Hat jemand Favorit Federer gesagt?

Am Australian Open scheitert nach Djokovic auch Murray. Federer und Wawrinka dagegen brillieren, der zweite Schweizer Major-Halbfinal ist nah.

Wie zu besten Zeiten: Federer gewinnt den Fünf-Satz-Krimi gegen Nishikori spektakulär. (SRF/Tamedia-Webvideo)

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Das Profitennis der Männer ist üblicherweise berechenbar. Einige wenige Spieler pflegen die grossen Turniere zu ­dominieren. 2016 waren es vor allem zwei, die auch in der Weltrangliste in eigene Sphären entschwebten – Novak Djokovic und Andy Murray. In Melbourne ist 2017 aber für einmal alles anders, hat sich eines der überraschungsreichsten Majorturniere entwickelt.

Wer ­vorausgesagt hätte, beim ersten Höhepunkt des Jahres würden die zuletzt körperlich angeschlagenen Rückkehrer Roger ­Federer und Rafael Nadal in den Viertelfinals stehen, nicht aber Murray und Djokovic, wäre schräg angeschaut worden. Genau dies ist aber eingetroffen, nachdem Federer den Japaner Kei Nishikori in fünf Sätzen niederkämpfte und Murray an ­Mischa Zverev scheiterte. ­Dieser steht im Gegensatz zum zehn Jahre jüngeren Bruder Alexander, der an Nadal scheiterte, im Herbst der Karriere.

Murrays Bezwinger ist aber immer noch sechs Jahre jünger als Federer, der mit 35 ½ der älteste Grand-Slam-Viertelfinalist seit Jimmy Connors 1991 geworden ist, in Melbourne sogar seit Arthur Ashe 1978. Dass er bei seinem Comeback gleich seinen 49. Major-Viertelfinal erreichen und damit seinen Rekord ausbauen würde, kommt angesichts seiner Pause und der harten Auslosung sehr überraschend – auch wenn der Sieg über Nishikori nach der fulminanten Steigerung gegen Tomas Berdych von vielen schon erwartet worden war.

Beide spielen top

Federer ist morgen gegen Zverev, gegen den er 2:0 führt und in Halle 2013 in 39 Minuten 6:0, 6:0 gewann, klarer Favorit. Und da sich auch Stan Wawrinka gegen Andreas Seppi letztlich sicher durchsetzte und seiner Topform weiter sehr nahe ist, wäre es eine kleine Enttäuschung, sollte es nicht zu einer neuen helvetischen Tennis-Sternstunde kommen – einem Grand-Slam-Halb­final unter Schweizern. Es wäre der zweite nach dem US Open 2015, wo ­Federer das Duell klar gewann.

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So weit voraus schaut aber noch keiner der beiden. Er wisse inzwischen, wie man Grand-Slam-Turniere gewinne, sagte Wawrinka – und es wäre ein grosser Fehler, schon daran zu denken, dass in Halbfinal und Final nicht Murray oder Djokovic warten würden. Aber auch er geht als Favorit in seinen Viertelfinal gegen Jo-Wilfried Tsonga, hat spielerisch mehr Potenzial als der Franzose.

Federer erinnert derweil schon wieder an seine besten Jahre und glänzt aus allen Lagen. Im Wissen, lange gefehlt und wenig Matchpraxis zu haben, wirkt er so konzentriert und aufmerksam wie lange nicht mehr. Seine Automatismen und sein Selbstvertrauen kehren aber schnell zurück. Er erinnert an einen Fisch, der nach langer Zeit wieder zurück ins Wasser kommt – und darob umso lebendiger, aber auch etwas auf­geregt wirkt. Nicht einfach ist die veränderte Situation aber auch für Gegner wie Berdych und Nishikori, die nun erstmals besser klassiert sind als Federer – der zudem vom Publikum stärker unterstützt wird als die australischen Spieler, wie ­lokale Journalisten verblüfft festhalten.

Federer: 1 Sieg für die Top 20

Federer spiele und serviere noch immer sehr gut und aggressiv, es gebe da kaum einen Unterschied zu früher, sagte Ni­shi­kori, der sich an Hüfte und Rücken ­behandeln lassen musste. Noch gegen Berdych hatte der Mann, der am längsten die Nummer 1 war (302 Wochen), gegen den Fall aus den Top 30 kämpfen müssen. Nach dem 25. Sieg im 45. Fünfsätzer (mehr bestritt keiner) fehlt ­Federer nun noch ein Sieg, und er hätte sich in den Top 20 behauptet.

Murray und Djokovic verpassten derweil erstmals seit 2007 gemeinsam die Viertelfinals eines Majors. ­Damals scheiterten sie in Melbourne im Achtelfinal – der Serbe an ­Federer, der Schotte an ­Nadal. Lange ists her.

Erstellt: 22.01.2017, 23:19 Uhr

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