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Federer – der Sugar Ray Leonard des Tennis

Der Wimbledon-Halbfinal zwischen Roger Federer und Novak Djokovic ist für Andy Murray wie das Aufeinandertreffen zweier Box-Legenden.

Boxer-Vergleich: Roger Federer erinnert Andy Murray wegen seiner exzellenten Technik...
Boxer-Vergleich: Roger Federer erinnert Andy Murray wegen seiner exzellenten Technik...
Keystone
...und seiner Eleganz...
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an den grossen Kämpfer Roberto Duran.
an den grossen Kämpfer Roberto Duran.
Reuters
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Obwohl Andy Murray am Freitagnachmittag gegen Jo-Wilfried Tsonga die Chance hat, als erster Brite seit Henry Austin vor 74 Jahren ins Endspiel von Wimbledon einzuziehen, elektrisiert vor allem der andere Halbfinal die Massen: das Duell zwischen dem Weltranglistenersten Novak Djokovic und dem 16-fachen Grand-Slam-Champion Roger Federer, bei dem es auch um den Tennisthron geht. Wenn Federer gewinnt und sich am Sonntag im Final ebenfalls durchsetzt, führt er das ATP-Ranking ab dem kommenden Montag wieder an. Der Schweizer würde so den Rekord von Pete Sampras einstellen und kurz darauf mit der 287. Woche als Nummer 1 übertreffen.

Murray zog vor dem Showdown auf dem heiligen Rasen des All England Club einen interessanten Vergleich zum Boxsport. «Wenn Federer ein Boxer wäre, dann der für seinen Stil berühmte Sugar Ray Leonard», schreibt der britische Hoffnungsträger in seiner BBC-Kolumne. Djokovic vergleicht er derweil mit Roberto Duran, der im Boxring eine unvergleichliche Intensität an den Tag legte und in vier verschiedenen Gewichtsklassen Weltmeister wurde. Leonard gewann übrigens zwei von drei Fights gegen Duran – vielleicht ein gutes Omen für Federer, der seit dem Australian Open 2010 auf einen weiteren Major-Titel wartet und Djokovic zuletzt in den Halbfinals des French Open 2011 auf höchster Stufe bezwingen konnte.

Aggressivität wird belohnt

Sein Heil wird Federer in der Offensive suchen, und das mit gutem Grund. «Auf Gras ist das Verteidigen viel härter als auf jedem anderen Belag», weiss der sechsfache Wimbledonsieger. «Ich denke, es lohnt sich, näher an die Linien und viele Longlines zu spielen.» Zudem könnte der psychologische Vorteil trotz vier Niederlagen in den letzten fünf Major-Duellen mit Djokovic auf Federers Seite liegen.« Ich glaube ehrlich, dass ich auf dem Centre Court von Wimbledon mein bestes Tennis spielen kann. Es ist für mich eine Frage des Selbstvertrauens und eine Frage der Erfahrung auf Rasen. Ich denke, dass ich über hundert Rasen-Matches gespielt habe, also weiss ich, wie das funktioniert», so der Weltranglistendritte, der nach Wimbledon mindestens wieder die Nummer 2 sein wird. Wimbledon sei natürlich in den letzten Jahren langsamer geworden, der aggressive Spieler werde aber noch immer belohnt, wenn er den richtigen Ball spiele.

Trotzdem: Djokovic bleibt eine grosse Bedrohung, weil er längst nicht nur verteidigen kann, sondern während des Turniers vor allem mit seiner Vorhand die Bälle derart giftig ins gegnerische Feld peitschte, dass der dreifache Wimbledon-Champion Boris Becker am BBC-Mikrofon bekannte, er habe solche Schläge bei seinem Lieblingsturnier noch nie gesehen. Djokovic bemerkte, er habe sich in den letzten Jahren auf Rasen kontinuierlich verbessert und im vergangenen Jahr den Titel nicht umsonst gewonnen. Sein Selbstvertrauen sei ebenso stark wie im vergangenen Jahr, als er sich phasenweise unbesiegbar fühlte. Insgesamt ist der Serbe gegenüber Federer leicht zu favorisieren, wenn auch nicht so klar, wie das die Buchmacher tun, die Djokovic mit 15:10 und seinen Kontrahenten mit 25:10 notieren.

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