Roger Federer auf Kurs Richtung Nummer 1

Das traumhafte Comeback geht weiter: Nach dem Tiebreak-Thriller gegen Nick Kyrgios nun der erste Final in Miami seit 2006, wo es zum 37. Duell mit Nadal kommt.

Saisonbilanz 18:1: Keiner ist 2017 auch nur annähernd so erfolgreich wie Roger Federer.

Saisonbilanz 18:1: Keiner ist 2017 auch nur annähernd so erfolgreich wie Roger Federer. Bild: Keystone

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Die Kriminalserie «Miami Vice» hielt in den Achtzigern in 111 Episoden Fernsehzuschauer weltweit in Atem. Für Spannung, Drama und Action sorgen in der Metropole Südfloridas dieser Tage die Tennisprofis – und dabei allen voran Roger Federer, der einmal mehr die Hauptrolle übernommen hat.

Nachdem der 35-Jährige am Australian Open und in Indian Wells die zwei bislang grössten Titel der Saison gewann, steht er heute ab 19 Uhr MEZ auch am dritten grossen Event im Endspiel. Wie in Melbourne trifft er auch auf der Miami vorgelagerten Insel Key Biscayne auf Rafael Nadal, seinen treuen Rivalen.

«Ich hätte nie erwartet, hier so weit zu kommen. Aber noch muss ich in Nadal einen Berg überwinden, um den Titel zu holen», sagte Federer, nachdem er in der Nacht auf Samstag eine der intensivsten und spannendsten Partien seiner Karriere gewonnen hatte. 3:10 Stunden, drei Tiebreaks und 269 Punkte waren nötig, bis er den explosiven Australier Nick Kyrgios 7:6 (11:9), 6:7 (9:11), 7:6 (7:5) niedergerungen hatte. Mehr Punkte hatte er noch in keiner Dreisatzpartie bestritten – wobei das Verhältnis von 139:130 zeigt, dass sein Sieg doch eher gerecht war.

Sieg in drei Sätzen: Das sind die wichtigsten Ballwechsel des Spiels gegen Kyrgios. Video: Tamedia/AP

Federer und der 13 Jahre jüngere Heisssporn sorgten für spektakuläre Ballwechsel und eine Tollhaus-Stimmung unter den Fans, die fast geschlossen hinter dem Comebackstar standen. Dabei überschritten allerdings einige die Grenzen der Fairness.

Federer brauchte das nicht zu kümmern. Das Tennispublikum sei zwar gelegentlich etwas hart, «aber letztlich war die Atmosphäre im Stadion gut», sagte er. Seine Freude war überschäumend. Schon das zuvor einzige Duell mit Kyrgios war in drei Tiebreaksätzen entschieden worden, wobei er 2015 in Madrid trotz zwei Matchbällen verlor. Das gleiche Schicksal drohte ihm nun erneut; er vergab zwei Matchbälle im zweiten Satz, und im entscheidenden Tiebreak kam Kyrgios bei 5:4 zu zwei Aufschlägen. «Dank dem Gewinn des ersten Satzes blieb ich bis zuletzt zuversichtlich», sagte Federer. «Ich hatte auch erwartet, dass er etwas nachlässt, doch das traf nicht ein.»

Wie tags zuvor beim 6:2, 3:6, 7:6 gegen Tomas Berdych, der im Gegensatz zu Kyrgios sogar zu zwei Matchbällen gekommen war, unterlief Federers Gegner bei dessen letztem Aufschlag der Partie ein Doppelfehler. Er besiegelte danach den Finaleinzug mit einem Aufschlagwinner.

Federer hat den Schub, das Selbstvertrauen und die Lockerheit, die ihm der nie erwartete 18. Grand-Slam-Titel in Melbourne bescherten, in den USA bisher optimal umgesetzt. Sein letzter Final in Miami datiert aus dem Jahr 2006, als er zum zweiten Mal in Folge das Sunshine Double schaffte, wie in den USA der Gewinn der Turniere von Indian Wells und Miami im gleichen Jahr genannt wird. Dieser Erfolg ist seit 1991 immerhin sieben Spielern gelungen, Novak Djokovic sogar schon viermal, zuletzt dreimal in Serie. Er wirft 2000 ATP-Punkte ab – und damit gleich viel wie ein Grand-Slam-Titel.

Federers Erfolgschancen dürften gut stehen – sofern er sich von seinen Dreisätzern erholt und sein Niveau halten kann. Nadal hatte das leichtere Programm und gab zuletzt gegen Mahut, Sock und Fognini keinen Satz ab. Andererseits hat Federer die letzten drei Duelle mit seinem grössten Rivalen gewonnen, ihm zuletzt in Indian Wells keine Chance gelassen (6:2, 6:3) und auf 13:23 verkürzt. Bereits zwei der 36 Duelle fanden in Miami statt, und beide sind denkwürdig. Das erste gewann Nadal 2004 überraschend 6:3, 6:3 – als 17-jähriger Aussenseiter im ersten Duell mit der damaligen Nummer 1, die körperlich aber angeschlagen war. Das zweite fand ein Jahr später im Final statt, in dem Federer 2:6, 5:7, 1:4 zurückfiel, aber noch gewann.

Ein Saisonstart wie in seinen dominantesten Jahren

Sollte er heute den 26. Titel in der Masters-Serie feiern, würde er endgültig Kurs nehmen Richtung Nummer 1, die er bisher 302 Wochen lang innehielt. In der Weltrangliste wäre er dann wieder Vierter (sonst Fünfter) und hätte in den ersten drei Monaten 4045 Punkte gesammelt – 1810 mehr als Nadal, der erste Verfolger (Djokovic und Murray sind noch nicht einmal bei 1000 angelangt). Bei einer Niederlage läge der Mallorquiner, der seine vier Endspiele in Miami alle verloren hat, 1010 Punkte zurück. Federers Saisonbilanz steht inzwischen bei 18:1. Erst dreimal erreichte er bisher diese Marke – und stets beendete er das Jahr als Nummer 1 – 2004/05/06.

16 Jahre Tennis mit Nadal

Erstellt: 02.04.2017, 10:13 Uhr

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