«Ich hoffe, dass ich das French Open spielen kann»

Grosser Sieg in Melbourne - und nun? Roger Federers 2017-Pläne und wo er sich Chancen für Major-19 ausrechnet.

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Roger Federer hat nur wenig Verspätung, als er am Montagnachmittag im Melbourner Park Carlton Gardens zum traditionellen Medientermin des Australian-Open-Champions erscheint. Gegen 200 TV-Leute, Fotografen, Journalisten, Fans und Passanten bilden einen Halbkreis, und als er hineinschreitet, klicken die Fotoapparate und Handys. Dann stellt sich Federer nochmals den Fragen der internationalen und Schweizer Medien.

Major-Titel Nummer 19
«Eher Wimbledon als Paris»
«In Wimbledon habe ich eher die grösseren Chancen als in Roland Garros. Ich habe jetzt einen Monat Zeit, und darüber bin ich froh. Der Körper braucht ­Erholung. Es geht nun zurück in die Schweiz. Ich werde mindestens eine ­Woche freinehmen, um zu sehen, wie ich mich fühle. Erst danach plane ich die weiteren Schritte. Meine nächsten Turniere sind Dubai, Indian Wells und Miami. Die Sandplatzsaison habe ich noch nicht durchgeplant, das werde ich wahrscheinlich im März tun. Klar ist, dass ich auf Rasen Stuttgart, Halle und Wimbledon spiele. Ich hoffe, dass ich dieses Jahr das French Open wieder spielen kann. Am US Open sollte ich auch eine Chance haben, gut abzuschneiden. Aber lassen Sie mich zuerst das hier etwas geniessen.»

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Wieviele Major-Titel hat Federer am Ende seiner Karriere?





Die Frühform
«Keine so grosse Überraschung»
«Ich hätte nie gedacht, dass ich am Australian Open schon wieder in Topform sein würde. Vor dem Turnier hätte ich die Viertelfinals als grossartiges Resultat angesehen. Ich dachte, ich könnte eventuell einem Topspieler gefährlich werden, vielleicht einen schlagen, und das wäre es dann wohl. Aber wenn ich daran denke, wie ich im Dezember in Dubai spielte, mit Lucas Pouille und anderen, da spielte ich über weite Strecken so gut, dass es vielleicht doch keine so grosse Überraschung mehr ist. Damals gewann ich 10, 20 Sätze in Serie im Training. ­Obschon, in der Regel messe ich dem Training keine so grosse Bedeutung zu. Ich möchte da mehr herausfinden, was funktioniert und was nicht.»

Die Siegesfeier
«Der ganze Druck schwand»
«Wir begannen erst spät zu feiern. Ich ging nicht mehr zurück ins Zimmer, sondern mit der Tennistasche direkt in den Club. Wir waren in einer Bar, eine private Gruppe mit Freunden und Familie. Ich wusste gar nicht, wo es hingeht. Es war alles organisiert von Tony (Godsick) und Mirka. Wir hatten einen DJ, dem wir sagen konnten, welche Musik wir gerne hätten. Es ging etwa um 3 Uhr morgens los, und erst bei Sonnenaufgang kamen wir nach Hause, so um halb sieben. Es war schön, die Sonne über Melbourne aufsteigen zu sehen. Es waren zwei spezielle Wochen, und sie endeten grossartig. Alle waren so gut gelaunt bei der Feier, wir blödelten miteinander, hatten Spass, der ganze Druck schwand.»

