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Die Leiden der Tennis-Teenager

Spielerinnen unter 20 dominierten einst das Frauentennis. Heute sind sie in den Top 30 nicht mehr vertreten. Eine Spurensuche im Tennisdschungel.

Die Beste unter 20: Eugenie Bouchard aus Kanada belegt in der Weltrangliste Platz 31. (22. Dezember 2013).
Die Beste unter 20: Eugenie Bouchard aus Kanada belegt in der Weltrangliste Platz 31. (22. Dezember 2013).
Keystone
«Das Zeug zur Grand-Slam-Siegerin»: Madison Keys, Nummer 36 der Welt. (9. Januar 2014)
«Das Zeug zur Grand-Slam-Siegerin»: Madison Keys, Nummer 36 der Welt. (9. Januar 2014)
Keystone
Hoffnungen vorerst geplatzt: Melanie Oudin, mit 17 US-Open-Viertelfinalistin, gehört nicht mehr zu den Top 100. (7. September 2009)
Hoffnungen vorerst geplatzt: Melanie Oudin, mit 17 US-Open-Viertelfinalistin, gehört nicht mehr zu den Top 100. (7. September 2009)
Keystone
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Erfolgreiche Teenager sind im Tennis auf höchster Ebene zu einer Seltenheit geworden. Seit dem Ende der Neunziger, dem Jahrzehnt der jungen Wilden, als Spielerinnen unter 20 Jahren zusammen 15 Grand-Slam-Titel gewannen, war nur noch dreimal eine Vertreterin dieser Kategorie bei einem Major siegreich. Maria Scharapowa bewerkstelligte 2006 am US Open als 19-Jährige den letzten Triumph eines Teenagers.

Heute ist die am 25. Februar 1994 geborene Kanadierin Eugenie Bouchard (WTA 31) die bestklassierte Spielerin, die ihren 20. Geburtstag noch vor sich hat. Von einem Grand-Slam-Titel ist sie etwa so weit entfernt wie der FC Schaffhausen vom Gewinn der Schweizer Fussballmeisterschaft. Ihre grössten Meriten bei der Elite sind der Finaleinzug am Turnier von Osaka im vergangenen Oktober und das Erreichen der dritten Runde in Wimbledon im Sommer. 2012 hatte sie am Rasen-Grand-Slam im Einzel und im Doppel den Pokal bei den Juniorinnen gewonnen.

Madison Keys – die grosse Hoffnung der USA

Der laut Weltrangliste zweitbeste Teenager ist die US-Amerikanerin Madison Keys, die am 17. Februar 1995 zur Welt kam. Die Nummer 36 der Welt, die zu Beginn dieser Saison in Brisbane gegen die Schweizerin Stefanie Vögele den Kürzeren zog, hatte ihren bislang besten Grand-Slam-Auftritt ebenfalls in Wimbledon, wo sie die spätere Halbfinalistin Agnieszka Radwanska in der letzten Saison in der 3. Runde drei Sätze lang beschäftigte. In dieser Woche schlug sich Keys in Sydney ausgezeichnet, sie scheiterte erst in den Halbfinals an der Deutschen Angelique Kerber (WTA 9).

Trotz der Niederlage gegen Kerber wäre sie die erste Anwärterin auf einen Exploit am Australian Open. Den Titel traut ihr aber niemand ernsthaft zu. Der frühere Top-10-Spieler Brad Gilbert, der als Trainer Andy Murray, Andy Roddick und Andre Agassi betreute, sagt aber, Keys besitze zweifellos das Potenzial, um ein Major-Turnier zu gewinnen. Die Tennislegende Chris Evert, die Keys über Jahre in ihrer Akademie beobachtete, erklärte, die 1,78 Meter grosse junge Dame habe die Waffen, um die Nummer 1 zu werden, und erinnere sie in Sachen Power und Service an Serena Williams.

Capriatis raketenhafter Aufstieg und der tiefe Fall

Im Vergleich zu den arrivierten Spielerinnen auf der WTA-Tour haben die Nachwuchskräfte aber eine ganze Reihe von Defiziten. Es fehlt ihnen noch an Athletik, dem allerletzten Biss und taktischer Reife. Das hat auch damit zu tun, dass es eine Altersbeschränkung gibt, die besagt, dass niemand vor dem 15. Geburtstag auf der Profitour antreten darf. Die volle Spielberechtigung gibt es erst mit 18. Diese Regelung geht auf den Fall Jennifer Capriati zurück: Die US-Amerikanerin wurde mit 13 Profi und feierte eine Reihe bemerkenswerter Erfolge, ehe ihr Privatleben völlig aus den Fugen geriet. Nachhaltigkeit ist heute mehr gefragt als der raketenhafte Start, der immer das Risiko eines Absturzes in sich birgt.

Gift für die sportlichen Perspektiven einer Athletin sind auch die überhöhten Erwartungen, die im Zeitalter von Social Media allgegenwärtig sind. Die US-Amerikanerin Melanie Oudin etwa wurde euphorisch gefeiert, als sie 2009 mit 17 die Viertelfinals des US Open erreichte. Von den hochtrabenden Träumen ist wenig geblieben: Oudin ist im aktuellen WTA-Ranking die Nummer 123. «Man braucht mehr als nur die Waffen auf dem Court, um zu bestehen», sagt Chris Evert.

Bencic und der langfristige Aufbau

So liegt denn der Fokus beim Schweizer Ausnahmetalent Belinda Bencic (WTA 186) auch auf der langfristigen Entwicklung. Im Umfeld der Siegerin des Juniorinnenturniers von Wimbledon sind alle sehr bemüht, den Ball flach zu halten und die immer wiederkehrenden und wegen der unterschiedlichen Epochen unsinnigen Vergleiche mit Martina Hingis, der Tochter ihrer Trainerin Melanie Molitor, abzuwehren. Bencic, 16 Jahre alt und ein ganz anderer Typ Spielerin als Hingis, bestreitet zurzeit in Melbourne ihre erste Qualifikation für ein Grand-Slam-Turnier. In der 1. Runde fegte sie heute die topgesetzte Kanadierin Sharon Fichman mit 6:3, 6:1 (WTA 106) vom Platz.

Bis Bencic ihr volles Potenzial ausschöpfen kann, wird es aller Voraussicht nach aber noch einige Jahre dauern. Es gibt viele Stimmen, die sagen, dass es eher eine 35-jährige Grand-Slam-Gewinnerin geben werde als einen siegreichen Teenager. Venus Williams drückt es so aus: «Dreissig sind die neuen zwanzig.»

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