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Federer startet zur grossen Mission

Gewinnt er Basel, kann der Weltranglistenzweite 2017 weitere Meilensteine setzen.

René Stauffer, Basel
Startet zur grossen Aufholjagd: Roger Federer in Basel.
Startet zur grossen Aufholjagd: Roger Federer in Basel.

Die Vorfreude ist gross: Nach einem Jahr Unterbruch können in Basel die Federer-Festspiele weitergehen. Bereits zum 17. Mal tritt Roger Federer an seinem Heimturnier an, am Dienstag wird er gegen Frances Tiafoe (USA) im Einsatz stehen, und es sind sogar noch einige Tickets verfügbar.

Für den 7-fachen Basel-Sieger beginnt an den Swiss Indoors der Schlussspurt einer Saison, die ihm bereits die Grand-Slam-Titel 18 und 19 plus vier weitere Turniersiege eingetragen hat. Und dies, obwohl er sein Programm reduzierte, die Sandsaison ausliess und nur zehn Anlässe bestritt. Seine Matchbilanz ist mit 44:4 ausgezeichnet. Trotz dieses Miniprogramms bietet sich Federer in den kommenden vier Wochen die Möglichkeit, das Jahr seines grossen Comebacks mit einem Feuerwerk zu beschliessen indem er das Rennen um Rang 1 gegen den am Knie verletzten Rafael Nadal noch gewinnt. Er würde damit zwei bedeutende Meilensteine setzen:

  • Er wäre mit 36 Jahren und drei Monaten der älteste Weltranglistenerste der Tennisgeschichte, würde damit Andre Agassi ablösen;
  • Er würde zum sechsten Mal ein Jahr als Nummer 1 abschliessen, womit er den Rekord von Pete Sampras eingestellt hätte.

Angesichts seines fortgeschrittenen Alters kann nicht ausgeschlossen werden, dass dies seine letzte Chance ist, diese Rekorde zu erreichen. Denn in der nächsten Saison wird er sogleich unter Druck kommen, muss er doch allein in den ersten drei Monaten 4000 Punkte ersetzen.

Nadal einzuholen, stellt für ­Federer die ultimative Herausforderung dar, zumal er noch 1960 Punkte aufholen muss und ihm nur noch drei Turniere bleiben. Ein Sieg in Basel ist praktisch Pflicht: Sein Rückstand würde dann vor den letzten beiden Turnieren in Paris-Bercy und dem ATP-Finale in London noch 1460 Punkte betragen. Dann wäre wohl alles wieder offen, die Spannung gross.

Kommt es zum Showdown am ATP-Finale in London?

Angenommen, Nadal müsste auch die letzten beiden Turniere auslassen, könnte Federer ihn dann zum Beispiel überholen, indem er ­ungeschlagen seinen 7. Titel am ATP-­Finale holt, was ihm allein 1500 Punkte bringen würde. Selbst wenn Nadal in Paris und London antreten kann, wäre Federers Lage nicht ganz aussichtslos. Denn der zehnfache French-Open-Sieger konnte diese Tur­niere noch nie gewinnen. Seine Matchbilanz am Saisonfinale steht bei 16:12 und ist im Vergleich zu Federer (52:12) sehr bescheiden.

Im Palais Omnisports von Paris allerdings war auch der achtfache Wimbledon-Sieger bisher nicht sonderlich erfolgreich. Erst einmal, 2011, holte Federer dort den Titel. Das hat auch damit zu tun, dass das letzte Masters-Turnier für ihn ungünstig platziert ist und keine hohe Priorität geniesst gegenüber Basel, das unmittelbar davor stattfindet, sowie dem Saisonfinale der acht Jahresbesten kurz danach.

Mit dem Velo zur Halle

Die Swiss Indoors waren für ­Federer schon immer wie ein fünftes Grand-Slam-Turnier. Hier war er zwei Jahre als Balljunge im ­Einsatz, während seine Mutter ­Lynette in der Organisation mitarbeitete und fürs Ausstellen der Badges zuständig war. Er fuhr ­jeweils mit dem Velo zur Halle.

Hier traf er in seinem dritten grossen Turnier als 17-Jähriger und Weltnummer 396 erstmals auf einen Top-10-Spieler, den grossen Andre Agassi, der ihm damals nur fünf Games liess (3:6, 2:6). Hier stand er zwei Jahre später nach einem Hitchcock-Sieg über Lleyton Hewitt zum zweiten Mal in einem Final, verpasste den Titel aber gegen den Schweden Tomas Enqvist in fünf Sätzen und weinte danach bittere Tränen, weil er glaubte, dass er nie ein Turnier würde gewinnen können.

Es sollte dann auch lange dauern, bis er in der St. Jakobs-Halle endlich ungeschlagen blieb. 2003 wurde er im Spiel gegen seinen heutigen Coach Ivan Ljubicic von Rückenproblemen gestoppt. 2004 und 2005 verletzte er sich unmittelbar vor dem Turnier, zuerst am Oberschenkel (Muskelfaserriss), dann am Knöchel (Bänderriss). Als Federer 2006 den grossen goldenen Pokal im siebten Anlauf erstmals empfangen durfte, war er bereits 56-facher Turnier- und ­9-facher Grand-Slam-Sieger. Damit war der Bann aber gebrochen, und seither stand er jedes Mal im Endspiel. Insgesamt zwölf sind es inzwischen, sieben davon hat er gewonnen. Das bedeutet, dass er in Wimbledon (8 Titel) und Halle (9) noch immer erfolgreicher war. Andererseits hat Federer allein in Basel bereits 70 Partien bestritten (61:9) und über 3 Millionen Dollar Preisgeld abgeholt.

Am US Open brauchte ergegen Tiafoe fünf Sätze

Der Weltranglistenzweite nahm das Training am Donnerstag auf, zusammen mit seinem Jugendfreund Marco Chiudinelli, der einen Monat jünger ist und in Basel sein Abschiedsturnier bestreitet. Federer hatte in der Vorwoche in Shanghai innerhalb von fünf ­Tagen fünf Partien bestritten. Nach dem Finalsieg über Nadal äusserte er sich vorsichtig; es gehe ihm körperlich zwar gut, doch er müsse schauen, wie es nach der Rückkehr in die Schweiz gehe. Gemäss Informationen aus seinem Umfeld ist er fit und einsatzbereit. Er wird heute zu den Medien sprechen und startet am Dienstag gegen den Amerikaner Tiafoe, einen der stärksten Teenager, der dank einer Wildcard ins Hauptfeld kam. Gegen den 19-Jährigen (ATP 76) spielte er schon in Miami und am US Open, wo er fünf Sätze brauchte (4:6, 6:2, 6:1, 1:6, 6:4).

Del Potro und Cilic Favoriten der unteren Hälfte

Erst im Final könnte Federer auf Vorjahressieger Marin Cilic oder Juan Martin Del Potro treffen – den einzigen Spieler neben Djokovic, der ihn in Basel seit 2006 schlug, und das sogar zweimal. Aber auch in jenen Jahren spendierte Federer als Verlierer Pizza für die Ballkinder. Traditionen wollen eben gepflegt sein.

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