Die Leiden der Tenniskönigin

Das Comeback von Serena Williams gestaltet sich kompliziert – ihr Rendezvous mit Scharapowa lässt sie platzen.

Wie eine Mutter, die ihrem Kind mitteilt, dass sie nicht mit ihm spielen kann: Serena Williams erklärt ihr Forfait am French Open. Foto: Benoit Tessier (Reuters)

Wie eine Mutter, die ihrem Kind mitteilt, dass sie nicht mit ihm spielen kann: Serena Williams erklärt ihr Forfait am French Open. Foto: Benoit Tessier (Reuters)

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Serena Williams braucht nicht einmal auf dem Tenniscourt zu stehen, um ­einschüchternd zu wirken. Es genügt, wenn sie vom Podium im Interviewraum auf einen herabblickt – wie ­gestern Nachmittag. Und das nicht nach ihrem mit Spannung erwarteten Nostalgie-­Duell mit Maria Scharapowa, sondern stattdessen. Was zuvor schon auf ­sozialen Medien durch­gesickert war, ­bestätigte die Amerikanerin kurz nach halb vier: Wegen einer Brustmuskelzerrung konnte sie nicht zu ihrem Achtel­final antreten.

Für noch mehr Aufsehen hatte in ­Paris erst ein Forfait gesorgt: jenes von Rafael Nadal vor zwei Jahren, als er sich wegen einer akuten Sehnenscheiden­entzündung am linken Handgelenk vor Runde 3 hatte zurückziehen müssen. Der Spanier kämpfte damals an der Stätte seiner grössten Erfolge mit den Tränen, Williams präsentierte sich von einer anderen Seite, ganz gefasst. Sie ­betonte zwar ihr Bedauern, sprach aber mit klarer Stimme. Ein bisschen so wie eine Mutter, die ihrem Kind erklärt, dass sie jetzt leider nicht mit ihm spielen kann, weil sie arbeiten gehen muss.

Derweil die Leiterin der Pressekonferenz eine Miene aufsetzte, als sei gerade jemand gestorben, wagten die Journalisten nicht, Williams die Frage zu stellen, die auf der Hand lag: Wollte sie nicht ­riskieren, dass ihre schöne Serie mit 18 Siegen in Folge gegen Scharapowa zu Ende ging? Denn während sich die ­Russin in Paris in Hochform gespielt hat, war Williams die Babypause in den ersten Runden noch anzusehen gewesen.

Doppel gespielt trotz Schmerzen

Die Schmerzen am Brustmuskel rechts hatten sich bei der 36-Jährigen erst in ihrer Drittrundenpartie gegen ­Julia Görges bemerkbar gemacht. Trotzdem bestritt sie am Sonntag noch das Doppel mit ihrer Schwester Venus, wobei sie den dritten Satz 0:6 verloren. Ob es eine schlaue Idee gewesen war, da anzu­treten? «Ich brauchte diesen Match, um zu sehen, wie es sich unter Wettkampfbedingungen anfühlt», sagte sie. «Und ich probierte verschiedene Tapes, um herauszufinden, was nützen könnte.»

Keines nützte. Sie musste einsehen, dass sie kaum mehr aufschlagen konnte. Im dritten Satz des Doppels brachte sie die Bälle nur noch mit rund 130 Stundenkilometern ins Feld – sonst schafft sie bis zu 200 km/h. Und Scharapowa hätte bestimmt nicht gezögert, sie für ihre «Einwürfe» zu bestrafen.

Mit dem Slogan «The Queen Is Back», die Königin ist zurück, hatte Nike die Rückkehr von Williams auf die Grand-Slam-Bühne nach 16 Monaten beworben. Doch der Weg zurück auf den Thron gestaltet sich für sie komplizierter, als sie wohl angenommen hatte. So wie die Geburt ihrer Tochter Alexis Olympia am 1. September 2017 per ­Not-Kaiserschnitt und die Tage danach, als sie eine Lungenembolie hatte, die Narbe des Kaiserschnitts aufplatzte und zwei Operationen nötig wurden, um ein Hämatom aus dem Bauch zu entfernen.

Der Körper spielt noch nicht richtig mit

Williams kehrte zwar sechs Monate später in Indian Wells auf die Tour zurück, doch nach zwei Turnieren brach sie ihr Comeback ab, um in der Akademie ihres französischen Coachs Patrick Mouratoglou bei Nizza an ihrer Fitness zu feilen. Mit ihren Siegen über zwei ­Gesetzte – Ashleigh Barty (17) und Görges (11) – bewies die Weltnummer 453 in Paris, dass sie das Tennisspielen nicht verlernt hat. Doch der Körper spielt noch nicht richtig mit. Die Brustmuskelverletzung dürfte eine Folge der Über­belastung gewesen sein.

Inklusive Doppel bestritt sie in der ersten Woche sechs Matchs, und im Wettkampf ist selbst eine 23-fache Grand-Slam-Siegerin ein bisschen angespannt und anfälliger für Verletzungen. Ein MRI soll nun Klarheit geben, wie lange Williams ausfällt. Ihr Ziel ist, in einem knappen Monat im All England Club wieder am Start zu sein. Wimbledon ist zusammen mit dem Australian Open mit je sieben Titeln ihr erfolgreichstes Grand Slam.

Kim Clijsters hat es vorgemacht

Ihr steiniger Weg zurück an die Weltspitze zeigt, wie schwierig es für Mütter ist, nach der Geburt eines Kindes wieder auf ihr Topniveau zu kommen. Das kann körperliche Gründe haben, aber auch organisatorische wie bei der Weissrussin Viktoria Asarenka, die sich nach der Geburt vom Vater des Kindes trennte und wegen des Sorgerechtsstreits lange nicht reisen durfte. Erst drei Mütter feierten in der Profiära (seit 1968) Grand-Slam-Titel: die Australierinnen Margaret Court (3) und Evonne Goolagong (1) ­sowie Kim Clijsters, die nach der Geburt von Jada am US Open (2009, 10) und am Australian Open 2011 triumphierte.

Die Belgierin spielte nach ihrem Comeback als Mutter sogar noch erfolgreicher als vorher. Das wäre von Serena Williams ein bisschen viel verlangt.

Erstellt: 04.06.2018, 22:58 Uhr

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