Die Zukunft wurde aufgehalten

Belinda Bencic verlor gegen die 17 Jahre ältere Venus Williams am US Open auch das 4. Duell ohne Satzgewinn.

Ein warmer Händedruck nach dem klaren Verdikt: Belinda Bencic (18) beglückwünscht Venus Williams (35). Foto Matthew Stockman (Getty Images)

Ein warmer Händedruck nach dem klaren Verdikt: Belinda Bencic (18) beglückwünscht Venus Williams (35). Foto Matthew Stockman (Getty Images)

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Es war das Spiel zwischen der jüngsten und der ältesten verbliebenen Spielerin am US Open, eine Begegnung zwischen der Vergangenheit und dem, was viele als Zukunft des Frauentennis sehen. Das Verdikt war eindeutig: Nach 78 Minuten hatte die 18-jährige Belinda Bencic auch die vierte Begegnung mit der 35-jährigen Venus Williams verloren, wieder in zwei Sätzen, diesmal 3:6, 4:6.

«Sie liess mir einfach keine Zeit, spielte zu schnell und schlug zu gut auf», sagte Bencic. «Sie war heute zu stark für mich. An guten Tagen zeigt sie eben ­immer noch, weshalb sie die Nummer 1 war.» Wer die Weltrangliste nicht kannte, hätte wohl angenommen, dass Williams die besser Klassierte sein musste. Die Nummer 23 spielte gegen die Nummer 12 jene Qualitäten aus, die ihr 45 Titel eingebracht haben, davon 7 an Grand Slams. Mit ihrer Power liess sie die junge Strategin nicht ins Spiel kommen. Der kapitale Unterschied war der Aufschlag. Williams’ erste Bälle waren mit 175 km/h durchschnittlich 27 km/h schneller als jene von Bencic, die beim Return sichtlich überfordert war. Williams schlug doppelt so viele Winner wie unerzwungene Fehler (31/15), während bei der Verliererin diese Bilanz ausgeglichen ausging (12/12).

Die Chance im 2. Satz

Die Teenagerin konnte der US-Open- Siegerin von 2000/01 nur ein Aufschlagspiel abnehmen, worauf sie im 2. Satz 4:1 in Führung ging. «Da war sie auf Kurs», sagte ihr Vater Ivan. «Sie wurde in den Ballwechseln immer stärker, ähnlich wie in Toronto gegen Serena. Leider hat sie es aber nicht durchziehen können. Ein dritter Satz wäre offen gewesen».

Bencic verlor an diesem schwülwarmen Mittag im Ashe-Stadion die letzten fünf Games. Das dritte und letzte Break schenkte sie der Amerikanerin mit drei direkten Fehlern in Folge. Sie muss damit nach ihrem Höhenflug von Toronto und Cincinnati, wo sie acht Top-Spielerinnen in Serie schlug, wieder einen kleinen Rückschlag verarbeiten – wobei sie diese Niederlage selber nicht als solchen einstuft. «Es war einfach schade, dass ich schon in Runde 3 auf sie traf. Irgendwie ist das Resultat verständlich.»

Die letztjährige Viertelfinalistin wird voraussichtlich auf Rang 14 abrutschen, hinter Timea Bacsinszky und Agnieszka Radwanska. Gegen Venus Williams darf sie aber immer noch verlieren, gerade in New York, wo die Amerikanerin grossen Support geniesst.

Bencic bestreitet nun noch das Mixed­turnier (mit Verdasco). Nach New York wird sie in Asien zu Turniere in Tokio, Wuhan, Peking und Tianjin an­treten. Weil sie im Herbst nur wenige Punkte verteidigen muss, hat sie weiterhin gute Chancen, sich noch dieses Jahr in die Top 10 vorzukämpfen. Als aktuelle Nummer 11 der Jahreswertung hat sie auch noch eine Aussenseiterchance, sich für das Jahresfinale der Top 8 in Singapur zu qualifizieren. «Wenn sich die Chance ergibt, möchte ich sie natürlich nützen. Aber eigentlich wäre das eher für das nächste Jahr ein Ziel», sagte sie.

Was ihr Benehmen betrifft, liess sie sich nichts mehr zu Schulden kommen. Sie warf nicht mit dem Schläger, schimpfte nicht, benahm sich vorbildlich. Die zwei Mal, die sie den Video­beweis aufrief, lag sie aber daneben. Gemäss Andreas Egli, dem Schweizer Supervisor in New York, wird sie auch nicht gebüsst für ihr grenzwertiges Verhalten im Spiel gegen Misaki Doi. «Sie wurde ja nicht verwarnt, das war alles gar nicht so schlimm», sagte er. Und dass jemand dem Schiedsrichter den Handschlag verweigere, sei auch nicht so selten. «Ich war lange selber Schiedsrichter, und eine Liste der Spieler, die mir die Hand nicht gaben, wäre ziemlich lange.»

Die Rache eines Refs

Eher ungewöhnlich aber ist, dass Egli als Ref einmal selber den Spielern das Shake­hands verweigerte; am US Open 2003, nach einer Partie zwischen Todd Martin und Juan-Carlos Ferrero. «Sie hatten mich beide so genervt, dass ich nach Spielende sofort verschwand. Als sie kamen, war der Stuhl schon leer.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.09.2015, 23:58 Uhr

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