Erst Drama, dann Glückseligkeit

Eine Flut von Breaks, ein Disput mit dem Vater und eine angeschlagene Gegnerin: Der bislang grösste Final ihrer Karriere war für Belinda Bencic eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

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Belinda Bencic setzte sich im Endspiel des WTA-Premier-Turniers von Toronto in einem dramatischen Match gegen die Rumänin Simona Halep durch. Nach zwei Tiebreaks gab die Nummer 3 der Welt beim Stand von 3:0 für Bencic im dritten Satz auf. Damit krönte die Schweizerin eine grandiose Woche, in der sie mit Eugenie Bouchard, Caroline Wozniacki, Sabine Lisicki, Ana Ivanovic und Serena Williams zuvor schon fünf absolute Topspielerinnen geschlagen hatte. In der Weltrangliste bringt sie das auf Rang 12.

Der Verlauf des Finals war kurios. Im ersten Satz ging erst das sechste Game an die Aufschlägerin, in diesem Fall Bencic. Zuvor hatte Halep die beiden Servicedurchbrüche der Schweizerin jeweils mit einem Rebreak gekontert. Als sie 4:3 vorne lag, sah sich Bencic erneut zwei Breakbällen gegenüber. Den ersten bei 30:40 wehrte sie mit einer Reihe von druckvollen Vorhandschlägen ab, bei Vorteil Halep beging sie dann jedoch einen Doppelfehler.

Nervenflattern beim Seitenwechsel

Halep, die zuvor ungewohnt viele Fehler begangen hatte, ging im folgenden Aufschlagspiel 40:0 in Führung. Es schien, als habe sie nun die Kontrolle über die Partie gewonnen. Bencic aber kam noch einmal heran, wehrte vier Spielbälle ab und erarbeitete sich zwei Breakchancen. Erst nach zähem Ringen brachte Halep ihren Service durch.

Bencic, nun erstmals in Rückstand, stand die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Als ihr Vater Ivan auf den Platz kam, um sie während der kurzen Pause vor dem Seitenwechsel zu coachen, reagierte sie genervt und schien den Tränen nahe. Zurück auf dem Platz, buchte die Nummer 20 der Welt auch dank drei Fehlern von Halep gleichwohl das 5:5. Sie feierte es mit einem lauten Kampfschrei.

Die grosse Aufholjagd im Tiebreak

Bei 5:6 und nach einem Medical Timeout von Halep musste Bencic erneut gegen den Satzverlust servieren. Wieder zog sie den Kopf aus der Schlinge, es kam zum Tiebreak. Dort erarbeitete sich Halep mit ihrem geduldigen Spiel das erste Minibreak, das zweite schenkte ihr Benic mit einem leichten Fehler. Dann aber gewann die Aussenseiterin vier Punkte in Folge, bei 6:5 und Aufschlag Halep hatte sie Satzball. Diesen nutzte sie, und wieder kam der Kampfschrei.

Im zweiten Durchgang ging Bencic 2:0 in Führung. Halep, die wegen Schmerzen am Bein nicht mehr richtig rund lief, kam mit dem prompten Rebreak zurück ins Spiel, vereitelte dann eine Breakchance ihrer wieder nervöseren Gegnerin und glich zum 2:2 aus. Nachdem Bencic mit 3:2 vorgelegt hatte, liess sich die Rumänin erneut untersuchen, diesmal inklusive Blutdruckmessung.

Halep war nun sichtlich angeschlagen, konnte den Aufschlag nur noch ins Feld legen und kassierte das Break zum 2:4. Würde Bencic nun alles klar machen? Nein! Die notgedrungene Risikobereitschaft der Rumänin und ihre eigene Nervosität brockten der Schweizerin einen Serviceverlust ein. Statt 5:2 hiess es nur noch 4:3. Auf das neuerliche Bencic-Break zum 5:3 reagierte Halep mit noch mehr Risikobereitschaft und fast schon fatalistischem Spiel. Das trug ihr einen Servicedurchbruch zu null ein.

Bencic wirft Racket zu Boden und gibt 5:3 preis

Die physisch überlegene, aber mit den Nerven kämpfende Belinda Bencic rief wie schon im ersten Satz ihren Vater auf den Platz. Dieser riet ihr, wieder aggressiver zu spielen. Das gelang zunächst aber nicht – im Gegenteil. Halep brachte wohl auch zu ihrer eigenen Überraschung den Aufschlag durch. Kurz darauf besass sie die Chance zum 6:5 und nutzte diese auch. Die völlig verunsicherte Bencic warf entnervt das Racket auf den Boden, was ihr Pfiffe aus dem Publikum eintrug.

Mit Geduld und wiedergefundener Ruhe gelang ihr das 6:6. Zum zweiten Mal hiess es Tiebreak. Diesmal lief in der Kurzentscheidung alles für Halep. Sie zog schnell auf 6:2 davon, und sicherte sich schliesslich mit einem 7:4 den Satzausgleich. Kaum war der Durchgang vorbei, verliess die Rumänin den Platz, Bencic musste bereits zum dritten Mal lange warten. Das wirft die Frage auf, ob das Regelwerk einer angeschlagenen Spielerin nicht zu viel Freiraum lässt. Eines sei trotzdem festgehalten: Halep bediente sich – anders als Serena Williams im French-Open-Halbfinal gegen Timea Bacsinszky keiner Schauspieleinlagen.

«Ich bin überglücklich»

Im Entscheidungssatz zog Belinda Bencic mit zwei Breaks auf 3:0 davon. Halep, die gerade noch ein 0:40 in ein 40:40 verwandelt hatte, lief zur Schiedsrichterin und gab nach 2:28 Stunden Tennisdrama auf. Bencic brauchte mehrere Minuten, um zu fassen, dass sie nun wirklich ihren ersten WTA-Premier-Titel gewonnen hatte.

«Es tut mir sehr leid für Simona», sagte die Siegerin im Interview auf dem Court. «Ich hoffe, sie ist bis zum nächsten Turnier wieder fit. Ich bin überglücklich. Ein Sieg ist ein Sieg, und ich musste sehr hart kämpfen.» Der Match sei für sie sehr nervenaufreibend gewesen: «Es war eine mentale Schlacht.»

«Du hast einfach nicht aufgegeben und bist eine grossartige Kämpferin. Am Schluss konnte ich einfach nicht mehr», sagte Halep. Bencic ist die erste 18-Jährige seit 1999, die in Toronto triumphiert. Damals gelang dieser Coup ihrer Mentorin Martina Hingis, die nun im Publikum sass.

Erstellt: 16.08.2015, 21:54 Uhr

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