Dunkle Seiten

Maria Scharapowas Büsser-Look oder warum wir vielleicht doch alle krank sind.

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Also auch sie!, sagt Luca und legt die Zeitung im Bistro zur Seite.

Wer?, fragt Bruno, er war am Abend zuvor im Kino gewesen, hatte die neuesten Nachrichten aus der Welt nicht mitbekommen und möchte jetzt eigentlich lieber über die Verfilmung des Martin-Suter-Buchs «Die dunkle Seite des Mondes» reden. Von wem redest du denn?

Auch sie hat genommen – wie so viele andere auch, sagt Luca, was und wem sollen wir im Sport noch glauben können? Er ist nun einmal einfach verseucht.

Was? Wer? Bruno macht eine Pause, schaut ungläubig zu Luca: Lara Gut, sie? Auch sie? Und er schüttelt sofort den Kopf: Nein, sie sicher nicht! Undenkbar! Aber sag, von wem redest du?, fragt er.

Von ihr natürlich, der Tennis-Queen, Maria Scharapowa, sagt Luca. Und wiederholt, was er in der Zeitung gelesen hat. Sie habe sich bei ihrer Pressekonferenz in einem kleinen Hotel in Downtown Los Angeles, als sie reuig gestanden habe, bewusst demütig und treuherzig gezeigt.

Darf sie das nicht?, fragt Bruno. Ist ja irgendwie auch sympathisch von ihr.

Das war doch nicht Scharapowa, sagt Luca, sie tritt sonst überall glamourös auf. Als eine Frau, die perfekt gestylt ist und sich als Stil-Ikone präsentiert, sie ist nicht nur Tennisspielern, sondern auch Model. Erst kürzlich, da gab es doch diese Bilder von der Oscar-Party in Hollywood, zusammen mit Roger Federer.

Ja, und?, sagt Bruno.

Bei dieser Beichte-Pressekonferenz in Los Angeles sei sie kaum geschminkt gewesen, habe eine einfache schwarze Bluse angezogen, die Haare seien zerzaust gewesen, ihr Gang wacklig, zittrig die Stimme, von einem Büsser-Look stand in der Zeitung, sagt Luca.

Das kann doch auch für sie sprechen, sagt Bruno. Sie weiss, dass sie einen grossen Fehler gemacht hat und zeigt sich nun auch entsprechend. Es wäre unpassend gewesen, wenn sie aufgetreten wäre, als würde sie gleich über einen Laufsteg gehen. Dann hätte man sie dafür kritisiert.

Da stecken nur PR-Berater dahinter, sagt Luca, die Amerikaner haben es gerne, wenn jemand, der gefallen ist, sich so präsentiert. Alles sei doch Masche und Strategie, es wirke nur inszeniert. Ein Schauspiel.

Selbst ihr Auftreten wird nun gegen sie verwendet, und alle fallen offenbar über sie her, sagt Bruno.

Glaubst du ernsthaft, sie habe während vieler Jahre ein Herzmedikament nehmen müssen, ohne herzkrank zu sein?, fragt Luca. Du bist doch sonst auch nicht so naiv, nur im Sport glaubst du immer wieder an das Gute. Die Sportwelt ist herzkrank, das habe er irgendwo gelesen, und so ist es.

Wir haben doch alle unsere dunkle Seite, sagt Bruno und spricht jetzt doch über die Verfilmung des Suter-Buchs, in dem ein erfolgreicher Wirtschafts­anwalt mit dem Leben nicht mehr zurechtkommt und dessen Persönlichkeit sich völlig verändert, nachdem er halluzinogene Pilze konsumiert hat.

Ich sehe keinen Zusammenhang, sagt Luca.

Pilze als Droge, sich in einen Rausch zu versetzen, um der Realität zu ent­fliehen, und dieses Medikament, sagt Bruno, wie heisst es schon wieder . . .

. . . Meldonium . . .

. . . um im Rausch zu glauben, besser und stärker zu sein. Sind wir alle krank?

Die Nachfrage nach Meldonium sei bei den Hobbysportlern grösser geworden, sagt Luca.

Erstellt: 15.03.2016, 08:26 Uhr

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