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Die Fans und das Gold als Inspiration

Roger Federer startete verheissungsvoll ins US Open, wo er einer Welle der Sympathie begegnet - und noch immer daran ist, Peking zu verarbeiten.

Viereinhalb Jahre oder während 78 Turnieren, von denen er 43 gewann, war erdie Nummer 1. In New York, wo er am US Open die Topposition erstmals wieder einem anderen überlassen muss, machte Roger Federer nun aber bereits eine Feststellung, die auf den ersten Blick überraschend ist: Seine Absetzung hat ihm nicht nur (teilweise unfaire) Kritik und sogar Schadenfreude eingetragen, sondern auch eine neue Sympathiewelle anrollen lassen.

Schon am Montagabend, an der 40-Jahr-Jubiläumsfeier des Profitennis, wurde er von den New Yorkern derart euphorisch empfangen, dass er sich etwas unbehaglich fühlte, im Bezug auf die anderen anwesenden Tennislegenden. «Eigentlich sollten die Amerikaner ja hier ihre Spieler feiern», sagte er. «Aber vermutlich bin ich ihnen inzwischen ans Herz gewachsen, nach all meinen Erfolgen in den USA.»

Federer-Fans manifestieren sich

Umjubelt wurde er von über 23'000 Zuschauern auch am Dienstagabend, auf dem Weg zu seinem 28. Sieg in Folge in Flushing Meadows, einem 6:3, 6:0, 6:3 gegen den argentinischen Sandplatzspezialisten Maximo Gonzalez (ATP 118). «Die Leute haben wohl gemerkt, wie viel mir dieses Spiel bedeutet und wie gerne ich hier spiele», suchte Federer nach Erklärungen. «Dieser grossartige Empfang ist wie eine Vergeltung.» Auch abseits der Courts hat er eine neu aufgeflammte Leidenschaft seiner Fans festgestellt. «Selbst auf der Strasse kommen Leute und sagen, ich sei immer noch der Beste, ich würde wieder nach oben zurückkehren und solche Sachen.» Er spüre einen «unglaublichen Rückhalt, und das ist schön».

Viel geändert habe sich für ihn als Nummer 2 aber nicht. «Als Nummer 3 oder 4 wäre das anders, weil ich dann nicht wüsste, in welches Tableauviertel ich ausgelost würde.» Auch wenn er vom zweitbesten der 51 in der Weltrangliste erfassten Gonzalez nicht ernsthaft geprüft werden konnte, stimmte ihn der in 82 Minuten erspielte Startsieg für den weiteren Turnierverlauf zuversichtlich. «Das war ein guter Auftakt gegen einen Gegner, den ich noch nie gesehen hatte», sagte er am späten Dienstag. Er habe sich gut bewegt und gut aufgeschlagen, auf seine Reflexe sei Verlass gewesen. «Mit einer Abendsession ins Turnier zu starten, ist nicht einfach. Alle erwarten da, dass man gleich sein Bestes zeigt.» Federer gewann vom 3:3 im 1. Satz bis zum 1:0 im dritten zehn Games in Serie.

«Vier Tage waren die Hölle»

Seine Erleichterung über den geglückten Start war umso grösser, als ihn die Reise ans Olympiaturnier in China doch viel stärker mitgenommen hat, als er bisher zugab. «Völlig kaputt» sei er nach der Rückkehr in die USA gewesen, bekannte er im kleinen Kreis, «die ersten vier Tage waren die Hölle». Er sei so müde gewesen, dass es ihm im Training schwergefallen sei, sich überhaupt zu bewegen. «Ich dachte, so müde kann ich gar nicht sein, immerhin war ich gut gereist, hatte gut geschlafen. Aber irgendwann wird es für den Körper einfach zu viel.» Zum Glück seien die drei letzten Trainingstage gut verlaufen, «und nun habe ich ja wieder zwei Tage Pause». Weil sich die 1. Runde beim US Open über drei Tage hinzieht, bestreitet er seine zweite Partie erst am Freitag. Dabei trifft er auf den brasilianischen Qualifikanten Thiago Alves (ATP 137).

Aber nicht nur körperlich, sondern auch emotional hat ihn Olympia viel mehr mitgenommen als erwartet. «Es ist lustig, aber ich habe mehr Mühe, diese Olympiamedaille zu verarbeiten, als einen Grand-Slam-Sieg. Irgendwie ist es so anders, mit Stan (Wawrinka). Es war ein unglaublicher Moment, und immer, wenn wir uns sehen, kommt er wieder hoch.»

Der Doppeltitel hilft spielerisch

Wie wertvoll die Goldmedaille für ihn ist, hat er auch in New York wieder gemerkt. Einerseits helfe ihm der Doppeltitel spielerisch: Er habe in Peking gesehen, wie gut es ihm am Netz laufe; und auch, dass es viel bringe, variantenreicher aufzuschlagen und aggressiver zu retournieren. «Das habe ich ins Einzel mitgenommen.» Gegen Gonzalez schlug Federer 15 Asse und tauchte 31-mal am Netz auf, wobei er 21-mal den Punkt gewann.

Aber auch für das Herz und die Seele des abgesetzten Wimbledon-Königs und Rankingleaders ist die Goldmedaille ein Segen. «Auch wenn ich nicht glaube, dass sie mir enorm viel Vertrauen für das Einzel gibt, hat sie mich doch in eine viel bessere Stimmung versetzt. Sie gibt mir die Inspiration und Motivation, nochmals alles zu geben, gut zu trainieren und gut zu spielen am Ende dieser Saison.»

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