Djokovic über Federer: «Schwierig, Freunde zu sein»

Der Weltranglistenerste bemüht sich in Miami, die entstandenen Spannungen zwischen ihm und Roger Federer abzubauen. Dieser lenkt ein.

Nicht immer ganz klar ist das Verhältnis zwischen Novak Djokovic und Roger Federer. Foto: Imago

Nicht immer ganz klar ist das Verhältnis zwischen Novak Djokovic und Roger Federer. Foto: Imago

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Roger Federer und Novak Djokovic waren noch nie die besten Freunde. Sie sind, so viel beide auch gewonnen haben, nicht einmal die grössten Rivalen. Obwohl der Serbe schon 15 Grand-Slam-Pokale erobert hat und die klare Nummer 1 ist, steht er in punkto Erfolgen und Popularität immer noch hinter dem Schweizer (20 Majors) und dessen hartnäckigstem Herausforderer Rafael Nadal (17) zurück. Vielleicht liegt darin die Wurzel des Übels.

Inzwischen ist Djokovic Präsident des ATP-Spielerrats, die klare Nummer 1 und gilt als treibende Kraft bei der Abwahl des beliebten ATP-Präsidenten Chris Kermode, die Anfang Monat in Indian Wells beschlossen wurde. Weil sich am kalifornischen Masters-Turnier Federer und Nadal eher hinter Kermode stellten und bemängelten, sie seien gar nicht konsultiert worden, entstand eine Kluft zwischen ihnen und Djokovic, der beteuert, nur das Beste für die Spieler zu wollen.

Während Nadal in Miami aufgrund einer Knieverletzung fehlt, bemühten sich Federer und Djokovic am Mittwoch im Süden Floridas vor den Medien auffallend, die Wogen zu glätten. Der Schweizer hatte in Kalifornien versucht, mit Djokovic persönlich zu sprechen. Das scheiterte am Terminplan des Serben, was Federer als «hart zu verstehen», aber doch nachvollziehbar taxiert hatte. Nachdem Djokovic in Indian Wells früh an Kohlschreiber gescheitert war, klagte er in einem Instagram-Post, er habe sich zu sehr ablenken lassen und seine Routine vernachlässigt.

Unter dem Mikroskop

Dies könne er nachvollziehen, sagt Federer in Miami. Er hegt gegenüber Djokovic keinen Groll. «In unser Verhältnis wird sehr viel hineininterpretiert. Und ich verstehe, dass er in Indian Wells abgelenkt gewesen sein soll. Das war ich als Präsident des ATP-Spielerrats gelegentlich auch. Wenn du von sechs bis elf Uhr abends Meetings hast, ist das keine so ideale Vorbereitung auf ein Turnier, wie wenn du am Pool liegst und dann entspannt etwas essen gehst.»


Bilder: Djokovic auf der Anklagebank


Federer glaubt, dass die Beziehung zwischen ihm und Djokovic teilweise falsch dargestellt wird. «Wenn man immer unter dem Mikroskop lebt wie er oder ich, kann man nicht alles richtig machen und hat nicht für alles Zeit.» Ihr jüngstes Treffen, am Mittwoch bei der Einweihung der Tennisanlage im Hardrock-Stadion von Miami, sei positiv gewesen. «Wir redeten normal miteinander, gaben uns die Hand. Ich sehe nicht, dass es hier ein Problem gäbe.» Wichtig sei, dass das Wohl der Tennistour im Mittelpunkt stehe. «Aber es ist schwierig, das Richtige zu tun. Jeder hat eigene Ansichten.»

Genug Energien verpufft

Er jage Djokovic auch nicht hinterher, sagt Federer. «Aber was ich immer noch gerne wissen würde: Was ist seine Vorstellung von einer perfekten Tour? Wenn er einmal Zeit hat, kann er mir das sagen.» Sonst könne er diese Informationen aber auch auf anderem Weg besorgen, «denn es ist nicht einfach, ihn zu erwischen». Aufgrund der Erkenntnisse von Indian Wells wolle Djokovic wohl nicht noch weitere Energien mit diesem Thema verpuffen, so Federer.

Djokovic zeigte sich in Miami bemüht, gegenüber Federer und Nadal besänftigende Töne anzuschlagen. Auf die Frage dieser Zeitung, ob seine Beziehung zum Schweizer nach Indian Wells gelitten habe und Spannungen spürbar seien, sagte er: «Nein. Ich traf ihn eben an der Eröffnungsfeier auf dem Court, und wir hatten ein normales Gespräch. Wir hatten zwar keine Zeit, über politische Dinge zu diskutieren, aber hoffentlich finden wir diese in den nächsten Tagen noch.» Federer und Nadal seien «seit Jahren Ikonen für unseren Sport, und ihre Meinung ist für alle wichtig».

Der Weltranglistenerste und Gewinner der letzten drei Grand-Slam-Turniere bat dann auch die Medienvertreter in Miami um Fairness: «Es ist nicht nötig, Spannungen oder Entzweiung zwischen uns zu kreieren. Im Gegenteil: Ich habe eine gute Beziehung mit beiden (Federer und Nadal). Wir respektieren uns, obwohl wir Rivalen sind und es deshalb schwierig ist, Freunde zu sein.» Und überhaupt, er begrüsse die Meinungsvielfalt im Tennis. Wobei böse Zungen sofort lästerten: solange sich die seinige durchsetzt.

Erstellt: 22.03.2019, 11:10 Uhr

Artikel zum Thema

Djokovic gibt Federer Mitschuld am frühen Aus

In Miami spricht Novak Djokovic über Unstimmigkeiten mit Roger Federer. Mehr...

Djokovic verliert erst die Nerven, dann das Spiel

Video Die Weltnummer 1 scheitert in Indian Wells überraschend gegen den Deutschen Kohlschreiber. Mehr...

«Djokovic hatte leider keine Zeit für mich»

Roger Federer äussert sich in Indian Wells erstmals über den Abgang von ATP-Chef Chris Kermode. Und verrät Erstaunliches. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...