Federer freut sich auf sein Pariser Rendez-vous mit Nadal

Der 37-Jährige schlägt Stan Wawrinka in vier engen Sätzen und fordert am Freitag im Halbfinal seinen Erzrivalen.

Im Schweizer Duell mit Stan Wawrinka behält Roger Federer die Oberhand. (Video: SRF)

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Als sich Stan Wawrinka aufmachte, den Court Suzanne Lenglen zu verlassen, schallten ohren­betäubende «Roger, Roger»-Sprechchöre durch die Arena. Der Stadionspeaker erfasste die Situation blitzschnell und forderte die Zuschauer zu einem Abschiedsapplaus für Wawrinka auf. Sie gehorchten und unterbrachen ihre Federer-Huldigungen kurz. Der verschwitzte Vaudois winkte dankbar in die Runde und klopfte sich ein letztes Mal aufs Herz, ehe er vom Schlund der Kabinengänge verschluckt wurde.

Wawrinka darf, wenn die erste Enttäuschung verdaut ist, mit guten Gefühlen auf Roland Garros 2019 zurückblicken. Hier fand er wieder zu seinem Topniveau, und hier wurde er, wieder einmal der erfolgreichste frankophone Spieler, vom Publikum frenetisch unterstützt. Doch im Schweizer Viertelfinal war es ein bisschen anders. Die Zuschauer schienen Wawrinka zu wünschen, dass ihm ein guter Match gelingen möge. Und Federer, dass er gewinne.

Das passierte dann auch. Die beiden zeigten phasenweise grosses Tennis, wobei sie ihre ­bekannten Stärken ausspielten: Wawrinka schlug, erstaunlich gut erholt von seinem Marathonspiel gegen Stefanos Tsitsipas, wuchtig auf die Bälle ein. Federer versuchte, dessen Rhythmus zu brechen und möglichst oft ans Netz vorzustossen. Mit seinem 60. Netzangriff schloss er die Partie nach gut dreieinhalb Stunden denn auch ab.

Das 7:6, 4:6, 7:6, 6:4 widerspiegelte gut, wie umkämpft und wechselhaft das Spiel gewesen war. Wobei Wawrinka wiederum seine neue Stärke demonstrierte: die Abwehr von Breakbällen. Gegen Tsitsipas waren es 22 von 27 gewesen, gegen Federer sogar 16 von 18.

«Es war hart, sehr, sehr hart», sagte der Baselbieter im Platzinterview. «Dazu kam noch die Regenpause. Es ist der Horror, danach den Rhythmus gleich wieder zu finden.» Was ihm aber gelang. Bei 3:3 im vierten Satz wurde die Partie wegen eines Platzregens für eine gute Stunde unterbrochen. Um 18.40 Uhr wurde sie fortgesetzt, im dritten Game realisierte Federer sein ­finales Break. Als es vorbei war, zollte er seinem Landsmann Respekt: «Unglaublich, wie gut Stan nach dem Tsitsipas-Match wieder gespielt hat. Gratulation!»

Er habe gar keine andere ­Möglichkeit gehabt, als so oft wie möglich zu variieren und sein Heil am Netz zu suchen, selbst nach weniger guten Aufschlägen, sagte Federer. «Ich würde es­­ ­vorziehen, etwas öfter an der Grundlinie zu bleiben. Aber Stans Stärke zwingt mich dazu, so zu spielen.» Und auch im Halbfinal vom Freitag wird Federer seine Komfortzone oft verlassen müssen: gegen Rafael Nadal.

Nadal glaubte es nicht

«Mein nächster Gegner ist ganz okay. Er spielt ziemlich gut auf Sand», scherzte Federer auf dem Court. Um anzufügen: «Nein, was für eine Freude, auf Rafa zu treffen! Ich bin auch deshalb zurückgekehrt auf Sand, um gegen ihn spielen zu können. Jetzt bekomme ich diesen Match.»

Kurz darauf erschien der Spanier nach seinem lockeren Sieg über den erschöpften Kei Nishikori zur Pressekonferenz, und als er mit diesem Zitat Federers konfrontiert wurde, sagte er, er könne nicht glauben, dass der Schweizer dies gesagt habe. Vielleicht war das schon ein bisschen psychologische Kriegsführung Federers. Nadal pflegt in Wimbledon ja zu sagen, dass er nicht hoffe, auf diesen zu treffen. ­Sondern lieber auf jemanden, der weniger gut sei.

Das sechste Duell in Paris

Federer führte später noch aus, wie er es gemeint habe. Als er sich entschieden habe, auf Sand zurückzukehren, habe er natürlich gehofft, wieder auf Nadal zu treffen. Denn das würde bedeuten, dass er erfolgreich spiele. «Und es gibt gegen jeden Spieler eine Chance. Sonst würde ja niemand ins Stadion kommen, um die Matches zu schauen. Wenn ich mit der Einstellung ins Turnier gestiegen wäre, Nadal möglichst zu vermeiden, hätte ich gar nicht antreten müssen.»

Fünfmal duellierten sich ­Federer und Nadal schon am French Open, fünfmal siegte der Sandkönig: 2005 im Halbfinal, 2006, 07, 08 und 11 im Endspiel. Mit Ausnahme von 2008, als ihm Nadal nur vier Games überliess, war Federer aber immer dran, ­gewann er jeweils einen Satz.

Gut ist für ihn, dass er nun zwei Tage Zeit hat, sich auf den Linkshänder-Spin einzustellen. Und der Berner Dominic Stricker, der bei den Junioren in Runde 1 verlor, ist Linkshänder und wäre noch in Paris. Den Nadal-Spin nachzuahmen, dürfte für den 16-Jährigen allerdings eine Herausforderung sein.

Erstellt: 04.06.2019, 19:29 Uhr

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