Für Federer beginnt auf Sand alles wieder von vorne

Nach seinem 101. Turniersieg in Miami rückt beim Schweizer sofort der Wechsel des Belags in den Fokus.

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Wenn Roger Federer Anfang Mai in Madrid die Sandsaison in Angriff nimmt, liegt sein letzter Wettkampfeinsatz auf diesem Belag ziemlich genau drei Jahre zurück. Seit dem Italian Open 2016, wo er im zweiten Auftritt Dominic Thiem unterlag, mied er alle Sandturniere, das French Open bestritt er letztmals 2015.

Nach seinem vierten Turniersieg am Miami Open (nach 2005/06/17), seinem ersten in der Masters-Serie seit 18 Monaten (Shanghai 2017), war denn seine bevorstehende Rückkehr auf Sand auch bereits ein grosses Thema. Aber obwohl er der erste zweifache Turniersieger 2019 und der neue Leader der Jahreswertung ist, blickt der Weltranglistenvierte diesen Turnieren sehr vorsichtig entgegen.

«Ich gehe nicht sehr zuversichtlich in diese Sandsaison, das kann ich Ihnen sagen», überraschte Federer einen Fragesteller, der spekulierte, sein Selbstvertrauen müsse nun auch auf Sand riesig sein. «Ich weiss nicht einmal mehr richtig, wie man auf Sand rutscht, und muss mich langsam wieder herantasten.»

Seine letzte volle Sandsaison bestritt der fünffache French-Open-Finalist vor vier Jahren. 2016 trat er nach seiner Knieoperation in Monaco und Rom angeschlagen an. «2017 spielte ich noch zwei Tage auf Sand, letztes Jahr schlug ich darauf gar keinen Ball mehr. Ich weiss nicht, was mich erwartet. Ich beginne wieder von vorne, muss mir alles neu erarbeiten.»

Nur 2 Titel seit 2009

Wohin ihn die Sandsaison neben Madrid und Paris noch führen wird, bleibt unklar; am ehesten dürfte er nach dem spanischen auch das italienische Masters-Turnier in Rom bestreiten. Zu erwarten, Federer steige ambitions­los in diese Turniere, wäre aber falsch. «Ich hatte nie vor, entspannt in die Sandsaison zu gehen. Ich freue mich darauf und betrachte sie als Herausforderung, als guten Test.»

Er gönnt sich nun einige Tage Erholung, ehe er sich mit seinem Team der Vorbereitung widmet. Entgegenkommen könnte ihm, dass die Spielbedingungen bei seiner Rückkehr in der leichten Höhenlage von Madrid schneller sind als auf Meereshöhe. In der Caja mágica holte er 2012 einen seiner zwei Sandtitel seit dem French Open 2009 (neben Istanbul 2015), wobei der Sand damals für einmal blau war. «In Madrid werde ich mal sehen, was passiert. Das Ziel ist, für Paris bereit zu sein. Und ich hoffe, dass sich die Arbeit auch auf Rasen- und Hartplätzen auszahlen wird.»

Der unerwartete Sieg in Florida nehme ihm noch mehr Druck vor den Sandturnieren, glaubt Federer. «Wie ich in Miami spielte und mich bewegte, lässt mich daran glauben, dass ich körperlich bereit sein sollte. Wobei wir sehen werden, wie mein Körper reagieren wird.» Obwohl Federer seinen Australian-Open-Titel nicht verteidigen konnte, ist seine Matchbilanz mit 18:2 nun sogar besser als letztes Jahr zur gleichen Zeit. Damals war er mit 17 Siegen ins Jahr gestartet, hatte dann aber in Indian Wells im Final (Del Potro) und in Miami (Kokkinakis) zwei Partien in Folge verloren. Von den ATP-Punkten her war sein letztjähriger Saisonstart allerdings besser (2280 gegenüber 3110 Punkten). Danach hatte er damals aber elf Wochen pausiert, sich beim nächsten Turnier in Stuttgart an der Hand verletzt und die Saison mit einer doch leicht enttäuschenden 48:10-Bilanz abgeschlossen.


Bildstrecke: Alle Titel von Roger Federer


Dieses Jahr sei er nach der ­Finalniederlage in Indian Wells (gegen Thiem) weniger enttäuscht gewesen als 2018, als er gegen Del Potro drei Matchbälle vergeben hatte, sagte Federer am Sonntagabend. «Das hatte mich etwas Selbstvertrauen gekostet.» Am Miami Open sei er nun zwar im Startspiel gegen Radu Albot nahe an der Niederlage gestanden, sei sich aber danach sehr klar gewesen, was seine Spielweise betrifft. Gegen John Isner sei ihm dann beim 6:1, 6:4 die beste Partie des Turniers geglückt. «Es macht mich glücklich, im Final eine solche Leistung gezeigt zu haben, denn darauf arbeitest du immer hin.»


Video: Federer gewinnt sein 101. Turnier

Der Schweizer siegt im Finale von Miami gegen John Isner. (Video: SRF)


«Tückische Situation»

Dass der Titelverteidiger an stärker werdenden Schmerzen im linken Fuss litt, habe er zu verdrängen versucht. «Ich bemerkte, dass er ein Schmerzmittel nahm und im letzten Game sein Aufschlag langsamer wurde. Ich dachte, das sieht nicht gut aus für ihn, aber solche Situationen sind tückisch. Denn plötzlich könnte er wieder topfit sein.» Nach 1460 Partien auf der Profitour kann Federer inzwischen nicht mehr viel überraschen.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 01.04.2019, 21:08 Uhr

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