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«Doping ist in unserem Sport kaum möglich»

Rafael Nadal ist überzeugt, dass der Tennissport vor allem durch die strikten Dopingtests rein geblieben ist. Ein anderer Star zeigt sich von diesen Regelungen jedoch nicht begeistert.

Nicola Ryser
Rafael Nadal sah sich in der Vergangenheit immer wieder mit Doping-Vorwürfen konfrontiert. Der Spanier wiederum ist sehr zufrieden mit der strengen Anti-Doping-Politik in seinem Sport und sieht darin die Gründe, warum es im Tennis noch keine grösseren Fälle gab.
Rafael Nadal sah sich in der Vergangenheit immer wieder mit Doping-Vorwürfen konfrontiert. Der Spanier wiederum ist sehr zufrieden mit der strengen Anti-Doping-Politik in seinem Sport und sieht darin die Gründe, warum es im Tennis noch keine grösseren Fälle gab.
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In vielen Sportarten ist Doping ein omnipräsentes Problem. Bei Wettkämpfen im Langlauf, in der Leichtathletik oder aktuell bei der Tour de France wird nach jeder überdurchschnittlichen Leistung ungläubig die Stirn gerunzelt, die Sauberkeit der Spitzenathleten angezweifelt. Die Anti-Doping-Agenturen kämpfen gegen dieses Image und für den reinen Sport. Folglich klopfen die Kontrolleure regelmässig und unangemeldet bei den Sportlern an der Tür, machen Blut- und Urin-Tests. Nur: Fälle wie Armstrong, Gatlin oder Johaug zeigen immer wieder, dass die Betrüger trotz strikter Doping-Politik einen Weg finden.

Tennis wiederum ist eine der wenigen Sportarten, die kaum von grösseren Dopinggeschichten geprägt war. Wenige Fälle sind aus jüngster Vergangenheit bekannt. Mariano Puerta beispielsweise, French-Open-Finalist von 2005, der positiv auf Etilefrin getestet und für zwei Jahre gesperrt wurde. Martina Hingis, die nach einem Verdacht auf Kokain-Doping sogleich ihren Rücktritt bekannt gab. Oder Maria Scharapowa im Frühling 2016, die aufgrund der missverständlichen Einnahme des Herz-Kreislauf-Mittels Meldonium für 15 Monate suspendiert wurde.

Es sind jedoch nur Nebengeräusche in der Tennisgeschichte. Demnach ist es nicht verwunderlich, dass die Erfolge von Stars wie Federer, Nadal, Djokovic und Co. im Vergleich zu anderen Spitzeleistungen in anderen Sportarten weniger angezweifelt werden.

«Wir müssen jeden Tag erreichbar sein»

Rafael Nadal, 17-facher Grand-Slam-Sieger, sieht denn auch klare Gründe, warum sein Sport vom Problem Doping verschont geblieben ist. «Wir müssen jeden Tag eine Stunde für Dopingtests erreichbar sein. 365 Tage im Jahr. Es ist ein äusserst strenges Protokoll», wird die aktuelle Weltnummer 1 auf «tennisnet.com» zitiert. Er referenziert dabei auf die Zusammenarbeit zwischen der ATP und den Anti-Doping-Agenturen. Im letzten Jahr wurden vom internationalen Tennisverband ITF über 6000 Blut- und Urintests durchgeführt. Im Vergleich zu anderen Sportarten sind diese Zahlen jedoch im normalen Bereich.

Folglich gibt es auch im Gentlemensport leise Stimmen, die vor allem den Spanier mit unerlaubten Mitteln in Verbindung bringen. Nadal hat zwar eine reine Weste, dennoch sehen die Kritiker in den zahlreichen Verletzungspausen, die der Mallorquiner während seiner Karriere hatte einlegen müssen, versteckte Dopingsperren, die der internationale Tennis-Verband jedoch nicht offen kommunizierte. Nadal dementierte jegliche Bezichtigungen. Er ist überzeugt, dass die Tennisverbände das Problem richtig angehen: «Vielleicht gibt es Vergehen bei kleineren Turnieren, aber nicht bei uns. Die ATP nimmt die Sache sehr ernst und macht einen tollen Job.» Es sei kaum möglich, zu dopen.

Unverhältnismässige Dopingkontrollen

Anders sieht Serena Williams die strikte Doping-Politik. Die 36-Jährige fühlt sich vor allem von der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada ungerecht behandelt. «Von allen Tennisspielern bin ich am häufigsten getestet worden. Diskriminierung? Ich denke schon», klagte Williams auf Twitter.

Bereits im Mai zeigte sich die 23-fache Grand-Slam-Siegerin verärgert ob der zahlreichen Besuche der Kontrolleure und gab sich schnippisch: «Selbst wenn ich die Weltnummer 454 bin, muss ich mich zweimal pro Woche einem Test unterziehen. Es gibt keinen Grund für solch invasive Kontrollen.» Ein weiterer Vorfall ereignete sich im Juni, als ein Tester unangemeldet Stunden vor dem vereinbarten Zeitfenster aufgetaucht war, worauf sich Williams bei der Anti-Doping-Agentur beschwerte. Sie fügte aber auch an, dass sie bereit sei, alles für einen sauberen Sport zu tun.

Die Besten werden am meisten getestet

Die Usada ist transparent mit ihren Zahlen, die Anzahl Dopingkontrollen der Spieler ist öffentlich zugänglich. Fakt ist: Tatsächlich wurde Williams von den Kontrolleuren der Usada in diesem Jahr bereits fünfmal getestet, so viel wie keine andere US-Spielerin. Was Williams jedoch wohl nicht mehr im Gedächtnis hat: In ihren erfolgreichsten Jahren, unter anderem 2007, 2009, 2010 und 2011, wurde die Amerikanerin nie von der Usada besucht.

Zudem werden wie in anderen Sportarten nun mal die Besten am häufigsten kontrolliert. Federer und Nadal stehen zumeist an der Spitze, wenn es um die Anzahl durchgeführter Dopingtests geht. Stuart Miller, Leiter des Anti-Doping-Programms, versteht zwar den Frust gewisser Spieler, sagt gegenüber ESPN aber auch: «Die Intention jeder Anti-Doping-Organisation ist, die Integrität des Sports, ihre Gesundheit und ihr Recht auf einen sauberen Wettkampf zu schützen.» Was bedeutet: Das Image des Tennissports ist (noch) rein. Das soll auch so bleiben.

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