«Schade, wie schnell die Zeit verrinnt»

Welcher Final hat ihm 2015 am meisten Spass gemacht? Was ist das Ziel für 2016? Roger Federer antwortet.

«Die Startphase war entscheidend.» Roger Federer über den verlorenen Final gegen Novak Djokovic. Foto: Suzanne Plunkett/Reuters

«Die Startphase war entscheidend.» Roger Federer über den verlorenen Final gegen Novak Djokovic. Foto: Suzanne Plunkett/Reuters

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Was würden Sie anders tun, wenn Sie den Final nochmals spielen könnten?
Ich hätte gerne am Anfang besser serviert. Und Djokovic bei seinem zweiten Aufschlag mehr unter Druck gesetzt. Zudem traf ich oft falsche Entscheidungen. Ich forcierte, wenn ich auf sicher hätte spielen sollen. Und umgekehrt. Die Startphase war entscheidend. Es war bitter, dass ich nach sechs Games 2:4 zurücklag. Es war ausgeglichen gewesen, hätte auch 3:3 oder 4:2 stehen können. Dieser Vorsprung gab ­Djokovic ­Auftrieb, danach schwang er lockerer durch, spielte er besser. Er kann sehr gut mit Führungen umgehen. Deshalb war es ­fatal, dass ich den ersten Satz verlor.

Sie gaben in den drei grossen Finals 2015 gegen Djokovic den ersten Satz ab. Eine Frage des Selbstvertrauens?
Das kann schon sein. Es ist sicher ein Vorteil, dass er so entspannt ist in den wichtigen Momenten. Da verschlägt er kaum je, trifft er die Linie, während ich sie um zwei Zentimeter verpasse. Aber ich denke, sein Selbstvertrauen wird nie mehr so stark sein wie jetzt. Wir alle warten darauf, dass es ein bisschen sinkt. Aber wenn man ein solches Hoch hat wie er, muss man es ausnützen. Und das tut er gnadenlos.

Wo waren Sie am nächsten dran? In Wimbledon, am US Open oder hier?
Am US Open. Jener Match machte mir auch am meisten Spass, das Publikum war unglaublich. Es war extrem eng, ein paar Punkte entschieden. Wimbledon war schwierig mit der Regenunterbrechung. Ich habe sogar Mühe, mich zu erinnern, was da alles war. Aber am Anfang war es auch sehr knapp. Und wenn es wie hier nicht über drei Gewinnsätze geht, ist es mehr ein Sprint als ein Marathon. Wenn es nicht so gut läuft, ist ein solcher Match leider schnell vorbei.

Welche Bilanz ziehen Sie für 2015?
Es war ein sehr gutes Jahr. Schade, habe ich diese drei grossen Finals gegen Djokovic verloren. Trotzdem holte ich sechs Titel. Mir machen nicht nur die ­Erfolge Spass, sondern auch die Art und Weise, wie ich spiele. Und der Spass ist in ­meinem Alter sehr wichtig.

Hätten Sie früher gedacht, dass Sie mit 34 noch auf einem solchen Niveau spielen könnten?
Das war stets mein Ziel gewesen. Ich plante ja schon immer längerfristig. Manchmal denke ich, es ist schade, wie schnell die Zeit verrinnt. Schon wieder ist ein Jahr vorbei. Und je älter ich werde, desto weniger Zeit bleibt mir im Tennis. Das bedaure ich, denn ich spiele immer noch sehr gerne und habe das Gefühl, dass ich mich noch weiter­entwickle. Das habe ich in den letzten zwei Jahren mit Seve (Lüthi) und Stefan (Edberg) ja gezeigt.

2016 ist ein Olympiajahr. Hat Rio für Sie Priorität?
Ich würde nicht sagen, dass Olympia für mich erste Priorität geniesst. Aber ich habe mir noch gar nicht so viele Gedanken gemacht. Mein nächster Fokus gilt nun erst mal dem Australian Open, dann schaue ich weiter. Natürlich ­definiere ich drei, vier, fünf Turniere, die mir besonders wichtig sind. Aber im Moment schaue ich noch nicht weiter als bis ­Melbourne. (Aufgezeichnet: rst/sg.)

Erstellt: 23.11.2015, 08:58 Uhr

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