Der wahre Methusalem der Federer-Ära heisst Karlovic

Der Aufschlaggigant ist 40 geworden und nun auch in Indian Wells daran, Altersrekorde zu brechen.

Ivo Karlovic hat schwere Krisen überwunden. Foto: Getty Images

Ivo Karlovic hat schwere Krisen überwunden. Foto: Getty Images

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Drei Dinge haben Ivo Karlovic schon immer ausgezeichnet: Seine Körpergrösse (2,11 m), seine Fähigkeit, Asse zu schlagen (bisher 13 289 als Profi) sowie seine flockigen Sprüche. Inzwischen ist etwas dazugekommen: sein Alter. Am 28. Februar wurde der Kroate 40. Damit ist er der älteste Spieler in der ATP-Weltrangliste, und selbst Roger Federer, der viertälteste, wirkt mit seinen 37 Jahren und 7 Monaten ihm gegenüber wie ein Novize.

«40 ist das neue 30, also bin ich wieder jung. Es gefällt mir», sagte Karlovic in Indian Wells. Und so spielt er auch: Mit Siegen über Matthew Ebden, Borna ­Coric – einen letztjährigen Halbfinalisten – und den Inder Prajnesh Gunneswaran erreichte er die Achtelfinals, wo er heute ­Dominic Thiem herausfordert.

Frische Inspiration

Karlovic ist damit der erste 40-Jährige, der in der 1990 entstandenen Masters-Serie Partien gewinnen konnte. Der letzte ­Ü-­40-Spieler, der vor ihm in einer Partie siegte, war 1995 Jimmy Connors in Halle gewesen. Vergleiche mit früheren Grössen ehren Karlovic, der in seiner zwanzigjährigen Karriere acht Turniersiege und 9,3 Millionen Dollar Preisgeld anhäufte und bis auf Rang 14 vorstossen konnte.

Der 40. Geburtstag scheint ihn frisch inspiriert zu haben. «Jede Woche bin ich nun der Älteste in etwas. Nächste Woche bin ich vielleicht der Älteste, der je ohne ein künstliches Hüftgelenk auf den Platz gekommen ist», scherzte er. Damit nahm er Bezug auf die Hüftoperationen von Andy Murray und Bob Bryan.

Allerdings bekam auch Karlovic seinen Teil an körperlichen Problemen ab, und seine Karriere hing zweimal an einem dünnen Faden. Im April 2013 wachte er zu Hause in Miami mit seltsamen Schmerzen auf, verlor tagsüber sein Körpergefühl und war abends im Spital nicht einmal mehr fähig zu sprechen. Es handelte sich um eine Enzephalitis, eine Gehirnentzündung.

«Fast lieber gestorben»

«Es gab Tage, an denen ich aufwachte und dachte: Okay, ich lebe noch. Aber die Kopfschmerzen waren unerträglich. Es ging so weit, dass ich fast lieber gestorben wäre, um sie nicht mehr ertragen zu müssen.» Als er schliesslich das Spital verlassen konnte, wusste Karlovic, was er wirklich wollte: weiter Tennis spielen, diese faszinierende Sportart, die er sich im kriegsgeschüttelten Kroatien unter misslichen Bedingungen einst selbst beigebracht hatte – mit stundenlangen, einsamen Aufschlagübungen, da keine Trainingspartner aufzutreiben waren.

Karlovic war ein Langsamstarter, der erst mit 24 in die Top 100 vorstiess. Die nächste grosse Krise folgte letztes Jahr. «Ich verlor die Lust, zu trainieren und zu kämpfen. Am schlimmsten war es in Roland Garros, wo ich nur noch nach Hause gehen wollte.» Er habe es sogar gehasst, einen Schläger in der Hand zu halten, schrieb er in einer Kolumne für die ATP-Website.

Alles viel einfacher

«Ich war 39, hatte zwei Kinder zu Hause, und wenn immer ich wegging, waren alle traurig.» Er fiel aus den Top 100 und war im September noch auf Rang 138 klassiert. Seine Laufbahn schien am Ende. «Aber dann setzte ich mir ein Ziel: Ich wollte versuchen, mich über die Rangliste für das Australian Open zu qualifizieren.Sollte es nicht gelingen, wäre ich zurückgetreten.» Karlovic spielte nach dem US Open nur noch Challenger-Turniere, er gewann eines davon (als bisher ältester Spieler) und sammelte genügend Punkte, um das Jahr auf Rang 101 zu beenden, womit er in Melbourne antreten konnte. Und schon beim ersten Turnier 2019, im indischen Pune, erreichte er das Endspiel, auch das als bisher ältster Spieler der ATP-Tour.

Nach Indian Wells wird der liebenswürdige bärtige Riese schon wieder in den Top 75 auftauchen und mit frischer Leidenschaft an die nächsten ATP-Turniere reisen. «Ich bin nicht langsamer oder schlechter als mit 38 Jahren. Deshalb sehe ich keinen Grund, weshalb ich nicht weiterspielen sollte, und zwar hoffentlich noch lange», sagt er. «Jetzt, wo ich wieder siege, ist alles viel einfacher geworden.»

Worte, die auch Roger Federer gefallen dürften.

Erstellt: 12.03.2019, 23:28 Uhr

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