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Ein Kreis schliesst sich mit dem Triumph in Lille

Beim Davis-Cup-Finale kam fast alles anders, als zu erwarten war. Wie in einem allzu kitschigen Film.

Plötzlich fügten sich alle Puzzleteile zusammen: Stan Wawrinka, Roger Federer und Captain Severin Lüthi bei der Siegerehrung. (23. November 2014)
Plötzlich fügten sich alle Puzzleteile zusammen: Stan Wawrinka, Roger Federer und Captain Severin Lüthi bei der Siegerehrung. (23. November 2014)
Philippe Huguen, AFP

Roger Federer und Stan Wawrinka machten die kleine Alpen­nation mit einem überraschend klaren 3:1 in Lille zur 14. Siegernation im Davis-Cup, dem grössten jährlich stattfindenden Teamwettbewerb, an dem dieses Jahr 122 Nationen teilnahmen. Es ist der bedeutendste und meistbeachtete Titelgewinn einer Schweizer Mannschaft überhaupt – und der erste in einer Sportart, die weltweit derart verbreitet ist.

Heiter und vergnügt: Roger Federer erklärt die Grosstat.

Mit dem Triumph von Lille schliesst sich für das Schweizer Tennis und auch für Federer ein Kreis. Hier hatte er als 15-jähriger Junior sein erstes Turnier gewonnen, hier füllte er nun die letzte grosse Lücke in seinem reich bestückten Trophäenschrank. In den Jahren dazwischen wuchs an seiner Seite ein zweiter schweizerischer Ausnahmekönner heran, der dieses sporthistorische Ereignis erst möglich machte: Stan Wawrinka. Mit dem Gewinn der «Salatschüssel» setzen sie einer goldenen helvetischen Tennisära die Krone auf, die schon in den späten 70er-Jahren begonnen hatte.

Am Ziel: Die Schweizer stemmen im Konfettiregen den Davis Cup in die Höhe.
Am Ziel: Die Schweizer stemmen im Konfettiregen den Davis Cup in die Höhe.
AFP
Grosse Emotionen: Der Davis-Cup-Triumph ist für Roger Federer nach dem Matchball gegen Richard Gasquet.
Grosse Emotionen: Der Davis-Cup-Triumph ist für Roger Federer nach dem Matchball gegen Richard Gasquet.
Reuters
Fürs Fotoalbum: Federer posiert vor dem kapitalen Match mit seinem Gegner Gasquet.
Fürs Fotoalbum: Federer posiert vor dem kapitalen Match mit seinem Gegner Gasquet.
Keystone
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Die Schweiz verdiene diesen Titel, hatte der frühere Schweizer Olympiasieger Marc Rosset schon vor dem Endspiel gesagt, «er wäre eine Entschädigung für alles, was im Schweizer Tennis getan wurde, für Günthardt, für Hlasek, für Mezzadri und mich».

Wenn sogar der Präsident eine Träne verdrückt.

Das Märchen hatte seinen Anfang genommen, als Heinz Günthardt sich als Pionier auf den Weg ins Welttennis machte. Danach wurde es immer besser. Es kamen Hlasek und Rosset und ein erster verlorener Davis-Cup-Final 1992, es kamen Martina Hingis und Patty Schnyder und ein verlorener Fed-Cup-Final 1998. Dann kam Federer, dann Wawrinka, der sich Anfang Jahr in Melbourne zur allgemeinen ­Verblüffung – auch seiner eigenen – in den Kreis der Grand-Slam-Champions spielte.

Alles fügte sich zusammen

Die Schweiz verfügt mit den beiden Stars über die weltbeste Mannschaft, «das ist wie Neymar und Messi im gleichen Nationalteam», sagt Günthardt. Doch Federer/Wawrinka mussten sich den Sieg erdauern, erdulden, erleiden. Federers Davis-Cup-Karriere hatte schon vor 15 Jahren begonnen, jene Wawrinkas vor 10 Jahren. Der Lausanner hatte aber bis zu diesem Jahr noch keine Begegnung in der Weltgruppe gewonnen – nun gleich vier hintereinander. Wie von allein fügten sich plötzlich alle Puzzleteile zusammen, mit Startgegner Serbien, der ohne seinen Star Novak Djokovic antrat, gefolgt von zwei Heimspielen gegen die inferioren Gegner aus ­Kasachstan sowie Italien und einem Final, in dem plötzlich alles wundersam aufging.

Und dennoch kam in Lille fast alles anders, als zu erwarten war. Wie in einem allzu kitschigen Film hatten sich kurz zuvor die Ereignisse überstürzt, mit Wawrinkas herbstlicher Krise, mit dem heiss umkämpften «Bruderduell» im Halbfinal der World Tour Finals, das Wawrinka moralisch angeschlagen und Federer verletzt zurückliess und das zu einer kurzen, aber heftigen Krise zwischen den beiden führte.

Fast wundersam waren beide nun wieder gleichzeitig voll da, als es wirklich zählte, fast aus dem Nichts gewannen sie erstmals ein Doppel auf Sand und siegten erstmals nach vier Niederlagen Seite an Seite im Davis-Cup wieder. Wawrinka legte vor, zog Federer im Doppel mit und konnte danach zuschauen, wie dieser das Werk souverän vollendete.

Der lange, lange Weg zum helvetischen Tennis-Wunder: Lesen Sie im Multimedia-Special, was den Triumph beim Davis-Cup-Final erst möglich machte.

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