Eine Marke für die Ewigkeit

Was Roger Federers 20. Grand-Slam-Titel nach dem Fünfsatzsieg über den phasenweise entfesselt spielenden Marin Cilic bedeutet.

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Mit seinem 20. Grand-Slam-Titel hat Roger Federer einen Meilenstein gesetzt, der alle seine bisherigen übertrifft, und es waren einige, in den bisherigen 19 Jahren seiner faszinierenden Karriere. Als er auf der Bühne erschienen war, stand dieser Rekord bei zwölf Titeln (Roy Emerson), ehe sie Pete Sampras auf 14 schraubte. Diese 14 schienen damals eine Vorgabe, die Jahrzehnte anhalten würde. Die Marke 20 haben bisher erst Frauen erreicht, Margaret Court, Serena Williams und Steffi Graf.

Federer war der erste, der über 300 Wochen lang die Weltrangliste anführte, doch selbst dieser Rekord verblasst nun angesichts seiner 20 Majortitel. Diese Zahl ist umso unfassbarer, als sich die meisten – und vielleicht sogar auch er – nach seiner vierjährigen Dürreperiode schon darauf eingestellt hatten, dass er mit 17 in Pension gehen würde – womit ihn Rafael Nadal, der letztes Jahr auch schon bei 16 angekommen ist, relativ einfach hätte abfangen können. Und eine Weile hatte es sogar danach ausgesehen, als ob Novak Djokovic sein gefährlichster Jäger werden könnte, ehe der Serbe einbrach.

Mirakulöses Comeback

Den Knoten löste Federer mit seiner halbjährigen Auszeit, nach der er verjüngt zurückkam und mirakulös sein Comeback-Turnier gewann – das Australian Open 2017. Nur zwölf Monate sind seither vergangen, und seine Sammlung der Grand-Slam-Pokale vergrösserte sich von 17 auf 20. Eine Entwicklung, die wohl selbst seine glühendsten Fans nicht für möglich gehalten hätten.

Video: Federers Tränen

Nach seinem Sieg gegen Marin Cilic im Final des Australian Open kämpft Federer mit den Tränen. (Video: Tamedia/Australian Open TV)

Federers sechstem Melbourne-Titel, 14 Jahre nach seinem ersten, fehlte insofern das Märchenhafte, als dass er im Gegensatz zum vergangenen Jahr schon als klarer Favorit gestartet war. Während Murray weiterhin ausfällt, Wawrinka und Djokovic noch nicht in Bestform sind nach ihren Verletzungen und sich Nadal ein neues Leiden zuzog, spazierte Federer gleichsam durch sein 72. Grand-Slam-Turnier und konnte vor dem Final festhalten, so gut habe er sich noch nie gefühlt vor einem dieser grossen Endspiele.

Und doch hatte dieser Titelkampf für ihn Tücken, wurde er doch noch vor einen harten Test gestellt – oder besser: vor eine doppelte Prüfung. Nach dem schnellen Startsatz, in dem Cilic gar nicht präsent war, holte sich dieser den Schwung zurück und gewann mit etwas Wettkampfglück und ein, zwei kapitalen Fehlern Federers den Satzausgleich.

Cilic phasenweise wie entfesselt

Der 36-jährige Titelverteidiger wirkte etwas nervös in dieser Phase, angespannt, er schien sich des Atems der Tennisgeschichte bewusst, der ihm entgegenwehte. Der Kroate befreite sich derweil mit dem Satzausgleich und erinnerte plötzlich an jenen Mann, der Federer 2014 am US Open entzaubert und danach auch das Endspiel gewonnen hatte. Doch im dritten Satz zeigte Federer eine grosse Reaktion.

Und als er im vierten Satz zu Beginn dominierte, sogar einen Ball zum Doppelbreak (3:0) vergeben hatte, wähnte er sich schon auf auf den Champs-Elysées, der Zielgeraden. Als Cilic wie ein Schnellzug noch einmal heranbrauste, ihn überholte und stehen liess, vom 3:1 zum 3:6. Zum zweiten Mal war der Herausforderer wie entfesselt, zum zweiten Mal musste ihn Federer bändigen. Er schaffte es, mit seinem Mut, seiner Erfahrung, und ein wenig auch mit der Hilfe der Zuschauer, die im fünften Satz voll da waren, als er sie brauchte.

Australian Open war das 200. Grand-Slam-Turnier

Nach der Ehrenrunde zog er im Entscheidungssatz sogleich auf 3:0 davon, bog er noch einmal in die Zielgerade ein, und diesmal liess er sich nicht mehr abfangen. An deren Ende stand der 20. Titel, am 200. Grand-Slam-Turnier der 1968 begonnenen Profigeschichte. Allein zehn Prozent dieser Titel hat er geholt, Roger Federer. Es ist eine Marke für die Ewigkeit, auch wenn ihn ein anderer irgendwann übertreffen sollte. Die Chance, dass dies Nadal sein könnte, ist an diesem Sonntag einiges kleiner geworden.

Video: So holte Federer seinen 20. Grand-Slam-Titel

Die Highlights des Finalspiels gegen Cilic.

Erstellt: 28.01.2018, 13:01 Uhr

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