Federers spätes Eingeständnis und eine Warnung

Nach dem zweiten klaren Sieg erwartet den sechsfachen Champion am Australian Open ein harter Test gegen einen tückischen Gegner.

Roger Federer präsentiert sich bisher in einer starken Verfassung. (Video: SRF)

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Nach der Luftverschmutzung durch die Buschbrände, sintflutartigem Regen und Hagel meldete sich in Melbourne am Mittwoch ein anderer unerwünschter Mitspieler am Australian Open: ein Sturmwind, zusammen mit hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen von über 30 Grad. Roger Federer, der erst spät am Abend antreten musste, wurde jedoch zu einem der wenigen Günstlinge des abendlichen Regens, weil deshalb das Dach der Rod-Laver-Arena geschlossen wurde.

«Damit hatte ich gerechnet, weil Regen vorausgesagt worden war», sagte er später. Keiner kennt das Spiel mit den Elementen besser als Federer, der bereits sein 21. Australian Open bestreitet, womit er den früheren Rekordhalter Lleyton Hewitt übertrifft. Beim 99. Sieg, einem souverän herausgespielten 6:1, 6:4, 6:1 gegen den matten Serben Filip Krajinovic, konnte er hier aber keine neuen Erkenntnisse sammeln. Wie schon im Startspiel gegen Steve Johnson waren die Spielbedingungen nahezu ideal.

Der entscheidende Punkt: Roger Federer schlägt Filip Krajinovic problemlos. (Video: SRF)

Wetterbedingungen variieren stark am Australian Open

Wie diese sein werden, wenn er am Freitag auf den Australier John Millman (ATP 47) trifft, ist aber unklar. «Es spielt eine grosse Rolle, ob wir tagsüber oder am Abend spielen, ob es windig ist oder nicht», blickt Federer voraus. Es gilt die Faustregel: Je wärmer, desto schneller die Bedingungen, je kühler, desto langsamer. Wind würde erfordern, das Risiko zu drosseln.

An keinem Turnier variiert das Wetter so stark wie am Australian Open. Das Thermometer kann innert Stunden von über 40 auf unter 20 Grad Celsius fallen, wenn der Wind statt aus dem Landesinneren plötzlich aus der Antarktis bläst. Das beeinflusst das Ballverhalten und damit die Taktik entscheidend.

Federer, der in Melbourne weiterhin noch nie vor Runde 3 ausgeschieden ist, hat zwar bisher erst 13 Games abgegeben und kann nach dem Aus von Grigor Dimitrov erst im Viertelfinal auf einen Gesetzten treffen. Dennoch sagt er: «Der nächste Match wird für mich zu einem guten Test.»

«Der nächste Match wird für mich zu einem guten Test»Roger Federer

Die Erinnerungen an die letzte Grand-Slam-Partie gegen den 30-jährigen Queenslander Millman, gegen den er im Duell 2:1 führt, sind für ihn Warnung genug. Diese hatte Federer 2018 am US Open im Achtelfinal verloren, und auch damals hatten die Bedingungen eine entscheidende Rolle gespielt. Er sei bei jenem 6:3, 5:7, 6:7, 6:7 «gegen eine Mauer» gelaufen, erinnert er sich. Und schon 2015 in Brisbane habe er gegen Millman erst nach einem grossen Rückstand gewinnen können. «In New York war es eine Kombination verschiedener Dinge – aber viel mehr ein körperliches als ein spielerisches Problem.» Nie zuvor habe er sich nach einer Partie derart miserabel gefühlt. «Ich war froh, dass es vorbei war.»

Federer hat gelernt, auf jedes Detail zu achten

Federer gab in Melbourne jetzt auch zu, dass er hier 2019 trotz seiner Routine selber von den Bedingungen überrascht worden war – wegen der Bälle. Damals war das Produkt gewechselt worden (Dunlop statt Wilson), und die neuen Spielobjekte haben die Eigenschaft, ziemlich rasch aufzuquellen. Stefanos Tsitsipas fügte ihm damals im Achtelfinal die erste Niederlage in Melbourne nach zwei Triumphen und 17 Siegen in Folge zu.

«Ich hatte vor jener Partie gedacht, dass mein Slice mehr bewirken würde und ich mich auch einfacher aus der Defensive würde befreien können», bekannte er nun. «Die Bedingungen waren aber ganz anders als in den zwei Jahren zuvor. Ich wurde überrascht, wie langsam alles war, und zudem spielte er auch sehr gut.»

«Ich wurde überrascht, wie langsam alles war, und zudem spielte er auch sehr gut»Roger Federer

Wie wichtig die Bälle sind, bekräftigte Federer am Mittwoch erneut: «Sind sie neu, sind sie auch hier schnell. Doch sie nutzen sich rasch ab und werden extrem langsam.» Bis sie nach jeweils neun Games ersetzt werden (nach dem Einspielen schon nach sieben), sind deshalb Anpassungen nötig. In über 1500 Partien als Profi hat Federer gelernt, auf jedes Detail zu achten. Seine gesamte Vorbereitung im Dezember und Januar absolvierte er schon mit den Dunlop-Bällen, die am Australian Open benutzt werden. «Ich sollte dadurch hier etwas besser gewappnet sein.» Der gleiche Fehler wie vor zwölf Monaten soll ihm nicht nochmals unterlaufen.

Federer übte während der gesamten Vorbereitung mit den Dunlop-Bällen, die am Australian Open benutzt werden. (Bild: Keystone)

«In den ersten Trainings lösten sich kleine Körner vom Platz»

Für Feinabstimmung und Taktik sind aber nicht nur der Gegner, das Wetter und die Bälle zu berücksichtigen, sondern auch der Belag. Dieser kann sich auch auf Hartplätzen im Lauf eines Turniers verändern, ähnlich wie auf Rasen. Obwohl er in Melbourne dieses Jahr gewechselt wurde (von Plexicushion auf Greenset), ist der Unterschied nicht sehr gross und für Zuschauer kaum festzustellen. Der neue wird von den Spielern allgemein als etwas langsamer eingestuft, doch Federers Coach Severin Lüthi sagte: «In den ersten Trainings lösten sich kleine Körner vom Platz. Wir wissen deshalb nicht, wie er sich mit den Tagen verändert.» Jedes Spiel, jedes Training hinterlässt Spuren, und in der Regel werden die Hartplätze dadurch schneller. Federer kann dies nur recht sein.

Erstellt: 22.01.2020, 18:55 Uhr

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