Federers Gänsehaut bei 110 Dezibel

Das Genfer Publikum schenkt dem Baselbieter im Match gegen Nick Kyrgios einen speziellen Moment.

Legende coacht Legende: Rafael Nadal gibt Roger Federer im Match gegen Nick Kyrgios Tipps. Video: Twitter/LaverCup

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Wer glaubte, Roger Federer habe in seiner langen Karriere alles erlebt, was ein Tennisspieler erleben kann, wurde in Genf eines Besseren belehrt. Mit welchem Enthusiasmus das Laver-Cup-Publikum bei der Sache ist, erstaunt selbst den 38-Jährigen, dem die Fans in jedem Stadion der Welt zu Füssen liegen.

In der hochklassigen Partie gegen den unberechenbaren und äusserst motivierten Nick Kyrgios brachte der Baselbieter die Halle mehrmals zum Beben. Nachdem er den Startsatz trotz 4:0-Führung im Tiebreak 6:7 verloren und den zweiten 7:5 gewonnen hatte, verzückte er die 17'000 Zuschauer im Match-Tiebreak (10:7) Mal für Mal. «Ich hatte Gänsehaut während der Partie. Es war extrem laut. Ich kann mich nicht erinnern, dass es auf der Tour jemals so laut war», sagte Federer.

Den Höhepunkt erreichte die Stimmung, als er im Match-Tiebreak bei 2:2 einen Stoppball erlief und mit einem Reflex am Netz den Punkt gewann. Die Palexpo kochte, das Messgerät zeigte bis zu 110 Dezibel an, was dem Wert an einem Rockkonzert entspricht. «Das war verrückt», sagte Federer.

Als er in seinem Gedächtnis nach Vergleichbarem kramte, fiel ihm einzig der Showkampf gegen Jo-Wilfried Tsonga im Dezember 2012 in Bogota ein. «Als ich dort den Platz betrat, wurde es so laut, dass ich Angst hatte. Das heute erinnerte mich daran.»

Die kolumbianischen Fans empfangen Federer in Bogota. (Video: Youtube)

Indem er auch in seinem fünften Laver-Cup-Einzel ungeschlagen blieb, brachte Federer das Team Europa 5:3 in Führung. Zuvor hatte Alexander Zverev gegen John Isner erstmals in diesem Wettbewerb ein Einzel verloren. Der US-Amerikaner hatte sich im Match-Tiebreak in einen Rausch gespielt und 6:7, 6:4, 10:1 gewonnen.

Nadal mit Sieg und Niederlage

Dass die Favoriten den abschliessenden Sonntag, an dem jeder Sieg drei Punkte wert ist, mit einem Polster in Angriff nehmen werden, verdanken sie nicht nur Federer, sondern auch Rafael Nadal. Der Spanier setzte sich gegen Milos Raonic nach anfänglichen Schwierigkeiten – er wehrte im ersten Durchgang acht Breakbälle ab – 6:3, 7:6 (7:1) durch und stellte auf 7:3. «Ich hatte sehr viel Glück im ersten Satz. Milos hätte es verdient gehabt, diesen zu gewinnen», sagte der 19-fache Major-Champion.

Nach seiner siegreichen Genfer Premiere verpasste es Nadal im Doppel an der Seite von Stefanos Tsitsipas, die Herausforderer weiter zu distanzieren. Die beiden unterlagen Kyrgios/Jack Sock 4:6, 6:3, 6:10. In der Gesamtabrechnung steht es vor dem abschliessenden Sonntag 7:5 für Europa.

Genf. Laver Cup. Zweiter Spieltag (2 Punkte pro Sieg): Team Europa - Team Welt 5:3 (Zwischenstand). - Alexander Zverev (GER) u. John Isner (USA) 7:6 (7:2), 4:6, 1:10. Roger Federer (SUI) s. Nick Kyrgios (AUS) 6:7 (5:7), 7:5, 10:7. Rafael Nadal (ESP) s. Milos Raonic (CAN) 6:3, 7:6 (7:1). Rafael Nadal/Stefanos Tsitsipas (ESP/GRE) u. Nick Kyrgios/Jack Sock (AUS/USA) 4:6, 6:3, 6:10. (kai)

Erstellt: 21.09.2019, 17:35 Uhr

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