Die Schattenkönigin mag nicht mehr kämpfen

Caroline Wozniacki hat alles erreicht, von dem sie im Tennis träumte. Obwohl erst 29, erklärte die frühere Nummer 1 das Australian Open zum Abschiedsturnier.

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Man glaubt, Wehmut zu spüren in den Augen von Piotr Wozniacki, wie er durch das Gewimmel der Spieler und Coaches in der Players Lounge in Melbourne läuft. Auch für den früheren Fussballprofi ist das bevorstehende Australian Open ein ganz besonderes Turnier. Denn Caroline, seine Tochter, die er von klein auf begleitet und geformt hat auf ihrem Weg zur Weltnummer 1 und zur Grand-Slam-Siegerin, mag nicht mehr. Dies ist ihr Abschiedsturnier, jeder Match könnte nun ihr letzter sein.

Dabei ist sie doch erst 29 und steht noch immer auf dem 35. Rang der Weltrangliste! «Aber was soll ich tun? Es ist ihr Leben, ich muss es akzeptieren», sagt der 57-jährige gebürtige Pole, dessen Frau Anna eine Volleyball-Nationalspielerin war. Der Fussball war es gewesen, der die beiden nach Dänemark brachte.

Ehe mit früherem NBA-Star

Caroline Wozniacki verkündete ihren überraschenden Entscheid im Dezember. «Ich habe lange überlegt und in mich geblickt. Und ich fühlte, dass dies die richtige Entscheidung ist», erklärte die seit Juni mit dem früheren amerikanischen NBA-Star David Lee verheiratete Dänin in den sozialen Medien. Sie hielt fest, dass der Rücktrittsentschluss nichts mit ihrer rheumatoiden Arthritis zu tun habe. Im Oktober 2018 war sie mit dieser Auto-Immun-Erkrankung diagnostiziert worden, die Entzündungen der Gelenke mit sich bringt. Seither konnte sie nur noch ein Turnier gewinnen, in Peking. In Zukunft will sie als Vorbild auftreten, wie sich damit leben lässt.

Dass sie das Australian Open zu ihrer letzten Bühne erkor, lag nahe: Hier hatte sie es vor zwei Jahren doch noch geschafft, zum Kreis der Grand-Slam-Siegerinnen zu stossen. 7:6, 3:6, 6:4 bezwang sie damals die Rumänin Simona Halep – neun Jahre, nachdem sie am US Open das erste ihrer drei Major-Endspiele verloren hatte. «Ich bin mindestens 100 000 Mal gefragt worden, weshalb ich noch kein Grand-Slam-Turnier gewann. Das ist nun vorbei», frohlockte sie.

So war das mit der Dänin, die auch ihren zweiten US-Open-Final (gegen Serena Williams) verloren hatte: Sie war zwar eine Strahlefrau, ein Poster Girl, und doch stand ihr meistens jemand vor der Sonne. Ihr blieb die Rolle der Schattenkönigin des Tennis, hinter den grössten Stars wie den Williams-Schwestern oder Maria Scharapowa, und ihr erster Vorstoss auf Rang 1 sorgte für Kontroversen.

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Ihre Konstanz und ihr Powertennis reichten zwar trotz vielen Verletzungen, um von 2007 bis 2018 stets Ende Jahr zu den Top 20 zu gehören und – als erste Skandinavierin – 71 Wochen die Weltrangliste anzuführen. Die bedeutendsten Trophäen gewannen aber im Normalfall andere. Gegen Serena Williams, mit der sie privat verkehrt und die an ihrer Hochzeit teilnahm, konnte sie nur 1 von 11 Partien gewinnen. «Ich habe als Tennisspielerin alles erreicht, von dem ich träumen konnte, war sogar Fahnenträgerin an den Olympischen Spielen», sagt die Dänin im Rückblick. Nun will sie mit ihrem Mann, der 2,06 m gross ist und mit den Golden State Warriors 2015 die NBA-Championship gewann, eine Familie gründen.

Dabei hätte die frühere Junioren-Wimbledonsiegerin, die schon mit 15 Profi wurde, einst beinahe einen Golfstar geheiratet. Drei Jahre war sie mit Rory McIlroy liiert, und die Hochzeitseinladungen waren 2014 bereits gedruckt, als es sich der Nordire anders überlegte und die Beziehung beendete – gemäss Wozniacki mit einem kurzen Anruf. Er fühle sich nicht bereit für eine Ehe, kommentierte der vierfache Majorturniersieger (was sich drei Jahre später änderte, als er eine Amerikanerin heiratete).

«Sag niemals nie»

Sie werde nach ihrem Rücktritt nicht in der Anonymität ihres Privatlebens verschwinden, sagt Wozniacki, die über 35 Millionen Dollar Preisgeld gewann. «Das ist kein Goodbye. Ich freue mich darauf, meinen weiteren Weg mit euch allen zu teilen», verkündete sie über Instagram ihren 1,4 Millionen Anhängern. Als sie in Auckland, wo sie im Halbfinal stand, gefragt wurde, ob sie ein Comeback ausschliesse, wich sie aus: «Momentan denke ich definitiv, dass dies das Ende ist. Aber das Leben verläuft manchmal auf seltsamen Wegen.» Sie dachte dabei wohl an Kim Clijsters, gegen die sie 2009 ihren ersten Grand-Slam-Final verloren hatte.

Die vierfache Majorsiegerin aus Belgien, wie Wozniacki mit einem früheren Basketballprofi verheiratet, hat für dieses Jahr als 37-Jährige ihr bereits zweites Comeback angekündigt. Die Dänin hat also noch genügend Zeit, es sich anders zu überlegen; Serena Williams ist sogar zehn Jahre älter als sie. «Sag niemals nie», flachst die blonde Dänin, die 2017 auch das WTA-Finale gewann. Piotr Wozniacki darf also noch hoffen.

Erstellt: 17.01.2020, 11:44 Uhr

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