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Federer darf seinen Kopf hoch halten

Obschon sein Traum vom Schweizer Final platzte, kann der 32-Jährige sehr viel Positives aus Melbourne mitnehmen.

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Ein Schweizer Endspiel am Australian Open – es war wohl zu schön, um wahr zu werden. Wir erlebten im Halbfinal zwischen den «ewigen» Rivalen Roger Federer und Rafael Nadal allzu viel davon, was wir schon kennen. Gegen den Linkshänder ist für Federer alles ein bisschen anders. Sein verzweifeltes Bemühen, die Ballwechsel zu verkürzen, den Weg ans Netz zu suchen und möglichst viele Variationen einzustreuen, war zwar zu erkennen. Aber der Spanier schaffte es, das Spiel je länger, desto mehr in die gewohnten Bahnen zu lenken mit langen Grundlinienduellen, in denen er klar im Vorteil ist. Im Viertelfinal gegen «Baby-Federer» Grigor Dimitrov hatte sich Nadal noch schwergetan und viele kurze Bälle gespielt, gegen das Original sah man ihn wieder in absoluter Bestform. Er trat wieder deutlich aggressiver auf und raubte dem Schweizer so Raum und Zeit, um sein Angriffsspiel durchzusetzen.

Auch Edbergs Ideen halfen nicht

Es war im elften Grand-Slam-Duell der beiden der neunte Sieg Nadals. Die einzigen Male, in denen sich Federer behauptete, waren in den Wimbledon-Finals von 2006 und 2007. Das stimmt, was dieses Matchup angeht, nicht gerade optimistisch. Doch Federer ist keiner, der sich entmutigen lässt. Keiner hat so viele Major-Endspiele gegen den gleichen Gegner verloren wie er gegen den Mallorquiner (fünf). Und trotzdem versucht er es immer wieder. In Melbourne musste Federer nun erfahren, dass Nadal sein Spiel auf Hartplatz weiterentwickelt hat, auf schnelleren Belägen angriffiger auftritt als früher. Dazu kommt, dass ihn der Schweizer stets zu seinen besten Leistungen inspiriert. «Kein Gegner löst bei mir so starke Gefühle aus wie Roger», sagte er diesmal im Platzinterview. Die Freude, mit der er zu den Spielen gegen Federer auf den Platz läuft, ist nicht gegenseitig. Denn keiner versteht es so gut, das Spiel des Schweizers zu zerstören, wie Nadal. Daran änderten auch die Ideen des neuen Federer-Coachs Stefan Edberg nichts.

Federer so fit wie nie im vergangenen Jahr

Trotzdem darf, ja sollte der Baselbieter das Australian Open hoch erhobenen Hauptes verlassen. Die intensiven Trainingsblöcke in der Winterpause haben sich für ihn ausbezahlt, er wirkt so fit wie nie im vergangenen, für ihn so frustrierenden Jahr. Und ans neue Racket mit grösserem Schlägerkopf hat er sich erstaunlich schnell gewöhnt. Jeden anderen Gegner als Nadal hätte er am Yarra River wohl geschlagen. Mit anderen Worten: Federer ist zurück und hat nun die Gewissheit, dass sein Weg stimmt. Er ist gar nicht mehr so weit entfernt von der Form, die ihn 2012 zurück an die Weltspitze brachte. Damals, daran sei erinnert, profitierte er ja auch davon, dass Nadal die Saison nach Wimbledon wegen seiner Knieprobleme frühzeitig abbrechen musste.

2013 war Federer in Roland Garros, Wimbledon und am US Open nicht einmal so weit gekommen, um einen der «grossen vier» zu fordern. In Melbourne schlug er Andy Murray und spürte wieder einmal, wie es ist, gegen einen Nadal in Bestform zu spielen. Das gibt Mumm für die nächsten Monate und die europäischen Grand Slams, insbesondere für Wimbledon, wo er im Vergleich zu Nadal, Murray und Novak Djokovic wohl immer noch die besten Karten hat. Die allgemein anerkannte Auffassung ist, dass Federer noch so lange aktiv bleibt, wie er um die grossen Titel mitspielt. Und in dieser Hinsicht war das Australian Open ein klarer Schritt nach vorne.

Weiterträumen dank Wawrinka

Sein Aus bedeutet, dass er erstmals seit Anfang 2001 nicht mehr die Schweizer Nummer 1 ist, von Stanislas Wawrinka im Ranking überholt wird. Doch das dürfte ihn nicht gross stören, ist er doch einer, der sich von Herzen freut über den Exploit seines Freundes. Federer pflegt zu sagen, dass ihn der Rest des Turniers nicht mehr interessiere, wenn er ausgeschieden sei. Das dürfte diesmal anders sein. Nicht nur wegen seines Rekords an Grand-Slam-Titeln (17), dem Nadal, der im Final gegen Wawrinka nach seiner 14. Major-Krone greift, immer näher rückt, wird er am Sonntag zu einem, der seine Leidenschaft für einmal als Fan auslebt. Ein Schweizer Major-Final? Dieser Traum erfüllte sich in Melbourne nicht. Trotzdem darf man, dank Wawrinka, weiterträumen.

Erstellt: 24.01.2014, 13:29 Uhr

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