Einfach zu manipulieren, schwierig zu beweisen

Das Tennis ist eine ideale Plattform für Wettbetrüger. Einige der jüngsten «Enthüllungen» sind alt. Andere lassen aufhorchen.

Es werden keine neuen Namen und nur wenige noch unbekannte Fakten genannt: Pause am ersten Spieltag des Australian Open 2016. Foto: William West (AFP)

Es werden keine neuen Namen und nur wenige noch unbekannte Fakten genannt: Pause am ersten Spieltag des Australian Open 2016. Foto: William West (AFP)

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Die Story von BBC und «Buzzfeed» war clever getimt: Kurz bevor am Australian Open die ersten Bälle gespielt wurden und das Tennis damit in den Fokus der Sportwelt rückte, warfen die beiden Medienunternehmen mit ihren angeblichen Enthüllungen zu Matchabsprachen im Profitennis hohe Wellen. Der Inhalt dieser Geschichten ist teilweise länger bekannt, lässt teilweise aber auch aufhorchen. Beim einzigen konkret beschriebenen Ereignis handelt es sich einen alten Fall aus dem Jahr 2007, der wegen mangelnder Beweisführung zu keinen Verurteilungen führte. Es geht um eine Partie im polnischen Sopot zwischen Nikolai Dawidenko und Martin Vassallo Arguello, auf welche Unsummen verwettet worden waren.

Die «Buzzfeed»-Journalisten haben nach ihrer Darstellung aber auch 26'000 Partien zwischen 2009 und 2015 ausgewertet. Dabei wollen sie 15 Spieler erkannt haben, die aufgrund ihres Favoritenstatus auffallend oft als Verlierer vom Platz gegangen sind - bei unüblich hohen Wetteinsätzen. Die BBC schreibt von 16 involvierten Spielern.

Grosse Verlockungen für kleine Spieler

Dass das Tennis eine ideale Plattform für Wettbetrüger – vielleicht sogar die idealste überhaupt – bietet, ist bekannt. Angebotene Wetten können von Einzelnen teilweise leicht und ohne Aufsehen zu erregen manipuliert werden, da längst auch auf Punkt-, Game- und Satzgewinne sowie weitere Details gewettet werden kann. Die Dunkelziffer der unentdeckten Fälle ist zweifellos gross, auch wenn ATP-Chef Chris Kermode, der umgehend eine Medienkonferenz einberief, das Ausmass dieser Betrügereien jetzt zu marginalisieren versucht.

Möglichkeiten zur Manipulation sind vielfältig, und da damit enorm viel Geld eingespielt werden kann, ist die Versuchung für viele omnipräsent – insbesondere für Spieler ohne grosse Preisgeldperspektiven. An kleineren Turnieren lassen sich mit Matchabsprachen mühelos Beträge verdienen, die das Preisgeld massiv übersteigen.

Null-Toleranz-Politik im Profitennis

Das Profitennis hat mit der Schaffung der Tennis Integrity Unit im Jahr 2008 reagiert, in diesem Gremium sind die Touren der Frauen (WTA), der Männer (ATP), die Grand-Slam-Turniere und der Internationale Verband ITF Partner. Dass dieses nicht nur – aber auch – zur Abschreckung da ist, zeigt die Tatsache, dass seit 2010 immerhin 18 Disziplinarfälle geahndet werden konnten, in die verschiedene Spieler und ein Offizieller involviert sind. Die Verantwortlichen sind sich der Gefahr von Match-Absprachen sehr wohl bewusst und postulieren eine Null-Toleranz-Politik gegen Leute, die überführt werden können. Alle Spieler, Mitarbeiter und Funktionäre an Turnieren unterstehen einem Anti-Korruptions-Programm, das unter anderem das Verwenden von Insiderwissen zwecks Wetteinsätzen verbietet.

Spekulationen reichen nicht

Spekulationen, Gerüchte und Verdächtigungen reichen aber nicht, um jemanden rechtsgültig zu verurteilen, dazu braucht es konkrete Beweise. Diese zu beschaffen ist allerdings viel schwieriger, als den Untersuchungsgremien mangelnde Aktivität vorzuwerfen und die Sportart dem Generalverdacht auszusetzen, nicht genug gegen illegale Machenschaften vorzugehen.

Erstellt: 18.01.2016, 10:17 Uhr

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