«Am Schluss tat er mir ein wenig leid»

Roger Federer überzeugt am Australian Open weiterhin. In der 2. Runde bezwang der Weltranglisten-Dritte den Serben Filip Krajinovic in etwas mehr als eineinhalb Stunden 6:1, 6:4, 6:1.

Der entscheidende Punkt: Roger Federer schlägt Filip Krajinovic problemlos. (Video: SRF)

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Wie im Startspiel gegen Steve Johnson legte Federer unter dem geschlossenen Dach der Rod Laver Arena einen Blitzstart hin. Nach 15 Minuten stand es 5:0, fünf Minuten später war der erste Satz im Trockenen. Auch im zweiten Durchgang startete Federer wie die Feuerwehr und hatte früh Chancen zum Doppelbreak und der 4:1-Führung. Doch dann fand der Serbe, der sich bis dahin eigentlich gar nicht so viel vorzuwerfen hatte, immer besser ins Spiel und schaffte schliesslich sogar das Rebreak zum 4:4. Mit zwei leichten Fehlern – einem Smash und einem Volley – hatte er dann erheblichen Anteil, dass Federer umgehend das 5:4 gelang. Krajinovic wusste um die Wichtigkeit jenes Moments und zertrümmerte beim Seitenwechsel ein Racket. Wenige Minuten später war auch der zweite Satz in trockenen Tüchern.

Vor zwölf Jahren hatte Federer am Australian Open gegen Krajinovics Coach Janko Tipsarevic einen Marathon bestreiten müssen und letztlich erst 10:8 im fünften Satz gewonnen. Im Vergleich zu jenem Tag 2008 gab es aber zwei Unterschiede: Federer laborierte nicht am Pfeifferschen Drüsenfieber, und sein Gegner Krajinovic hatte tags zuvor einen Marathon bestritten, der nach knapp vier Stunden endete, während Federer spielfrei war. Im dritten Satz liess sich der Serbe denn auch am Schlagarm behandeln und nahm ein medizinisches Time-out. Bald darauf war die Partie nach einem Vorhand-Kracher Federers beendet.

Als nächster Gegner wartet ein Australier

Die Adelung erfolgte bald darauf im Platzinterview durch John McEnroe: «Ich habe dich in den letzten 20 Jahren oft gesehen, aber die Leistung heute Abend war schlicht phänomenal.» Federer konterte zum Altmeister: «Meinst du das wirklich?» Und fuhr seriöser fort: «Ich bin wirklich zufrieden, es ist ein toller Start in die Saison bis jetzt. Ich bin entspannt und froh, dass sich das harte Training ausbezahlt hat.» Am Schluss habe er sogar ein wenig Mitleid mit seinem Gegner gehabt, gab er zu: «Bei 5:1 und 40:0 sagte ich mir, es sei schon nicht ganz fair, dass er gestern dreieinhalb Stunden spielen musste und ich frei hatte.»

Immer noch fit: Roger Federer präsentierte sich auch heute in einer starken Verfassung. (Video: SRF)

Nächster Gegner Federers ist am Freitag John Millman (ATP 47). Der 30-jährige Australier schaltete mit der Turniernummer 31 Hubert Hurkacz (POL) einen Gesetzten aus. Gegen den früheren Interclubspieler des TC Zug hat Federer zwar eine 2:1-Bilanz und auch den letzten Vergleich im Vorjahr auf dem Rasen von Halle gewonnen. Millman, dessen grösste Stärke die Konstanz ist, hat Federer aber auch eine der bittersten Niederlagen seiner Karriere zugefügt: 2018 gewann er im Achtelfinal des US Open in vier Sätzen, und es war einer der seltenen Fälle, wo Federer extrem mit der Hitze zu kämpfen hatte. «Ich bin damals fast ohnmächtig geworden, aber John ist aus Queensland, ihm machten diese Bedingungen nichts aus.»

«Ich habe enormen Respekt vor Millman», sagte Federer, «er ist einer der härtesten Arbeiter und ein super Typ. Vor solchen Jungs habe ich am meisten Respekt.»

Erstellt: 22.01.2020, 10:13 Uhr

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