Erdrückende Dominanz

Novak Djokovic fehlt momentan ein echter Rivale.

Nun auf der Höhe von Legenden wie Björn Borg und Rod Laver: Novak Djokovic (28), der sagt, dass er derzeit das beste Tennis seiner Karriere spiele. Foto: Tyrone Siu (Reuters)

Nun auf der Höhe von Legenden wie Björn Borg und Rod Laver: Novak Djokovic (28), der sagt, dass er derzeit das beste Tennis seiner Karriere spiele. Foto: Tyrone Siu (Reuters)

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Das Australian Open brachte verschiedene Erkenntnisse und Bestätigungen. Etwa, dass das Duell Novak Djokovic gegen Andy Murray nicht aus der Tennishistorie herausragen wird. Zu ähnlich spielen die beiden, zu monoton sind dadurch die meisten Ball­wechsel. Und letztlich zu überlegen ist der Serbe, der den Schotten in elf der letzten zwölf Duelle besiegt hat.

Djokovic steht mit elf Grand-Slam-Titeln nun auf der Höhe von Björn Borg und Rod Laver, nur noch vier Spieler liegen in dieser Liste vor ihm: Roger Federer (17), Rafael Nadal und Pete Sampras (14) sowie Roy Emerson (12). Dem Serben gehört der Respekt und die Anerkennung, alle Aspekte seiner Karriere optimiert und sein Potenzial weitgehend ausgereizt zu haben. Doch er ist kein Champion der Massen, in der Beliebtheitsskala noch immer meilenweit entfernt von Nadal und Federer, deren Ära er beendet hat.

Seine Siegesserien liegen momentan wie eine Bedrohung über der Tenniswelt, weil sie ihr die Spannung rauben. Murray ist zwar die Nummer 2, aber zu unkonstant und mit fünf Finalniederlagen in Melbourne eine tragische Figur. Seine ewigen Selbstgespräche und sein stetes Hadern bringen ihm zudem kaum Sympathiepunkte.

Der «Nole-Slam» winkt

Bestätigt hat sich auch, dass von der jüngeren Generation noch immer keiner so weit ist, die Hierarchie durcheinanderzubringen. Milos Raonic hat sich zwar als Leader der Verfolgergruppe herausgestellt, aber ihm fehlt es noch an Routine und Erfahrung. Der Kanadier spielte zwar drei Sätze gegen Murray überlegen – wurde aber einmal mehr von einer Verletzung gebremst, was ihm zu denken geben müsste.

Djokovic kann nicht vorgeworfen werden, dass keiner mit ihm mithält. Das Tennis aber lebt von Rivalitäten. An Federer, der ihm nun viermal in Folge an Grand-Slam-Turnieren unterlegen ist, liegt es nicht mehr, ihn zu stoppen. Der Baselbieter wird im Sommer 35, er hat seine Schuldigkeit getan. Dennoch ist der Weltranglistendritte einer der wenigen, der den Serben bedrängen und gelegentlich schlagen kann. Wie Stan Wawrinka, sein einziger Bezwinger in Melbourne in den letzten sechs Jahren und an den letzten fünf Grand-Slam-Turnieren.

Das French Open wirft nun bereits seine Schatten voraus – mit der grossen Frage: Kann Djokovic auch dort erstmals siegen? Falls ja, wäre es der «Nole-Slam», hätte er vier Majortitel in Serie.

Erstellt: 31.01.2016, 22:45 Uhr

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