Vor der Titelverteidigung gibt es für Federer erst einen Marathon

20 Jahre nach dem ersten Start an den Swiss Indoors gibt er Interview um Interview – mit aufschlussreichen Einblicken. 

Roger Federer hat viel zu erzählen, auch über seine neuen Beziehungen zu Japan – aber nicht, ob er bei Olympia 2020 in Tokio nochmals antreten wird. Fotos: Daniel Frutiger (Freshfocus)

Roger Federer hat viel zu erzählen, auch über seine neuen Beziehungen zu Japan – aber nicht, ob er bei Olympia 2020 in Tokio nochmals antreten wird. Fotos: Daniel Frutiger (Freshfocus)

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Am Freitagabend gibt er eine ­erste Reihe von Interviews, am Sonntag setzt Roger Federer seinen Medienmarathon in der St.-Jakobs-Halle fort. Man spürt es mehr denn je: Die Swiss Indoors und die Schweiz liegen ihm am Herzen. Und das nicht nur, weil er hier schon acht Titel geholt hat.

In Basel strebt Federer diese Woche seinen 9. Titel an, es wäre der 4. in Folge. Am Freitag nahm er in der St.-Jakobs-Halle das Training auf, gestern trainierte er mit Stan Wawrinka. «Zum Glück treffe ich in der ersten Runde nicht auf ihn», sagt er.

Filip Krajinovic (ATP 34), sein Startgegner, stand letztes Jahr in Paris-Bercy im Endspiel, dieses Jahr kam der 26-jährige Serbe noch nicht richtig in Schwung. «Die vergangene Woche war entspannt, und das war auch das Ziel», sagt Federer, der morgen Dienstag ins Turnier eingreift. Zu seinem Basler Programm gehören Besuche bei seinen Eltern und seiner Schwester, Essen mit Freunden, und gestern stand auch noch eine Stiftungsratsitzung der Roger Federer Foundation an.

2019 ist vieles offen, 2020 alles unklar

Hinter ihm liegt eine zehnwöchige Reise mit Stationen in Cincinnati, New York, Chicago, Zürich, Dubai, Tokio, Kyoto und Shanghai. «Mirka war mit den Kindern seit Ende Juli nicht mehr in der Schweiz, weil sie von Chicago direkt nach Dubai flogen. Das war ein Fehler, der Trip war zu lang», gibt er zu. «Aber es war auch eine sehr schöne Reise, auf der die ganze Familie Spass hatte.» 2019 werde es Anpassungen geben.

Nachdem er seit 2006 nicht mehr in Japan spielte, inzwischen aber mit Uniqlo einen japanischen Kleiderpartner hat, plant er nächste Saison einen Schaukampf in Tokio, vorzugsweise einen Match for Africa gegen Kei Nishikori. Ob er 2020 die Olympischen Spiele in Tokio bestreiten wolle, wisse er selber noch nicht. Seine Planung geht momentan nicht über das Jahr 2019 hinaus.

Den richtungsweisenden Entscheid, ob er die Sandsaison zum dritten Mal in Folge auslassen wird oder nicht, will er in den Ferien im November fällen. «Was ich nicht will, ist einmal zurückzuschauen und zu denken: Hätte ich doch nur...»

Roger Federer im Interview-Modus.

Federers erster Auftritt im Basler Hauptturnier liegt 20 Jahre zurück, dank einer Wildcard traf er auf Andre Agassi. Von einem Jubiläum will er aber nicht sprechen. «Für mich war schon 1997 ein grosser Moment, als ich erstmals die Qualifikation bestreiten durfte», sagt er.

In einem Interview mit dem «SonntagsBlick» sagt er auf die schon vor Jahren aktuell gewordene Frage, ob er sich dereinst eine Übernahme des Turniers vorstellen könne: «Sag niemals nie.» Solange Roger Brennwald das Zepter in der Hand habe, erübrige sich aber jede Diskussion. Er hoffe allerdings, dass es dem Turnier auch dann noch gut gehe, wenn seine eigene Karriere einmal beendet sei. Und er habe sich auch schon überlegt, ob er diese einmal hier beenden werde.

