«Die Schweiz ist mehr als Roger Federer»

Nicolas Bideau zeigt, wie das House of Switzerland die fehlende Präsenz von Roger Federer mit helvetischen Attraktionen wettmachen will.

Mit der Drohne abgehoben: Das House of Switzerland zwischen Copacabana und Ipanema, vorgestellt von Nicolas Bideau, Chef Präsenz Schweiz.
Video: Sebastian Rieder

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Marc Sway konnte es nicht lassen: Im Edelweiss-Airbus 330 nach Rio gab der Brasilien-Schweizer hoch über Spanien mit zwei Bandmitgliedern seinen Hit «Severina» unplugged zum besten. Ganz zur Freude der Olympioniken aus der Schweiz, Österreich und Belgien, die an diesem Freitag zu Dutzenden mit ihm an den Zuckerhut flogen.

Rocken will Sway auch Rio, wo er vom 1. bis 6. August im House of Switzerland auftreten wird. Dieses befindet sich im Herzen der Olympiastadt, an der Lagoa Rodrigo de Freitas, unweit von Copacabana und Leblon. Mit dem Vorgänger von der WM 2014 hat das Schweizer Haus aber nur noch die Location gemeinsam: Es ist ungefähr sechsmal grösser und auch völlig anders aufgebaut. Und wird auch länger im Betrieb sein, auch für die Paralympics im September.

Zentrale Lage im Herzen der Olympiastadt

«Es ist diesmal eher ein Dorf als ein Haus», sagt Nicolas Bideau, der als Botschafter und Chef von Präsenz Schweiz das Projekt leitet. «Wir erwarten auch mehr Leute als an der WM, gegen 450 000.» Ein grosser Teil der Gäste wird aus der Schweiz kommen. Bideau geht davon aus, dass auch viele Athletinnen und Athleten anzutreffen sein werden. Denn im Gegensatz zur eher spröden Barra-Region, wo sich das Olympiadorf befindet, sei man hier am Puls der Stadt.

Am Samstag wird auf den 4500 Quadratmetern noch an allen Ecken und Enden gehämmert, geschweisst, gebohrt, geklebt, gesägt und geschliffen. Aber man sei voll im Zeitplan, sagt Bideau, schon am 1. August wird das erste Fest steigen, danach sollen auch ohne Roger Federer viele Medaillenfeiern folgen. «Die Schweiz ist mehr als Roger Federer», sagt Bideau und meint damit jedoch in erster Linie nicht die anderen Athleten, sondern die Vorzüge, die das House of Switzerland in Rio bietet: «Die Schweiz ist sexy, innovativ und Fun.» Die verschiedenen Attraktionen haben Bideau und seine Helfer unter einem selbst kreierten brasilianischen Wort zusammengefasst: «swissando». Das kann mit «schweizern» oder, etwas eleganter, «die Schweiz erleben» übersetzt werden.

So gibt es eine kleine Sprintstrecke mit hochprofessioneller Zeitmessung, ein Schokoladenatelier, ein Minieisfeld zum Schlittschuhlaufen (auf Plastikeis), eine gekühlte Schneeglocke (mit Kunststoffschnee). Es lassen sich eine virtuelle Fahrt in der Jungfraubahn oder die Simulation eines Aufstiegs in der drehbaren Gondel auf den Titlis erleben. Im Shop können unter anderem Schweizer Sackmesser, Zahnbürsten, Schokolade (aus Nova Friburgo) und Rollkoffer erstanden werden. Es gibt 3 grosse Terrassen, gediegene VIP-Räumlichkeiten, eine Athleten- und eine Medienlounge, eine Bühne und, natürlich, einen Grossbildschirm.

Geschmolzener Käse und brasilianische Cervelats

Auch für helvetische Gaumenfreuden ist gesorgt. In grossen Feuerringen werden Rösti und Würste gebraten, auch Raclette wird angeboten. Dieses darf hier allerdings nur als «geschmolzener Schweizer Käse» bezeichnet werde, da es – wie die Cervelats und Bratwürste – brasilianischer Herkunft ist. Durch Blinddegustationen wurde aber ermittelt, welche Produkte den helvetischen Originalen am nächsten kamen.

An den Tresen, etwa der Heidi-Bar, wird auch Caipirinha angeboten – mit Walliser Frucht- anstelle von Zuckerrohrschnaps. Im Original wird Chasselas-Weisswein ausgeschenkt (Schweizer Rotwein fehlt, er kann sich gegen die starke südamerikanische Konkurrenz offenbar nicht durchsetzen).

Das Budget für das Projekt beträgt 6,35 Millionen Franken, davon sollen 2 Millionen von Privatsponsoren gedeckt werden, den Rest übernimmt der Bund. Mit Johann Schneider-Ammann, Guy Parmelin und Alain Berset haben denn auch gleich drei Bundesräte ihr Kommen angekündigt. Am 12. August wird zudem IOK-Präsident Thomas Bach erwartet.

«Die Stadt ist überzeugt, dass wir einen Mehrwert bringen, deshalb hat sie uns das Grundstück zur Verfügung gestellt», sagt Nicolas Bideau. Er ist überzeugt, dass das Projekt der Schweiz und den beteiligten Sponsorfirmen eine Werbe- und Medienpräsenz bringt, die die Investitionen übersteigt. Auch brasilianische Medien berichteten schon über die «casa suiça», zum Beispiel «O Globo».

Dass die brasilianischen Gäste, die sich hierher verirren werden, den Walliser Caipirinha ihrem eigenen vorziehen, ist allerdings eher zu bezweifeln.

Erstellt: 31.07.2016, 10:01 Uhr

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