Federer will niemanden loswerden

Roger Federer greift am ATP-Turnier in Cincinnati wieder ins Geschehen ein. Im Spielerrat trifft er auf Novak Djokovic, seinen Bezwinger im Wimbledon-Final.

Nach der Enttäuschung von Wimbledon ist Roger Federer bereit für Cincinnati.

Nach der Enttäuschung von Wimbledon ist Roger Federer bereit für Cincinnati. Bild: Matthew Stockman/Getty Images

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Was tut man nach einer schweren Enttäuschung? Man verbringt Zeit mit seinen Kindern und erfüllt ihre Wünsche. So machte es jedenfalls Roger Federer nach der bitteren Niederlage in Wimbledon gegen Novak Djokovic. «Am Sonntag spielte ich diesen brutalen Final, und am Montag mieteten wir mit der Familie einen Wohnwagen. Meine Kinder wollten sofort darin schlafen», erzählt der Baselbieter in einem Interview, das auf der Facebook-Seite des Turniers von Cincinnati veröffentlicht wurde. Am Tag nach dem verlorenen Final fühlte er sich «halb kaputt – von einer schlechten Nacht, vom Match, vom Turnier, vom abfallenden Druck».

Er gibt zu, dass ihn die Art, wie er verloren hatte, etwas verärgerte. Doch Federer wäre nie so erfolgreich geworden, würde er nach Negativerlebnissen monatelang grübeln oder sich durch Rückschläge gar aus der Bahn werfen lassen. «Nach so einer Niederlage ist es wichtig, sich sofort aufzurappeln und mit einer positiven Einstellung vorwärtszugehen», erzählt der Baselbieter. Und eigentlich ist es überflüssig, dass er anfügt: «Diese Einstellung habe ich absolut.»

Einstimmige Wahl von Nadal und Federer

Federer genoss mit der Familie den Schweizer Sommer: Neun Tage lang griff er nicht zum Schläger. Allzu hart fielen danach die Einheiten nicht aus. «Es ging darum, frisch in dieses Turnier zu steigen und mich im Training nicht zu überfordern», erklärt er. In Cincinnati respektive Mason, wo der Event tatsächlich stattfindet, fühlt sich Federer wohl. Siebenmal hat er den Titel an diesem Masters-1000-Turnier schon geholt. Am Mediengespräch ist freilich nicht die sportliche Perspektive des Routiniers das Hauptthema, sondern dessen Schritt, gemeinsam mit Rafael Nadal in den ATP-Spielerrat zurückzukehren.

«Ich bin froh, nahm der Spielerrat uns auf. Die Mitglieder hätten auch Nein sagen können.»


Roger Federer

«Ich sagte Rafa, ich bin nur dabei, wenn du auch dabei bist», sagt Federer. «Ich bin froh, nahm der Spielerrat uns auf. Die Mitglieder hätten auch Nein sagen können, auch wenn das für sie wohl nicht so gut ausgesehen hätte. Aber vielleicht hatten sie andere Namen im Kopf.» Präsident Djokovic berichtet, die Bewerbungen der beiden und von Ex-Profi Jürgen Melzer seien von den verbliebenen Mitgliedern einstimmig unterstützt worden. Es sei wohl das erste Mal, dass die Top 3 im Spielerrat sässen «Das ist positiv für die Repräsentation der Spieler.»

«Ich weiss nicht,wie lange ich noch spiele»

Der Serbe war nach der Abwahl von ATP-CEO Chris Kermode und den vorzeitigen Demissionen mehrerer Ratsmitglieder in die Kritik geraten. Doch Federer betont, er habe keine Agenda. «Es gibt nichts, was ich unbedingt ändern will. Ich bin nicht dabei, um jemanden loszuwerden. Ich komme, um zu helfen.» Der seit letzter Woche 38-jährige Schweizer will sich vorerst ein klares Bild machen und sich mit Nadal austauschen.

Doch aus dem angedachten Treffen mit dem Mallorquiner wird vorerst nichts. Trotz seinem Blitzsieg im Final von Montreal gegen Danill Medwedew hat Nadal die Teilnahme in Cincinnati abgesagt. Was Federer aber schon aufgefallen ist: «Es gibt Probleme mit der Kommunikation. Ich habe das Gefühl, in diesem Bereich hapert es am meisten.» Die erste Sitzung des neu zusammengesetzten Spielerrats findet vor dem US Open statt. «Tennis befindet sich in einer Phase des Wandels. Es liegen viele Themen auf dem Tisch. Ich brenne darauf, mit Federer und Nadal in New York am Tisch zu sitzen», sagt Djokovic.

Federer spricht dann auch noch über seine Zukunft. Er erzählt, er sei mit seinem Niveau zufrieden, habe aber noch keine Ahnung, ob er 2020 an den Olympischen Spielen in Tokio teilnehmen und wie lange er noch spielen werde. «Es wäre grossartig, es zu wissen, aber ich weiss es nicht.» Immerhin weiss er seit Montag, dass er in seinem ersten Match auf Juan Ignacio Londero (ARG/ATP 55) trifft. Und, dass er in Mason keine Wünsche seiner Kinder erfüllen muss. Die Familie ist nämlich nicht mitgereist.

Erstellt: 13.08.2019, 10:19 Uhr

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