Federer dreht die Wimbledon-Zeit zurück

Nach der grandiosen Leistung gegen Andy Murray stehen seine Chancen auf den 18. Grand-Slam-Titel viel besser als vor einem Jahr. Auch wenn wie 2014 wieder Novak Djokovic wartet.

Nun gegen Djokovic: Roger Federer braucht noch ein Sieg zum 18. Grand-Slam-Titel.

Nun gegen Djokovic: Roger Federer braucht noch ein Sieg zum 18. Grand-Slam-Titel. Bild: Keystone

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Roger Federer fügt seiner Wimbledon-Karriere ein weiteres märchenhaftes Kapitel an und steht am Sonntag zum 10. Mal im Endspiel, nach einer atemraubenden Vorstellung gegen Andy Murray. Schlägt er in der Reprise des Vorjahresfinals und im Duell der Nummern 1 und 2 auch Novak Djokovic, ist er der erste achtfache Wimbledon-Champion.

Der Baselbieter machte es sich dieses Jahr keineswegs einfach. Obwohl fast 34-jährig, kam er mit dem erklärten Ziel nach London SW 19, diesen Titel noch einmal zu gewinnen. Damit lud er sich zusätzlichen Druck auf. Umso erstaunlicher ist, mit welcher Souveränität er in den Final vorgestossen ist. Das Duell mit Murray war vielleicht das beste, das sich die beiden bisher geliefert haben. Der Schotte verteidigte sich mit grosser Klasse und unermüdlichem Kampfgeist, Federer attackierte ihn ohne Ende – und schlug dabei Winner, die selbst die Tennislegenden auf der Tribüne und an den Mikrofonen sprachlos werden liessen. Zudem schlug er vielleicht besser auf denn je gegen den Schotten.

Seine Chancen, doch noch einen 18. Grand-Slam-Titel zu holen (es wäre der erste seit Wimbledon 2012), dürften nun wesentlich grösser sein als vor zwölf Monaten. Damals konnte er sich gegen Djokovic zwar in einen fünften Satz retten, doch er war nicht bereit für die Trophäe, nach einer durchzogenen Saison 2013, einem Racketwechsel und mit geschwundenem Selbstvertrauen. Inzwischen hat er dieses mit vielen Erfolgen und Turniersiegen neu aufgebaut, er hat seine Rückenprobleme und das Racket in den Griff bekommen und – mit der Hilfe von Stefan Edberg – den Weg ans Netz zurückgefunden. Das macht ihn, gerade in Wimbledon, viel unberechenbarer als in den Jahren zuvor. Doch Federer scheint mehr zu wollen, als Gegner und Tennisbälle zu kontrollieren: Er kämpft, je länger je mehr, auch gegen einen unsichtbaren Widersacher: die Zeit. Und auch das tut er auf bewundernswerte Weise. Wären da nicht die fortschreitenden Geheimratsecken auf seiner Stirn, könnte man glauben, sich in den Zeiten seiner grössten Dominanz zu befinden, die doch schon fast zehn Jahre zurückliegen. Die Art, auf die er bisher durch sein Lieblingsturnier gestürmt ist, legt die Vermutung nahe, dass selbst dieser – letztlich unbesiegbare – Gegner vor ihm teilweise kapituliert. An diesem sonnigen Sommerabend jedenfalls schien die Zeit in Wimbledon still zu stehen, ja sogar die Vergangenheit noch einmal aufzuleben.

Erstellt: 10.07.2015, 19:42 Uhr

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