«Djokovic ist eine Mauer»

Der siebenfache Grand-Slam-Sieger Mats Wilander sagt: Der Final wird für Federer noch härter als die Nadal-Partie.

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Wie gross ist der Unterschied für Federer, ob er wie im Wimbledon-Halbinal gegen Nadal oder nun im Final gegen Djokovic spielen muss?
Riesig. Was mir für ihn Sorgen macht: Es ist für ihn gegen Djokovic nicht so natürlich zu wählen, wann er den Ballwechsel beschleunigen soll und wann nicht. Nadal lässt ihm da mehr Möglichkeiten, er gibt ihm mehr Öffnungen. Djokovic aber macht den Court so klein... Es ist nicht so offensichtlich zu erkennen, wo man ihn angreifen soll, weil er überall zu sein scheint. Djokovic ist eine Mauer. Und in dieser Mauer gibt es keine Löcher. Im Gegensatz zu Nadal, da gibt es für Federer Löcher.

Wie stark fanden Sie Djokovic in Wimbledon bisher?
Schwer zu sagen, wo er steht, weil er in diesem Turnier noch nie richtig bedrängt wurde. Ist er besser als das, was er bisher gezeigt hat? Wenn sich Djokovic nicht steigert, wird Federer gewinnen. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass er das tut. Er wird besser spielen. Ich denke, er spielt stets so gut, wie er spielen muss.

Ist er Minimalist?
Das zeigte er im Halbfinal gegen Bautista Agut nach dem verlorenen zweiten Satz. Oder auch gegen Goffin. Es war, als ob er sich jeweils sagte: «Oh, ich habe ein Problem? Dann schalte ich halt einen Gang höher und laufe davon!»

Wie kann Federer gewinnen?
Vieles hängt von seinem Aufschlag ab. Ich war überrascht, wie viele Gratispunkte er damit gegen Nadal bekam. Er wird auch gegen Djokovic viele Aufschlagwinner schlagen. Das Problem ist nur: Wenn Novak an den Ball kommt, bringt er ihn meistens sehr gut zurück. So gut, dass du mit dem zweiten Schlag nicht gleich den Punkt machen kannst. Gegen ihn wird man deshalb Rogers Lieblingskombination – Aufschlag gefolgt von einem Vorhandwinner – nicht so oft sehen. Wenn Djokovic mit dem Return den Ball zurückbringen kann, neutralisiert er den Ballwechsel sehr oft sogleich. Gegen Nadal bist du nach dem Aufschlag im Vorteil, aber daraus muss du auch etwas machen. Sonst dauert es einen oder zwei Schläge, und der Ballwechsel ist neutral. So war es früher auch bei Agassi.

Wie gefiel Ihnen Federer gegen Nadal?
Er spielte grossartig. Ich glaube nicht, dass er viel besser spielen kann. Nadal dachte allerdings nach dem zweiten Satz, er könne gewinnen, indem er Sandplatztennis spielt. Ich hatte erwartet, dass er schneller spielen würde. Der zweite Satz (6:1) war zu einfach für Nadal. Gegen Ende dieses Satzes bemühte sich Roger aber nicht einmal mehr, einen Punkt zu machen. Und Rafa dachte, nun habe er den Match im Sack. Das war taktisch brillant von Roger! Er schien zu sagen: Du kannst den Satz haben, kein Problem! Und dann hob er sein Niveau wieder an, und Rafa war verblüfft.

Teilen Sie die Meinung, dass dieses Endspiel für die Tennisgeschichte von grosser Bedeutung ist?
Sicherlich. Aber ich denke, dieser Final ist wichtiger für Federer als für Djokovic. Wegen seines Alters. Und weil er Djokovic bremsen muss. Aber die Partie dürfte offener sein als viele andere Endspiele zwischen ihnen, die Djokovic gewann.

Was ist anders als 2014 und 15, als Federer ihm in drei Grand-Slam-Endspielen unterlag?
Federer ist ein besserer Spieler als damals. Und ich habe das Gefühl, dass es ihm wichtiger ist, wie er spielt, als ob er gewinnt. Das liebe ich an ihm. Er sagt sich: So will ich spielen, darum geht es mir.

Für ihn ist also – um mit Konfuzius zu sprechen – der Weg das Ziel?
Genau. Und das Beste für ihn ist, dass er gegen Djokovic die Slice-Rückhand einsetzen und mit ihr im Ballwechsel bleiben kann. Gegen Nadal mit seiner Vorhand ist das viel schwieriger. Federer muss also nicht immer auf das Gaspedal treten, er kann zwischendurch auch etwas defensiver spielen, so für drei, vier Ballwechsel. Auch deshalb, weil der Ballabsprung auf dem Rasen tiefer ist als auf Hartplatz. Dort kannst du das nicht tun gegen Djokovic. Aber auf Rasen geht das.

Wer ist denn nun Ihr Favorit?
Djokovic – aber nur leicht. 51:49 Prozent, würde ich sagen.

Erstellt: 14.07.2019, 09:15 Uhr

Mats Wilander

Der 54-jährige Mats Wilander hat in seiner Karriere 33 Titel gewonnen, davon sieben Grand Slams. Seit 2006 ist der Schwede TV-Experte bei Eurosport.

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