Eine fatale Rückhand und null Ausreden

Alles schien im 5. Satz für Stan Wawrinka zu sprechen, bis ihm ein verhängnisvoller Fehler unterlief. Nach dem Out fand er klare Worte.

«Ich kann doch nicht damit zufrieden sein, zwei Sätze gegen Roger gewonnen zu haben»: Stan Wawrinka. Foto: Scott Barbour (Getty)

«Ich kann doch nicht damit zufrieden sein, zwei Sätze gegen Roger gewonnen zu haben»: Stan Wawrinka. Foto: Scott Barbour (Getty)

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Vielleicht ist es ja ein gut gemeinter Versuch, ihn aufzumuntern. Doch er ist gnadenlos zum Scheitern verurteilt. Als Stan Wawrinka in der Medienkonferenz gefragt wird, ob er wenigstens damit zufrieden sei, dass er gegen Roger Federer so gut abgeschnitten habe wie noch nie auf schnellen Plätzen, muss der Romand zuerst leer schlucken. Und dann die letzten Kräfte mobilisieren, die ihm nach dem mehr als dreistündigen Abnützungskampf noch geblieben sind.

«Ich weiss nicht, was ich antworten soll», sagt er, bemüht, die Contenance nicht zu verlieren, «ich kann doch nicht damit zufrieden sein, zwei Sätze gegen Roger gewonnen zu haben. Ich habe gerade einen Fünfsatzmatch im Halbfinal des Australian Open verloren.» Ein respektables Resultat, ja, aber beim nach Novak Djokovic zweitbesten Grand-Slam-Spieler der letzten drei Jahre sind die Ansprüche mittlerweile höher.

Dabei schien er warmgelaufen

Die Niederlage sei nicht zwingend ­gewesen, hätte er anfügen können, und kaum jemand hätte ihm widersprochen. Im fünften Satz schien sogar fast alles für seinen ersten Sieg im 14. Duell auf Hartplätzen zu sprechen. Nachdem er ein Zweisatzdefizit korrigiert hatte, war «Marathon-Stan» wie schon oft nach Startschwierigkeiten warmgelaufen, ja, er schien seinen Landsmann zu zermürben. Er hatte Oberwasser an der Grundlinie, diktierte die Mehrheit der Rallys. Und Federer bekundete bei seinen ­Servicegames Mühe, wie in den beiden Sätzen zuvor, von seiner Souveränität der letzten dreieinhalb Partien war nichts mehr zu spüren.

Einen ersten Breakball wehrte der Baselbieter bei 1:1 noch stark ab, beim zweiten brauchte er zwei Games später den unfreiwilligen Support Wawrinkas. Der Weltranglisten-Vierte setzte eine machbare Rückhand ins Netz, nachdem er nicht optimal zum Ball gestanden war. Ein Punktverlust, der ihn drei Games und den Sieg kosten sollte. Erst bei 2:5 fing er sich. Zu spät. Jene verpasste Möglichkeit im fünften Game wollte er aber nicht als vorentscheidend bezeichnen: «Ein Break zu jenem Zeitpunkt hätte nicht zwingend bedeutet, dass ich auch gewonnen hätte.»

Der Doppelfehler zum 2:4 wurde vom Publikum fast in Davis-Cup-Manier gefeiert – nicht gerade die feine Art für ein ­traditionsbewusstes Tennispublikum. Überbewerten wollte der Verlierer dies nicht, ihm war klar, dass die Sympathien einseitig verteilt sein würden. Obwohl er sich längst Anerkennung und Respekt verdient hat, weiss Wawrinka um den «Roger-Federer-Effekt», gegen den zunehmend ­jeder Spieler anzukämpfen hat: «Die Zuschauer haben Roger extrem vermisst und wollen ihn nun noch mehr sehen als sonst. Aber das war kein Problem. Im Gegenteil, es hat Spass gemacht, in der brechend vollen Arena bei dieser tollen Ambiance zu spielen.»

Die Tränen und das Timeout

Zwei Sätze lang hatte sich der Spass für ihn indes in Grenzen gehalten. Er vergoss sogar ein paar Tränen, als er den Platz für ein medizinisches Timeout verliess – aus Frustration und wegen der Schmerzen im Knie, das ihn seit Turnierbeginn limitierte und das er nach seiner Rückkehr in die Schweiz untersuchen lassen will.

Die kurze Pause verschaffte Linderung. Als Entschuldigung wollte er die Beschwerden nicht anführen: «Wir ­haben alle unsere Wehwehchen, Roger war heute auch angeschlagen.» Sicher hätten ihn die Knieprobleme im Turnierverlauf zusätzlich Energie gekostet, sagte Wawrinka. «Aber wenn ich auf den Platz gehe, bin ich davon überzeugt, dass ich meine Chancen wahrnehmen kann.»

Erstellt: 26.01.2017, 23:38 Uhr

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