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Federer & Co wollen aufsteigen

Das Schweizer Davis-Cup-Team strebt an diesem Wochenende in Lausanne gegen Belgien den sofortigen Aufstieg in die Weltgruppe an.

Dank Roger Federer und Stanislas Wawrinka steigen die Spieler von Severin Lüthi als klare Favoriten in die Ausmarchung.

Wenn die Schweizer in Bestbesetzung antreten können, sind sie ohnehin nur schwer zu schlagen. Wenn man dazu noch den Moralschub durch den Gewinn des olympischen Doppel-Titels durch Federer/Wawrinka und des fünften US-Open-Titels durch Federer nimmt und den in der Romandie traditionell und in der mit 6237 Plätzen ausverkauften «Patinoire de Malley» speziell ausgeprägten Heimvorteil hinzufügt, dann ist nur ein Schluss möglich: Den Belgiern, deren bester Spieler Steve Darcis Platz 58 im ATP-Ranking belegt, dürfte kaum mehr als eine Komparsenrolle zufallen, obwohl ihr Kader vier Top-100-Spieler und einen ehemaligen Wimbledon-Halbfinalisten umfasst und gemäss Captain Julien Hoferlin «das beste aller Zeiten» ist.

Federers Bilanz

Federer, der seit Montag mit dem Team mittrainiert, darf seinem ersten Davis-Cup-Auftritt in der Schweiz seit September 2006 gelassen entgegensehen. Mit der in New York gezeigten Form und auf dem Indoor-Boden dürfte er in beiden Einzeln nur äussert schwer zu bezwingen sein. Wahrscheinlichste Gegner sind am Freitag der klein gewachsene aber umso talentiertere Olivier Rochus (1,67 m), mit dem Federer vor zehn Jahren das Junioren-Doppel in Wimbledon gewann, und am Sonntag Steve Darcis.

Auch die Bilanz gibt viel Anlass zur Zuversicht. Federer hat gegen die Belgier eine 15:1-Bilanz im Einzel herausgespielt. Er dürfte am Samstag auch im Doppel antreten, wobei die Schweiz hier vor einem «Luxusproblem» steht. Zur Auswahl als Partner Federers stehen Olympiasieger Wawrinka und die langjährige Davis-Cup-Doppelstütze Yves Allegro.

Wawrinkas Premiere

Wawrinka hat in letzter Zeit zwar viele Erfolge gefeiert, dürfte aber morgen Freitag dennoch mit erhöhtem Puls in der Heimstätte seines geliebten LHC, dem Leader der NLB-Meisterschaft, einlaufen. Für ihn handelt es sich um die Premiere in seinem Kanton, war er doch 2004 im Viertelfinal gegen Frankreich vom damaligen Captain Marc Rosset unverständlicherweise nicht nominiert worden.

Leise Fragezeichen stehen hinter Wawrinkas Formstand. Am US Open erreichte er zwar die Achtelfinals, war dort aber gegen Andy Murray chancenlos, nachdem er in der Runde zuvor den höchst bescheidenen Italiener Flavio Cipolla erst in extremis niedergerungen hatte. Mit Darcis, der in Memphis auf einer ähnlichen Unterlage triumphiert hatte, erwartet ihn wohl ein echter Prüfstein. Der 24-Jährige laborierte zuletzt allerdings an Rückenproblemen.

Malisse, das Fragezeichen

Das grösste Fragezeichen steht hinter Xavier Malisse. Der 28-Jährige, der nach internen Streitigkeiten seit April 2004 nicht mehr für sein Land gespielt hat, fühlt sich auf dem «Rebound Ace» normalerweise wohl. Normalerweise, weil Malisse wie kaum ein anderer auf der Tour gute mit schlechte Leistungen alterniert. Zuletzt zeigte der ehemalige Freund von Jennifer Capriati aber wieder Aufwärtstrend, nachdem ihn eine Verletzung am rechten Handgelenk weit zurückgeworfen hatte.

Obwohl Malisse schon länger nicht mehr regelmässig auf grossen Bühnen spielt, scheint er der gefährlichste Belgier. Captain Julien Hoferlin (der Privatcoach von Olivier Rochus) wird ihn aber wohl am Freitag schonen, damit er auch in einem allfälligen fünften Match gegen Wawrinka noch frisch wäre. Die Taktik der Belgier dürfte klar sein. Man will sich auf den Gewinn der beiden Einzel gegen Wawrinka und auf das Doppel konzentrieren. Im Doppel stehen Hoferlin mit Malisse/Olivier Rochus (Gewinner in Roland Garros 2004!) und Darcis/Olivier Rochus (Viertelfinalisten im French Open 2008) zwei interessante Alternativen zur Verfügung.

Gegen die Vergangenheit

Mit dem «Pflichtsieg» könnte das Schweizer Team nicht nur die Basis zu einem erfolgreichen 2009 auf höchster Ebene legen, sondern auch gleich die Erinnerungen an zwei schmerzhafte Niederlagen tilgen. 1999 ging im Weltgruppen-Viertelfinal der letzte Vergleich mit Belgien im schmucken Club Primrose in Brüssel 2:3 verloren. Teamleader Rosset war damals erkrankt, Lorenzo Manta auf Sand überfordert, und der blutjunge Federer verlor zwei Abnützungskämpfe gegen Christophe van Garsse und Malisse. «Ich habe keine guten Erinnerungen an jenen Match und habe lange auf diese Revanche gewartet», so Federer. Und im Vorjahr stieg die Schweiz erst nach der unglücklichen Niederlage in Tschechien ab. Allegro/Federer konnten damals im Doppel einen Matchball nicht nutzen.

si/fal

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