Die Handverletzung, von der keiner wusste

In der «SonntagsZeitung» überrascht Federer mit der Aussage, dass er vor der Rasensaison im Training in Stuttgart an der rechten Hand und am Handgelenk Schmerzen bekommen hatte, die ihn etwa drei Monate begleiteten. Er wisse nicht, ob seine Niederlagen in Halle (gegen Coric) und Wimbledon (Anderson) damit verbunden seien, «aber es war störend. Ich stellte mir Fragen und hatte ein ungutes Gefühl auf der Vorhand».

Auch in Cincinnati und New York hätten sich die Probleme bemerkbar gemacht. «Ich bin froh, dass das wieder im Lot ist. Inzwischen denke ich nicht mehr daran.» In Shanghai sei er mit seinem Niveau zuletzt sehr zufrieden gewesen, wie schon zuvor am Laver-Cup in Chicago.

«Der Laver-Cup in Genfwar nicht meine Idee»

Fix geplant hat Federer 2019 einen Start am 3. Laver-Cup, der vom 20. bis 22. September in der Genfer Palexpo-Halle ausgetragen wird. Dass «sein» Turnier in der Schweiz stattfinde, sei nicht seiner Initiative zu verdanken, sagt er. «Das war nicht meine Idee. Aber am Schluss waren noch zwei Städte im Rennen, und eine davon war Genf. Da dachte ich: Das könnte funktionieren, das wäre cool.» Er werde alles geben, um den Anlass zum Erfolg werden zu lassen.

In der Palexpo-Halle soll ein Stadion mit 18'000 Plätzen entstehen. «Ich habe Vertrauen in mein Land und in die Leute in Genf. Viele Zuschauer dürften auch aus dem Ausland kommen», so Federer. Enttäuscht sei er schon, dass der Anlass in der Schweiz nicht von der SRG übertragen werde, «aber inzwischen akzeptiere ich es».

Die Unterschiede zwischen Nike und Uniqlo

Gegenüber dieser Zeitung spricht Federer auch über den viel beachteten Wechsel seines Kleidersponsors. Bei der Trennung von Nike habe er sich nichts vorzuwerfen, «wir haben das Beste probiert. Wir hatten zwanzig ­Superjahre und gingen im Frieden auseinander». Für ihn sei es ein Glücksfall, mit Uniqlo einen Partner gefunden zu haben, der extrem an ihn als Mensch glaube, und das über die Karriere hinaus. Nike sei viel leistungsorientierter, «dort bist du nur so gut wie dein letzter Match».

«Ich wollte unbedingt nach Japan, um die Leute kennen zu lernen, die Angestellten zu treffen und den Betrieb zu besichtigen», so Federer. Der Vertrag mit CEO Tadashi Yanai sei auf Vertrauensbasis abgeschlossen worden, «obwohl wir uns nie getroffen hatten. Es war auch ein Dank an ihn, dass ich nach Japan ging».

Momentan liefen interessante Diskussionen, in welche Richtung sich die Zusammenarbeit entwickeln solle. «Sie sehen, dass sie viele Möglichkeiten haben mit mir, und ich helfe ihnen gerne dabei, dieses Potenzial auszuschöpfen.» Er hoffe, dass er von Nike die Rechte am RF-­Logo bald erhalten werde. «Es ist ohnehin klar, dass das irgendwann zu mir zurückkommt. Sie brauchen es ja nicht mehr.» Er wolle es vor allem für die Fans zurückhaben. «Denn das Logo bringt noch mehr Persönlichkeit in die Produkte, und daran haben viele Fans Freude.»

Der voreilige Verzichtauf das Skifahren

Mit der «Basler Zeitung» spricht Federer über sein Alter. «Solche Fragen beantworte ich schon seit 2009, das ist kein Problem mehr für mich», sagt er. «Ich finde es schön, mit 37 noch zu spielen – das hätte ich ja selber nie gedacht. Vor zehn Jahren habe ich mit Skifahren aufgehört, weil ich dachte, ich sei langsam am Ende.» Er habe dadurch die Verletzungsgefahr minimieren wollen. «Hätte ich gewusst, dass es noch länger dauert, wäre ich fünf Jahre länger Ski gefahren...»

Erstellt: 21.10.2018, 23:11 Uhr

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