Sticheleien vor dem Duell der Tennis-Diven

Bald gehts los, Glamour-Model trifft auf Frauenpower: Mit Maria Scharapowa und Serena Williams prallen am French Open zwei Welten aufeinander.

Ein Zweikampf, bei dem schon vor dem Spiel gebrüllt wird: Maria Scharapowa schreibt ein Buch, Serena Williams mag es nicht – und sagt das deutlich. Fotos: Getty Images

Ein Zweikampf, bei dem schon vor dem Spiel gebrüllt wird: Maria Scharapowa schreibt ein Buch, Serena Williams mag es nicht – und sagt das deutlich. Fotos: Getty Images

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Die eine stammt aus dem herunter­gekommenen Stadtteil Compton in Los Angeles. Die andere flüchtete wegen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl kurz nach der Geburt mit ihren Eltern von Weissrussland nach Sibirien, ehe sie, mausarm, nach Florida kam.

Das Tennis hat dafür gesorgt, dass sich die Wege von Serena Williams und Maria Scharapowa immer wieder kreuzen: Zum 22. Mal treffen die zwei grössten ­Figuren im Frauentennis heute in Roland Garros aufeinander – wobei die Russin im einseitigen Duell 2:19 zurückliegt, von der fünf Jahre älteren Amerikanerin aber doch in die Favoritenrolle geschoben wird. «Immerhin spielt sie schon wieder seit über einem Jahr, während ich erst zurückkomme.»

Das neuste Rendezvous (heute ab 13:40 Uhr) steht unter besonderen Vorzeichen. Denn seit dem letzten ist so viel passiert, dass zwischendurch bei jeder von ihnen unklar war, ob sie überhaupt noch einmal auf die Tennistour zurückkehren würde. Es war ein Viertelfinal am Australian Open 2016 – also an jenem Turnier, an dem Scharapowa positiv auf Meldonium ­getestet wurde und eine zweijährige Sperre erhielt. Später wurde die Strafe auf 15 Monate reduziert.

Bilder: Scharapowas Dopingaffäre

Seit April 2017 darf die während Jahren bestverdienende Athletin der Welt wieder spielen. Seither hat sie sich aus dem Nichts auf Rang 30 zurückgekämpft und ein kleineres Turnier in Tjanjin ­gewonnen. Die Krönung des Comebacks der fünffachen Grand-Slam-Siegerin war das aber noch nicht. Dazu sind ihre ­Ansprüche zu hoch. Immerhin heisst die kürzlich erschienene Biografie von ihr «Unstoppable» – unaufhaltsam.

Dieses Buch verleiht der heutigen Partie zusätzliche Brisanz, nachdem es Serena Williams am Samstag harsch ­kritisiert hat.

«Ich war überrascht, dass es darin so viel um mich geht», sagt die 36-Jährige, die ihr erstes Grand-Slam-Turnier als Mutter spielt. Zudem fühlt sie sich falsch dargestellt. Alles basiere auf Gerüchten. «Ich hatte nicht gewusst, dass sie so sehr zu mir hochblickt und sich so stark um meine Karriere kümmert.»

Erfolg als Inspiration

Scharapowa stellt im Buch die These auf, dass ihr Sieg über Serena Williams im Wimbledonfinal 2004 der Auslöser dafür war, dass die Amerikanerin sie ­danach jahrelang dominierte und seit 2005 18 Duelle hintereinander gewann. Denn Williams habe es nicht ertragen, dass Scharapowa sie in der Garderobe weinend erlebt habe.

Gemäss der 23-fachen Grand-Slam-Siegerin ist das Unsinn. «Ich weinte schon oft nach Niederlagen, und ich habe auch schon viele Spielerinnen weinen sehen», kommentierte sie. Dennoch sei sie enttäuscht gewesen, dies zu ­lesen, weil solche Dinge nicht an die Öffentlichkeit gehörten, schon gar nicht negativ gefärbt. «Ich habe gegenüber Maria keine negativen Gefühle. Und ich war eine der wenigen, die während ihres Dopingfalls zu ihr hielten.» Und überhaupt: «Ich finde, Frauen sollten sich gegenseitig unterstützen und einander ermutigen. Der Erfolg einer Frau sollte für eine andere zur Inspiration werden.»

«Serena hat mich inspiriert»

Nach dem Sieg über Karolina Pliskova, die Nummer 6, fand Scharapowa zumindest öffentlich nur nette Worte für Williams. «Sie hat mich sehr inspiriert. Und trotz der schlechten Bilanz gegen sie freue ich mich darauf, auf den Court zu kommen und gegen die Beste anzutreten.» Als sie nach dem grossen Einfluss gefragt wurde, den sie beide auch ausserhalb der Tennisszene erlangt hätten, etwa als Werbeträgerinnen, Ikonen oder Geschäftsfrauen – bemerkte sie, dass bei beiden harte Arbeit an der ­Basis stehe. Dabei repräsentieren sie völlig ­andere Welten: Scharapowa ist zum unnahbaren Glamour-Model der High Society geworden, das auf alle und alles hinunterblickt.

Williams steht für Frauenpower, für die afroamerikanische Emanzipationsbewegung, für die Selbstbehauptung von Frauen, die aus sozial schwierigen Verhältnissen stammen und sich – auch was das Aussehen betrifft – nicht an vorgegebenen Kategorien oder Massstäben orientieren wollen, sondern selbst-­bewusst eigene Wege gehen.

Das Baby geht vor

Zur Diva ist aber längst auch Williams geworden. Als sie nach dem Sieg über Julia Görges zum Interview kommt, hält sie zuerst fest, dass es – bitte sehr – schnell gehen müsse. «Ich muss zurück zu ­meinem Baby, es ist noch wach.» Auch Williams gehört inzwischen zur High ­Society, sie war mit ihrem Ehemann ­Alexis Ohanian, einem erfolgreichen Internet-Unternehmer, kürzlich auch Gast an der Vermählung von Prinz Harry und Meghan Markle.

Als Tennisspielerinnen aber haben Maria Scharapowa und Serena Williams ihre Urinstinkte beide behalten, ihren unbändigen Kampfgeist und unbedingten Siegeswillen. Es wird jedenfalls laut werden auf dem Court.

Erstellt: 04.06.2018, 11:52 Uhr

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