Video – Federer schaut nach kurzer Nacht zurück:

Die Kinder
«Spielsachen im Pokal»
«Das war mein erster Grand-Slam-Titel mit den Buben, die waren 2012 ja noch nicht auf der Welt. Sie schliefen, als ich gewann. Mit den Mädchen hatte ich nach dem Match noch kurz Kontakt über Facetime. Aber ich sah sie dann erst am Morgen wieder, als wir zurückkehrten. Sofort war das erste Mädchen wach und dann schon ein Bub. Wir sagten: «Oh Gott, wollt ihr nicht noch etwas schlafen?» Aber es war schön, dass ich diese Zeit kurz hatte, mit allen. Sie fragten, was auf dem Pokal alles drauf ist, dann schaute ich ihn erstmals genau an und erklärte es ihnen. Die Buben haben dann gleich Spielsachen in den Pokal gelegt, die Mädchen begannen, ihn zu putzen. (lacht) Die Girls waren so aufgeregt, als sie die Trophäe sahen. Vielleicht vergessen sie eines Tages wieder, was passiert ist. Aber sie waren einfach glücklich, dass alle so gut aufgelegt waren.»

Die Ehefrau
«Passen sehr gut zusammen»
«Mirka war schon bei mir, als ich noch keinen Titel hatte, und sie ist 89 Titel später immer noch da. Sie spielte dabei stets eine wichtige Rolle – sie weiss es, ich weiss es, alle wissen es. Heute ist sie in erster Linie Mutter und meine Frau und erst später eine Supporterin. Sie ist in den Hintergrund getreten, nachdem sie bis 2003, 2004 stark involviert war in meine Arbeit mit den Medien, im Auge des Sturms. Mir gefiel ihre Rolle ­irgendwann nicht mehr, weil sie zu oft Absagen erteilen musste und einen schlechten Ruf erhielt. Ich kann den ­Medien aber keinen Vorwurf machen. Mirka war auch froh, als sie diese Aufgabe abgab. Ich bin einfach glücklich, dass sie meine Frau und erste Supporterin ist und mir immer die Wahrheit sagt. Wir passen sehr gut zusammen.»

Der Final
«Das Ausmass überraschte»
«Es ist super speziell, Nadal in einem Final zu schlagen. Ich wusste schon, dass es ein grosser Match sein würde. Aber das Ausmass überraschte mich dann doch. Es ist unglaublich, wie gross der Rummel danach war. Ich habe schon viele Grand Slams gewonnen, aber ich habe das Gefühl, jedes Mal wird er grösser. Ich musste einige Highlights schauen, um mich zu erinnern, wie eng der Final gewesen war. Um alle Emotionen nochmals zu erleben. Was mich am glücklichsten macht, sind die Momente, in denen ich sehe, wie sich meine Freunde, meine Familie und meine Betreuer freuten, wie sie feierten. Das machte es sehr emotionell.»

Video – ein unglaubliches Comeback im 5. Satz.

So gewann Federer das Finale gegen Nadal. SRF/Tamedia

Fotostrecke – Federers Meisterwerk in Bildern:

Der Körper
«Ich kann mich kaum bücken»
«Ich bin sehr müde, die Beine schmerzen wie verrückt. Vor allem die Oberschenkel. Ich kann mich zudem kaum mehr bücken. Beim operierten linken Knie muss ich ohnehin aufpassen. Ich kann es nicht richtig biegen. Vielleicht habe ich einfach Angst davor. Mein ­Rücken ist steif, weil ich ihn noch nicht behandeln liess. Zudem tanzte ich noch. Es sollte aber weiter nichts Schlimmes sein. In einer Woche dürfte der grösste Schmerz weg sein. Ob ich ein guter Tänzer bin? Da müssen sie andere Fragen. Ich denke, ich bin ein Spasstänzer.»

Die Reaktionen
«Du spielst nicht nur für dich»
«Ich bekam unheimlich viele Mitteilungen. Einige las ich morgens um acht, vor dem Schlafengehen, einige danach. Aber ich habe noch nicht viele beantwortet. Ich spüre eine grosse Zufriedenheit bei vielen. Ich habe den Eindruck, dass viele den Match sahen, er lief ja auch zu einer guten Zeit. Wenn ich sehe, wie froh die Leute wegen mir sind, ­bewegt mich, dass ich gewonnen habe. Es ist wie bei der Musik: Du versuchst, den Leuten Freude zu bereiten. Du spielst nicht nur für dich. Darum geht es am Ende auch.»

Erstellt: 31.01.2017, 09:25 Uhr

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