas zu langsam, wirkt oft nicht restlos überzeugt von dem, was er tut. Es sind die Spuren einer enttäuschenden Saison, die sich tief in sein Selbstvertrauen eingegraben haben, und Details, die auf diesem Niveau über Sieg und Niederlage entscheiden.

Zudem machte auch Monfils klar, dass die Gegner den einst übergrossen Respekt vor ihm abgelegt haben. Federer wird heute nicht mehr als Monster betrachtet, gegen das man kaum gewinnen kann, vielmehr sind Partien gegen ihn nun eine willkommene Gelegenheit, einen Spieler mit grossem Namen zu besiegen. Die Tennistour ist ein Dorf, seine Krise niemandem entgangen.

Ein Sieg gegen Monfils wäre wohl die richtige Medizin gewesen, um einen Schritt aus dem Teufelskreis zu machen, zumal er danach im Viertelfinal gegen Novak Djokovic nichts mehr zu verlieren gehabt hätte. Es sollte nicht sein. Und so wird Federer auch aus Asien die belastenden Fragen und Zweifel mitnehmen, die sich in den vergangenen Monaten aufgestaut haben. Dieses Gepäck macht es für ihn an seinen letzten Turnieren der Saison nicht einfacher, auch wenn sie ihn voraussichtlich nach Basel, Paris und London führen werden – alles Orte, an denen er schon kapitale Triumphe feiern konnte.

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